Voxhaus

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Die ersten sechs Jahre Rundfunk im Vox-Haus

 

„Die Räume wachsen, es dehnt sich das Haus“ - unter diesem Titel beschrieb Friedrich Georg Knöpfke, Vorsitzender des Vorstands der Berliner Funk-Stunde AG, das Wachsen der ersten deutschen Sendegesellschaft:

 

"1923: September - Oktober. Inflationszeit. Die Jagd nach dem Dollar. Die Mark rechnet nur nach Millionen. Um diese Zeit entsteht der deutsche Unterhaltungsrundfunk. Nur beschränkte Mittel sind vorhanden, Abonnenten sollen erst gewonnen werden - eine verhältnismäßig schwere Aufgabe, da der Hörer sofort 60 Goldmark Jahresgebühr zahlen muss. Da heißt es, mit den vorhandenen Geldmitteln vorsichtig und sparsam wirtschaften. Ein Zimmer im III. Stock Potsdamer Straße 4 steht für den Senderaum zur Verfügung, und dieser muss noch mit dem Telegraphentechnischen Reichsamt geteilt werden, so dass eigentlich für die ausübenden Künstler nur ein Raum von 3,50 m Länge und 3,70 m Breite bleibt. Der Raum wird durch gespannte Pferdedecken geteilt, an den Wänden Seidenpapier, später Scheuertücher. Die Decke teils durch Bindfaden, teils durch Papierbehänge ‚akustisch’ hergerichtet. Ein Klavier, eine Sprechmaschine, Stühle und Notenständer bilden das Mobiliar, und dann die Sensation: das ‚Kohle-Mikrophon’. So ging es los. Die Sprechmaschine wurde als Untersatz für das Mikrophon benutzt, und wenn die Figur des Vortragenden größer war, dann kam zwischen Untersatz und Mikrophon noch ein dickes Adressbuch. Am 29. Oktober, dem Beginn des Unterhaltungsrundfunks, hatten wir null zahlende Hörer; am 31. Dezember: 1 025.

 

1924: Das Telegraphentechnische Reichsamt erhält für seine Anlagen einen eigenen Raum. Wir können uns also ‚vergrößern’. Der Aufnahmeraum ist jetzt 7 m lang und 3,70 breit. Die Wände und die Decke erhalten Friesvorhänge. Das ‚Kohle-Mikrophon’ ist längst durch das ‚Telegrafen-Mikrophon’ abgelöst. Ganz Vorzügliches leisten das ‚Kathodophon’- und das ‚Bändchen’-Mikrophon. Begeisterte Zuschriften aus dem In- und Ausland. Nach eigenen Plänen wird ein neuer, moderner Aufnahmeraum in Angriff genommen (14 m lang und 6,60 m breit). Um die Weihnachtszeit sind wir fertig. Es heißt Abschied nehmen von dem lieben, kleinen, alten Raum, von dem wir uns Berlin, Deutschland - ich glaube, die ganze Welt eroberten. Bald nach Festsetzung der Teilnehmergebühren auf monatlich 2 Mark (April) setzt der Aufstieg ein. Im April noch 3 520 zahlende Hörer und am Ende des Jahres 220 592.

 

1925: Nun sind wir in dem neuen Raum. 50 bis 60 Mann Orchester werden bequem untergebracht; die größten Sendespiele (mit 150 Mitwirkenden) wickeln sich glatt ab. Die Akustik hervorragend und dazu das neue, alles weit in den Schatten stellende ‚Reiß’-Mikrophon. Rastlos (größtenteils in 15stündiger Arbeitszeit) ging der Betrieb die steile Bahn hinan; von Tag zu Tag wurde er umfangreicher. In diese Zeit fällt die Gründung des Großen Funk-Orchesters und des Funk-Chors. Aber auch das neue Haus wird zu eng. Es heißt wiederum: Arbeitspläne machen. Ein ganzes Stockwerk wird hinzugenommen. Ein großer Raum, 18 m lang und 9 m breit, wird für einen zweiten Senderaum bestimmt, und die Maurer, Tapezierer, Tischler ziehen wieder ein. Pläne entstehen, werden verworfen, neue skizziert und endlich ausgeführt, und so schließen wir das Jahr inmitten voller Arbeit und emsigster Bautätigkeit, und der Lohn: 443 607 Hörer.

 

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1926: Hochbetrieb auf der ganzen Linie! Der neue Raum wird mit Holztäfelung versehen, ohne jedoch die Stoffabdichtung gänzlich zu beseitigen. Siebenfach abgesperrtes Gabun, eine Abart von Mahagoniholz. Eine Schiedmayer-Orgel steht für große Aufgaben bereit. Elektrische Anschlüsse für akustische Maschinen sind vorgesehen. Eine Wasseranlage zur Erzeugung natürlichen Regens, für Bootsmotore und ähnliche Zwecke bewährt sich glänzend. Schalldichte Zellen außerhalb des Saales ermöglichen akustische Beobachtung... Das erste größere Hörspiel: ‚Der akustische Film’ erlebt im Beisein der Presse seine Erstaufführung. Die Aufführung der Oper ‚Tristan und Isolde’ beweist die Tauglichkeit des neuen Raumes. Wie klang Parsifal! Berlin hat unbestritten einen großen Erfolg... Am 31. Dezember 561 549 Hörer.

 

1927: Ein Jahr fleißiger Arbeit, die Programme wachsen. Aus allen zur Verfügung stehenden drei Sendesälen verbreiten wir unsere Darbietungen. Vielfach müssen die Höfe, die Treppenhäuser zur Hilfe genommen werden. Und schon tauchen Pläne für ein neues großes Funkhaus auf. Doch zunächst heißt es, mit den vorhandenen Räumen auskommen. Ende des Jahres wird beschlossen, die gesamte technische Anlage zu zentralisieren und gleichzeitig einen neuen Sendesaal vorzubereiten. So schließt das Jahr inmitten emsigster Arbeit, und wir zählen 616 634 zahlende Hörer.

 

1928: Die ganzen Parterreräume des Hauses Potsdamer Straße 4 werden der Funk-Stunde zur Verfügung gestellt. Die Verstärkeranlagen sind zentralisiert und ein neuer Senderaum 17,60 m lang und 8,50 m breit steht zur Verfügung. Die Wände haben Holzbekleidung (Nussbaum). Für Aufstellung der Mikrophone wird das sogenannte Schäffersche Zelt gebaut. Es stehen uns jetzt drei große Sendesäle zur Verfügung, und trotzdem kämpfen wir fast täglich mit Schwierigkeiten. Ganz besonders fehlen Probenräume... Die Frage eines großen Funkhauses mit neuzeitlichen Sälen wird immer mehr akut. Wir beschließen, ein Angebot der Stadt Berlin, in der Nähe des Messegeländes in Witzleben ein Funkhaus zu errichten, anzunehmen. Und inzwischen ist die Zahl unserer Hörer Ende 1928 auf 711 752 angewachsen.“ (in: Rundfunk. Ein Handbuch, Berlin 1930)

 

1931 konnte dieses neue „Haus des Rundfunks“ in der Masurenallee bezogen werden.

 

Das Photo oben rechts zeigt das Voxhaus in der Potsdamer Str. Das Photo unten links einen Studioraum.

 

 

EX / RST 06.12.2009

 

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