
1922: Kurz vor der Einführung des offiziellen Unterhaltungsrundfunks gab es schon einen Vorläufer: Den Wirtschaftsrundspruch ab 1.9.1922. Das war ein Börsen- und Wirtschaftsnachrichtendienst für Abonnenten. Es wurde im Klartext gesprochen, keine Morse-Telegraphie verwendet.
1923: Beginn des Unterhaltungsrundfunks in Deutschland
Deutschland war nach den USA (1921) und Großbritannien (1922) das dritte Land, in dem der Rundfunk eingeführt und somit Erbauliches und Belehrendes „zu Gehör“ gebracht wurden. Technisch wäre man dazu schon früher in der Lage gewesen. Schließlich hatten seit Anfang 1920 in der von der Post betriebenen Hauptfunkstelle Königs Wusterhausen Übertragungsversuche von Sprache und Schallplattenmusik stattgefunden. Berühmt wurden diese postalischen Experimente durch die erste Übertragung aus der Staatsoper Berlin mit der Oper „Madame Butterfly“ am 8. Juni 1921. Allerdings nimmt auch Eberswalde mit der dortigen Lorenz-Anlage frühe Versuchs-Rundfunksendungen in Anspruch (Literatur: "Hallo! Hallo! Hier Eberswalde!", Knut Berger, Museum in der Adler-Apotheke Stadt Eberswalde).
Die offizielle Eröffnung des deutschen Rundfunks ließ deshalb noch einige Zeit auf sich warten (29.10.1923, Voxhaus), weil schon vor seiner Gründung typisch deutsche, nämlich politische Machtkämpfe um die Vorherrschaft in diesem neuen Medium stattfanden: Reichspostministerium und Reichsinnenministerium stritten sich um die behördliche Zuständigkeit.
Der Staat besaß zwar die Funkhoheit über die technischen Übertragungsmittel, ungeklärt war aber noch, wer Einfluss auf den Inhalt dieser Übertragungen haben sollte. Die fehlende Kontrolle über solche öffentlichen funktechnischen Übertragungen war die Sorge des Reichsinnenministeriums, das um die Staatssicherheit und das Telegraphengeheimnis fürchtete.

Im Juli 1923 wurde endlich ein Kompromiss erzielt:
Der Industrie wurde die Einschränkung auferlegt, nur solche Empfangsgeräte zu produzieren, die nicht mehr als den Wellenbereich von 250 bis 700 m (Mittelwellen) aufnehmen konnten und außerdem nicht in der Lage sein sollten, Funkwellen selbst zu erzeugen und auszustrahlen (Rückkopplungsverbot). (Siehe: Zulassungsbedingungen)
Die Zeitschrift „RADIO“ (Heft 10, 1923) listete 18 Firmen auf, die in dieser Anfangsphase zur Herstellung und zum Vertrieb von Rundfunkempfängern in Deutschland auf deren Antrag hin zugelassen worden waren - bis auf Bayern, das sich der Vereinbarung vorerst nicht angeschlossen hatte. Es waren dies die Firmen:
1. Afra, A.G. für Radio-Apparatebau, Berlin
2. Birgfeld, W.A., Berlin
3. Charlottenburger Motorengesellschaft m.b.H., Berlin
4. Fritz & Braun, Kassel
5. Haas & Schmidt, Berlin
6. Huth, Dr. Erich F., Berlin
7. Jaeger & Co., G.m.b.H., Berlin
8. Lorenz, C., Aktiengesellschaft, Berlin
9. Mix & Genest, Aktiengesellschaft, Berlin
10. Radiofrequenz G.m.b.H., Berlin
11. Radiosonanz G.m.b.H., Berlin
12. Radio Telephonie G.m.b.H., Berlin
13. Gustav Rohleder & Co., Berlin
14. Seibt, Dr. Georg, Berlin
15. Telefunken, Gesellschaft für drahtlose Telegraphie, Berlin
16. Voß & Co., Hamburg
17. Watt Elektrizitäts-A.-G., Dresden
18. Behm & Co. m.b.H., Berlin.

