1. Große Deutsche Funk-Ausstellung Berlin 1924 (4. - 14. Dezember)
Die 1. Große Deutsche Funkausstellung bot erwartungsgemäß keine Sensationen, die Rundfunkindustrie war ja erst ein Jahr alt. Im Vordergrund standen Detektorempfänger für den Rundfunk-Empfang im Kopfhörer. Diese ersten Geräte gab es in verschiedenen Ausführungen, vom einfachen Schiebespulen-Empfänger bis hin zum trennschärferen Detektorempfänger in Sekundärschaltung (8,50 - 29,- Goldmark). Aber auch Röhrengeräte mit ein bis fünf Röhren wurden gezeigt und vorgeführt, zum großen Teil in Baukastenform, d.h. Empfangsteil, Hoch- und Niederfrequenzverstärker in getrennten Gehäusen.
Sie waren ausgerüstet für Lautsprecherempfang. Wegen der Postbestimmungen waren viele dieser Röhrenempfänger ohne frei einstellbare Rückkopplung aufgebaut und für den zugelassenen Wellenbereich plombiert. Einer der hervorzuhebenden Empfänger ist der Drei-Röhren-Apparat EA 991 der Radiofrequenz G.m.b.H. Berlin, der schon eine mit Wellenlängen und Sendernamen bedruckte Skala besaß.
Das Angebot an Einzelteilen war ein weiterer Schwerpunkt dieser ersten Funkausstellung. Alles, was zum Bau eines Radios wichtig und nötig war, wurde gezeigt: Spulendrähte und -litzen, fertige Spulen/Widerstände, Kondensatoren, Regelwiderstände, Röhrenfassungen, Drehkondensatoren, Skalen, Detektormineralien und Aufsteckdetektoren, Hartgummiartikel, Buchsen und Stecker, Antennenmaterialien usw. Als Zubehör werden Zimmer- und Rahmenantennen, Kopfhörer und -verteiler und die für den Röhrenapparat nötigen Heizakkus und Anodenbatterien und Messinstrumente für die Überwachung der Batteriespannung gezeigt. Einige "Einzelteilfirmen", z.B. Saba, werden später große Rundfunkgeräte-Hersteller.
Die Firmen, die sich mit der Röhrenherstellung befassen, zeigen ihre Empfänger- und Verstärkerröhren (Loewe, Lorenz, Siemens, TeKaDe, Telefunken). Telefunken stellt drei Röhrensender zur Schau, darunter einen 1,5 kW-Rundfunksender, der hinter Glaswänden in Betrieb vom Publikum besichtigt werden konnte und zeitweise vom VOX-Haus über eine Telephonleitung besprochen wurde.

2. Große Deutsche Funk-Ausstellung Berlin 1925 (4. - 13. September)
Die 2. Funkausstellung steht im Zeichen der Aufhebung der Postbeschränkungen für den Rundfunkempfang (1.9.1925): Freigabe des Wellenbereiches 200-2000 m und Wegfall der Audionversuchserlaubnis. Fast alle Firmen haben sich auf diese neue Situation eingestellt und zeigen deshalb Empfänger für Wellen von 200-2000 m; es gibt auch Zusatzgeräte, die den Wellenbereich der alten Empfänger auf 750-2000 m (Langwelle) erweitern. Dies ermöglicht z.B. den Empfang des neuen Deutschlandsenders in Königs Wusterhausen auf Welle 1300 m. Durch die Freigabe des Wellenbereiches ergeben sich auch neue Gehäuseformen: Die „Kastenform“, wegen der Plombierung fast erzwungen, wird überwiegend durch das Pultgehäuse ersetzt. Dadurch lassen sich die technischen Voraussetzungen für den Wechsel des Wellenbereiches mittels Steckspulen, auswechselbarer Spulenkästen oder durch Schalter besser lösen und auch die Anordnung der Bedienelemente für den Nutzer optimieren.
