Private Pflegeversicherung

Der technische und medizinische Fortschritt prophezeit eine Lebenserwartung von über 80 Jahren. Doch kann der Mensch auch körperlich fit genug bleiben, um dieses hohe Alter vital zu erleben? Welche Konsequenzen hat es, wenn der Pflegefall eintritt? Was zahlen die Pflegekassen der Krankenversicherungen und wann ist eine zusätzliche private Pflegeversicherung sinnvoll.

Pflegeversicherung: Menschen werden immer älter

Im Jahr 2060 werden in Deutschland über 27 Millionen Menschen über 65 Jahre sein. Gleichzeitig sinkt die erwerbstätige Bevölkerung um knapp 14% oder 11,5 Millionen, so dass Bundesamt für Statistik (www.destatis.de). Mit dem medizinisch immer ausgefeilteren Wissen wird das erreichbare Lebensalter mehr und mehr Richtung 100 Jahre verschoben. Dies darf jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass eine hohe Zahl an Lebensjahren nicht gleichzeitig dauerhafte Gesundheit und Vitalität verspricht. Es kommt auf die körperlichen Belastungen des Berufslebens, mögliche Erkrankungen und dauerhaft einzunehmende Medikamente und der eigenen Lebensgewohnheiten an.

Häusliche Pflege oder Pflegeheim?

Wer zum Pflegefall wird, möchte nur selten seine vertraute Wohnumgebung verlassen. Jeder hat im Laufe seines Lebens gewisse Alltagsrhythmen aufgebaut, die zum einen lieb und teuer sowie zum anderen nur schwer abzulegen sind. Für die Angehörigen kann ein Pflegefall zum Beispiel der Eltern schwere Gewissenkonflikte hervorrufen. Nicht immer ist die Mehrfachbelastung von Beruf, Pflege und möglicherweise Versorgung der eigenen Kinder reibungslos zu organisieren. Soll die Pflege weiterhin zu Hause stattfinden oder doch ein Platz im Pflegeheim mit 24 Stunden Betreuung?

Laut dem BARMER GEK Pflegereport 2014 waren 2,5 Millionen gesetzlich Versicherte pflegebedürftig. Gegenüber 2013 wurde ein Anstieg von 3,5% festgestellt. Bis zum Jahr 2050 wird die Zahl der Pflegebedürftigen auf fast das Doppelte prognostiziert. Langfristig ist damit die Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Pflegekassen begrenzt.
Welche Leistungen erbringen die Pflegekassen?

Wird die Pflege durch einen Pflegedienst übernommen, werden in

  • Pflegestufe I: 468 Euro
  • Pflegestufe II: 1.144 Euro
  • Pflegestufe III: 1.612 Euro

an Sachleistungen erstattet.

Nehmen Angehörige die Pflege in die eigenen Hände, verringern sich die Leistungen als Pflegegeld auf

  1. Pflegestufe I: 244 Euro
  2. Pflegestufe II: 458 Euro
  3. Pflegestufe III: 728 Euro.

Bei teilstationärer Pflege gelten die Pflegesätze wie bei häuslicher Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst. Bei vollstationärer Unterbringung gelten erhöhte Sätze in der Pflegestufe I: 1.064,- EUR sowie Pflegestufe II: 1.330,- EUR. In besonderen Härtefällen wird in Pflegestufe III bis zu 1.995,- EUR erstattet.

Ist das genug für Pflege?

In einer statistischen Ermittlung wurde ein durchschnittlicher Pflegetagessatz zzgl. Verpflegung und Unterbringung von bis zu 130,-EUR*** pro Tag ermittelt. In der Pflegestufe III. würde sich daraus ein finanzieller Eigenanteil nach Abzug der Vorleistungen der Pflegekasse von mehr als 2.500,- EUR pro Monat ergeben. Für den Pflegebedürftigen und für die Angehörigen ergibt sich daraus eine wichtige Frage: Reichen die Rente und die Ersparnisse? Der Gesetzgeber hat hier klar geregelt, dass die Verwanden ersten Grades für die Pflegekosten aufkommen müssen, wenn das Vermögen des Pflegebedürftigen nicht ausreicht.

Abhilfe kann eine private, ergänzende Pflegeversicherung schaffen. Zum einen wäre die staatlich geförderte Pflegeversicherung (PflegeBahr genannt), welche im Pflegefall bei allen vier Stufen (im Falle von Demenz in der neuen Stufe 0) eine Leistung erbringt und zum anderen eine individuell vereinbare Absicherung für die einzelnen Pflegestufen 0 bis III.

Bei der staatlich geförderten Vorsorge gibt es keine Gesundheitsprüfung, sodass auch jemand mit Erkrankungen aufgenommen werden muss. Im Gegenzug ist eine Wartezeit von 5 Jahren eingeschlossen. Nach der Wartezeit wird die vereinbarte Leistung je nach Pflegestufe erbracht. Die Vorsorge wird mit einer jährlichen Prämie von 60,- EUR gefördert. Die Mindestabsicherung in der Pflegestufe III. ist mit 600,- EUR monatlichem Tagegeld oder 15,- EUR Monatsbeitrag gesetzlich vorgeschrieben.

Umso früher die Vorsorge begonnen wird, je günstiger sind die Beiträge oder höher die Leistungen. Von den nachfolgend genannten Beispielen wird der Bonus von monatlich 5,- EUR noch abgezogen. Interessent 30 Jahre alt, Geschlecht männlich oder weiblich.

HUK COBURG Krankenversicherung: Pflegerente Stufe III.: 812,22 EUR. Stufe 0: 10%, Stufe I.: 30%, Stufe II.: 60%. BEITRAG: 15,- EUR
Debeka Krankenversicherung: Pflegerente Stufe III.: 691,25 EUR. Stufe 0: 20%, Stufe I.: 35%, Stufe II.: 70%. BEITRAG: 15,- EUR
Allianz Krankenversicherung: Pflegerente Stufe III.: 930,00 EUR. Stufe 0: 10%, Stufe I.: 30%, Stufe II.: 60%. BEITRAG: 16,- EUR
50jährige zahlen für dieselbe Leistung fast das Doppelte.

Die zweite Variante ist ein individuell vereinbartes Pflegetagegeld für einzelne Pflegestufen oder auch komplett. In diesen Tarifen wird eine Gesundheitsprüfung zu Vorerkrankungen vorgenommen. Manche Versicherungsunternehmen bieten als Kombinationspaket an, keine Gesundheitsprüfung durchzuführen, wenn der PflegeBahr-Tarif und der individuelle Pflegetarif gleichzeitig abgeschlossen werden.

Aufgrund der Fülle an Angeboten ist eine individuelle Recherche sinnvoll. Die Beiträge für ein Pflegetagegeld bei 30 Tagen in Höhe von 1.800,- EUR reichen von unter 20,- EUR bis weit über 40,- EUR monatlich mit unterschiedlichsten Leistungsausprägungen.

Wer sollte eine Pflegezusatzversicherung abschließen?

Die zukünftigen Renten werden weniger üppig ausfallen als heute. Um Familienangehörige nicht zu belasten, ist eine Pflegezusatzversicherung sinnvoll, wenn die eigene Rente die Differenz der Kosten nach Abzug der Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung nicht ausgleicht bzw. kein Vermögen vorhanden ist, das die Kosten über einen längeren Zeitraum finanzieren kann. Langfristig wird eine Vorsorge für fast jeden sinnvoll sein.

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