In diesem Rahmen sollte der zukünftige Rundfunkempfang jedermann gestattet sein, der nach Anmeldung seines Geräts und nach Erhalt einer gebührenpflichtigen Genehmigungsurkunde der Deutschen Reichspost berechtigt war, eine „Funkempfangsanlage zu errichten und zu betreiben“. Zusätzlich sollten nur für solche Rundfunkgeräte Genehmigungen erteilt werden, die von einer amtlich anerkannten, lizenzierten Firma hergestellt worden waren und den Prüfstempel der Reichs-Telegraphen-Verwaltung (RTV-Stempel) trugen.
Der gesetzliche Rahmen war damit abgesteckt. War auch die Reichspost bereit, die technischen Mittel „zur Übertragung von Sendeinhalten“ zu errichten und zu betreiben, wollte und konnte sie von Anfang an nicht die Verantwortlichkeit für die zukünftige Programmgestaltung übernehmen, da eine solche Aufgabe bei weitem über ihre Funktion als Reichsbehörde hinausging.
1924 wurde der Umgang mit der Funktechnik in einer Verordnung präzisiert. So gab es folgende Genehmigungen:
1 und 2 wurden in der Regel gemeinsam erteilt. Um sich auf die Genehmigungen zu (2), 3 und 4 vobereiten zu können, gab es einführende Bücher, wie z.B. ""Wie erwerbe ich eine Versuchserlaubnis?" von der Frankh'schen Verlagshandlung Stuttgart. Herausgeber Hanns Günther.
Die musizierenden Postbeamten während der Erprobungsphase des neuen Mediums sollten eine Ausnahme bleiben. Aufgrund ihres funkhoheitlichen Verleihungsrechts beabsichtigte deshalb die Post, unter bestimmten Bedingungen - finanzielle Sicherheiten und politische Unabhängigkeit - die Programmgestaltung und -darbietung privater Initiative zu überlassen.
Zwei Gesellschaften, die „Deutsche Stunde, Gesellschaft für drahtlose Belehrung und Unterhaltung mbH“ und die vom Reichsinnenministerium gegründete Gesellschaft „Drahtloser Dienst A.G. für Buch und Presse“ (später Dradag genannt), erhielten vom Reichspostministerium die erste Konzession zur Eröffnung eines regelmäßigen Programmdienstes, wobei die Dradag für Tagesnachrichten und Darbietungen politischen Inhalts verantwortlich war, die Deutsche Stunde für die musikalischen, wissenschaftlichen und literarischen Beiträge.
Geldgeber für die in Folge gegründeten Rundfunkgesellschaften, die die Kosten der Post und der täglichen Ausstrahlung decken mussten, fanden sich in Wirtschafts- und Industriekreisen, die ein kommerzielles (Werbe-)Interesse am Rundfunk hatten.
Unpolitisch und unabhängig - wie später so oft in der Weimarer Republik beschworen - war der Rundfunk in Deutschland also von Anfang an nicht: Der Staat war nie willens, auf Kontrolle und Einfluss zu verzichten, die Sendegesellschaften wurden von kommerziellen Interessen getragen.
1924 war das Netz der regionalen Rundfunkanstalten in Deutschland geknüpft. Es gab neun Gesellschaften, von denen nur eine, die „Radio-Stunde AG“, schon im Vorjahr, nämlich am 29. Oktober 1923, in Berlin den Programmdienst aufgenommen und damit die Geburtsstunde des Rundfunks in Deutschland eingeläutet hatte. Am 18. März 1924 änderte die Berliner Sendegesellschaft ihren Namen und hieß von da an „Funk-Stunde AG“.

Die Gründungsdaten und Namen der anderen Bezirksgesellschaften, die nach dem Berliner Vorbild ihren Dienst aufnahmen, waren folgende:
- Mitteldeutsche Rundfunk AG, Leipzig, 1.3.1924
- Deutsche Stunde in Bayern GmbH, München, 30.3.1924
- Südwestdeutscher Rundfunkdienst AG, Frankfurt/M., 30.3.1924
- Nordische Rundfunk AG, Hamburg, 2.5.1924
- Süddeutsche Rundfunk AG, Stuttgart, 10.5.1924
- Schlesische Funkstunde AG, Breslau, 26.5.1924
- Ostmarken Rundfunk AG, Königsberg, 14.6.1924
- Westdeutscher Rundfunk AG, Münster, 10.10.1924, ab 1927 in Köln
Frühe Empfangsgeräte
Die frühen Jahre des Rundfunks waren geprägt von noch recht einfachen Empfangsgeräten. Begriffe wie Detektorempfänger, Einkreiser, Audions, Rückkopplungsempfänger, Neutrodyne stehen für damals hauptsächlich genutzte Empfängerprinzipien. Schon bald kamen dann die Superheterodyne-Empfänger (kurz Super oder Superhet genannt) hinzu und brachten deutlich gesteigerte Empfangsleistungen.
Detektorempfänger wurden haupsächlich verwendet, da Röhrenempfänger sehr teuer waren. Für einfache Arbeiter waren Radios kaum erschwinglich, deshalb behalf man sich gern mit Selbstbau-Detektorgeräten. Es entwickelte sich schnell ein Markt für Radio-Bauteile. Versandhäuser lieferten in das gesamte Reichsgebiet. Bastlerzeitschriften und viele Fachbücher halfen dem Hobby-Monteur über die ersten Hürden. Es war die Zeit der vielen Spezial-Bauanleitungen mit diversen guten oder gutgemeinten Schaltungen. Der Wortteil "-Dyne" war das Zauberwort, "Ultradyne, Neutrodyne, Tropadyne", usw. Extern: 
Die technische Entwicklung bei den Radios gestaltete sich wie folgt:
Man unterschied Ortsempfänger, Bezirksempfänger und Fernempfänger. Die Grenzen waren dabei fließend. Generell konnte man sagen, je mehr Kreise (Schwingkreise) und Röhren ein Radio hatte, desto höher war die Empfangsleitung und Tonqualität. Die Qualitätsreihenfolge:
Warum war der Superhet besser als der Detektor / Einkreiser / Mehrkreiser?
Der Detektor hatte keine Verstärkerstufen. Einkreiser hatten nur eine begrenzte Selektion (dass heißt, starke Ortssender konnten den Fernempfang benachbarter Sender stören). Mehrkreiser waren besser (selektiver und empfindlicher) als Einkreiser, teilweise aber schwerer zu bedienen und konnten Empfangsschwankungen in der Regel schlechter ausgleichen. Der Superhet setzte das Empfangssignal auf eine andere Frequenz um (Zwischenfrequenz) und konnte dann mit dieser festabgestimmten Stufe (auch mehrstufig) eine hohe Gesamtverstärkung erzielen und dabei eine gute Selektion (Unempfindlichkeit gegenüber starken Ortssendern) aufbauen und durch Regelschaltungen Empfangsschwankungen ausgleichen. Superhetempfänger stellten über Jahrzehnte den Abschluß der Radio-Entwicklung dar.
Wie sah es in einem typischen Wohnzimmer mit Radio in den zwanziger Jahren aus? 
Weitergehende Informationen zu Detektor-Empfängern.
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