Ein breites Feld nimmt wieder der Detektorempfänger ein, der technisch verfeinert wurde (AEG: Grob/ Feinabstimmung), dadurch die Bedienung erleichterte und für den von einigen Firmen ein Niederfrequenz-Verstärker angeboten wird. Als kleinster Detektorempfänger wird von Lorenz ein „Taschendetektor“ gezeigt.
Bei den Röhrengeräten gibt es wiederum Geräte, bei denen die einzelnen Stufen in separaten Gehäusen aufgebaut sind und so, je nach Empfangslage, miteinander kombiniert werden können (z. B. Sachsenwerk, Siemens, Telefunken).
Unter den Empfängern mit vier oder mehr Röhren gibt es qualitativ gute Fernempfänger (z.B. Radiofrequenz, Detewe), die sogar zum Teil für Wellenlängen von 100-4500 m ausgelegt sind.
Auch erste Superhetempfänger mit bis zu zehn Röhren werden gezeigt, z.B. der Sieben-Röhren-Superhuth II der Firma Erich F. Huth mit eingebauten Batterien und angebauter Rahmenantenne, der für Bastler auch als Einzelteile-Bausatz erhältlich ist, oder der „König der Empfänger“, ein Neun-Röhren-Superhet der Firma Tefag. Allerdings sind diese Kostbarkeiten noch sündhaft teuer - bis zu 600,- Reichsmark!
Neben den Kopfhörern zeigt die Funkausstellung 1925 auch in zunehmendem Maße Trichterlautsprecher, (das Modell von Neufeldt & Kuhnke mit einer Holztonführung sogar schon mit sauberer, klanglich ausgeglichener Wiedergabe.
Die Menge der gezeigten Einzelteile für Bastler ist wieder groß; auch hier zeigt sich eine deutliche Qualitätssteigerung. „Die Bastlerbewegung ist in voller Blüte!“
3. Große Deutsche Funk-Ausstellung Berlin 1926 (3. - 12. September)
Die Funkausstellung 1926 markiert einen Wendepunkt in der Entwicklung der deutschen Rundfunktechnik. Ein Jahr nach der Freigabe der technischen Beschränkungen für den Bau von Rundfunk-Empfängern zeigt sich eine Umwandlung von einer komplizierten technischen Maschine zum Gebrauchsgegenstand mit einfacher Bedienung. Das erstmalige Erscheinen der „Mehrfachröhren“ führt zur Schaffung zweier Empfängerklassen: Ortsempfänger und Fernempfänger.
Der Ortsempfänger gestattet einen möglichst klaren und einwandfreien Empfang des Ortssenders im Lautsprecher bei einfachster Bedienung. Hervorzuheben ist hier der OE 333 der Loewe-Radio GmbH, der mit der neuen Loewe-Dreifach röhre 3 NF bestückt ist. Diese Röhre beinhaltet nicht nur die drei Röhrensysteme, sondern auch die für eine dreistufige Verstärkerschaltung nötigen Widerstände und Kondensatoren. Hierdurch ergibt sich ein vereinfachter Aufbau des Ortsempfängers und somit ein günstiger Preis (RM 39,50). Andere Firmen zeigen Ortsempfänger mit drei einzelnen Röhren oder in Kombination von Doppel- und Einfachröhren.
Auch bei den Fernempfängern sind typische Merkmale zur Vereinfachung der Bedienung zu erkennen. Besondere Beachtung findet die „Einknopfbedienung“ bei einigen Firmen (z. B. lsaria, Owin, Telefunken). Hierbei wird durch mechanische Kopplung der Drehkondensatoren die Senderwahl durch Betätigung nur eines Knopfes ermöglicht.
Ein weiterer Schwerpunkt der Funkausstellung 1926 gilt der Stromversorgung der Röhrenempfänger: Die ersten Netzanoden (z. B. Ahemo, AEG, Detewe, Körting) werden gezeigt. Mit diesen Geräten kann man die Gitter- und Anodenspannungen, zum Teil auch die Heizspannung, dem Lichtnetz entnehmen. Sie ersetzen also die Heiz- und Anodenbatterie, ein weiterer Schritt zur Vereinfachung der Bedienung. Einen ersten vollständigen Netzanschluss-Empfänger stellt die Firma Signalbau-Huth vor.
Auffallend ist der Rückgang der Werbung für Kopfhörer: Die große Zahl der Trichterlautsprecher und die ersten Konus-Flächenlautsprecher (z. B. Graßman, Grawor, Siemens/Telefunken) zeigen den Weg zum Lautsprecherempfang. Auch der Ortsempfänger wirbt mit „Lautsprecherempfang“. Bei den Einzelteilen gibt es eine weitere spürbare Verbesserung des Angebots und der Qualität, z.B. der Drehkondensator mit Feintrieb auf Zahnradbasis (Saba Orthometer). Auch komplette Einzelteilbausätze für Röhrenempfänger (Radio-Baukästen) für Bastler werden gezeigt. Das weitgehende Fehlen einer Normierung der Einzelteile ist Gegenstand vieler Diskussionen; Ausnahme ist der Röhrensockel, für den man sich auf eine Norm bereits geeinigt hatte („Europasockel“).
4. Große Deutsche Funkausstellung Berlin 1927 (2. - 11. September)
Der Detektorempfänger wird nur noch von wenigen Firmen gezeigt. Die Ursache hierfür liegt im vermehrten Wunsch nach Lautsprecherempfang und erfordert somit den Einsatz eines Röhrenempfängers. Auch die Einröhren-Apparate sind fast völlig verschwunden. Die Ausstellung wird beherrscht von Drei- und Mehrröhren-Geräten. Die preiswertesten Apparate für Batteriebetrieb (RM 35,- bis 40,-) verwenden Pentatron-Mehrfachröhren (Kramolin), die in Zweifach- und Dreifachausführungen angeboten werden.
Bei den hochwertigen Fernempfängern zeigt sich die Tendenz, vom Überlagerungsprinzip abzugehen und zur Verwendung von mehrfachen, voneinander abgeschirmten Hochfrequenzstufen überzugehen, zum Teil mit Einknopfabstimmung aller Kreise.
Die Funkausstellung 1927 ist geprägt von der Fülle der ausgestellten Netzanschlussgeräte und Lautsprecher. Der Netzanschlussempfänger ermöglicht eine gewisse Vollautomatik des Betriebes: Durch Betätigung eines Schalters und eventueller Feinregulierung der Senderabstimmung ist jederzeit Ortsempfang möglich. Die gezeigten Netzanschlussempfänger sind in verschiedenen Preisklassen zu sehen, vom Zweiröhren-Ortsempfänger (z. B. Nora, Otto Lootze) bis hin zum Achtröhren-Superhet (Tefag). Eine Vielzahl von Netzanschlussgeräten als Ersatz für die Heiz- und Anodenbatterie wird gezeigt, aber nur fünf Firmen erfüllen die VDE-Sicherheitsbestimmungen, die z. B. Berührungsschutz, stabile mechanische Verarbeitung und Qualität der Bauteile in Hinblick auf Überspannungen und Erwärmung regeln.
Bei den Lautsprechern gibt es zahlreiche Neuerscheinungen, allein 50 Hersteller sind vertreten. Hier beherrscht das Feld im weiten Umfang der Flächen-, insbesondere der Konus-Lautsprecher. Bei dieser Konstruktion wird als Schallquelle eine konusförmige Membran aus dünnem Material verwendet, die an Klangreinheit den Trichterlautsprecher weit übertrifft und diesen zunehmend verdrängt. Auch die Röhrenindustrie kann Fortschritte und Neuerscheinungen aufweisen. Nicht nur die Verbesserung der Röhreneigenschaften und die Verringerung des Heizstromes (Batterieersparnis!) konnte erreicht werden (z. B. RE 134), es gibt auch neue Röhrentypen, die für die Verwendung von Wechselstrom für die Heizung geeignet sind (z. B. REN 1104).
5. Große Deutsche Funkausstellung Berlin 1928 (31. August - 9. September)
Ein wichtiger Punkt der 5. Grossen Deutschen Funkausstellung ist die Neuvorstellung der Schirmgitterröhren, die zu einer spürbaren Empfindlichkeits- und Leistungssteigerung der damit bestückten Empfänger führt. Geräte mit diesen Röhren sind aber erst wenige zu sehen (z.B. Ahemo, AEG). Die Schirmgitterröhre ist vorerst den Bastlern überlassen. Ansonsten muss die Ausstellung aus technischer Sicht Kritik hinnehmen: Was sie an wirklich Neuem bietet, ist recht gering!

Das Pioniergerät, der Detektorempfänger, ist fast völlig aus dem Angebot verschwunden, der Zwei- und Dreiröhren-Netzempfänger für Lautsprecherempfang ist zum Standardgerät der Saison geworden. Seine Ausstattung: beleuchtete Skala, Metallgehäuse und Starkstrom-Berührungsschutz, d.h. beim Öffnen des Gehäuses wird der Empfänger automatisch vom Netz getrennt. Bei den Fernempfängern gibt es keine Überraschungen, die Preisklasse über RM 200,- ist durchweg gut durchkonstruiert und erreicht die Grenze der möglichen Trennschärfe und Empfindlichkeit. Als besonders interessante Schaltungen muss der Selbstwähler von Kramolin hervorgehoben werden, bei dem man durch Betätigung von Druckknöpfen 20 Stationen einstellen kann.
Die Zahl der Lautsprechertypen und die Güte der Wiedergabe hat sich wiederum erheblich gesteigert. Der elektromagnetische Grossflächenlautsprecher beherrscht das Feld, viele Firmen haben ihre Vorjahrestypen verbessert. Erste elektrodynamische Lautsprecher werden gezeigt. Die erhöhten Anforderungen dieser Lautsprecherart an die Endleistung der Empfänger können inzwischen durch die Verwendung von Netzgeräten und durch die neuen Schirmgitter-Endröhren erfüllt werden.
Erwähnenswert ist hier auch der elektrostatische Lautsprecher, von der Firma Hans Vogt für Tonfilmzwecke entwickelt, der eine ausgezeichnete Wiedergabe der tiefen und besonders der hohen Töne erreicht. Leider benötigen diese Lautsprecher eine besonders hohe Gleichspannung von 500-700 Volt, die von den meisten Empfängern und Verstärkern nicht zur Verfügung gestellt werden kann.
6. Große Deutsche Funkausstellung Berlin 1929 (30. August - 8. September)
Die Fertigung von Rundfunkempfängern steht an einem Wendepunkt: der Übergang von der handwerksmäßigen Herstellung der Rundfunkgeräte zur wirklichen Serienfertigung. Ein gutes Dutzend Firmen stellt Lichtnetzempfänger in Serienproduktion her, wodurch der Preis gesenkt werden kann. Beispiel: Telefunken T 40, erste Serie 50.000 Stück.
Ein neuer Trend ist bei Ortsempfängern mit zwei bis drei Röhren zu erkennen: das Kombinationsgerät. Empfänger und Lautsprecher sind hier in einem Gehäuse untergebracht. Alle Empfängerhersteller von Ruf bieten solche Geräte zum Preis zwischen RM 135,- und RM 175,- an. In der Gruppe der Netz-Ortsempfänger ohne eingebauten Lautsprecher gibt es kaum Neuerungen, das preiswerteste Gerät ist schon für RM 89,50 zu haben (Signalbau-Huth, Type E 82). Da z. B. in Berlin noch fast die Hälfte aller Rundfunkteilnehmer einen Detektorempfänger verwenden, werden gute Absatzchancen für Netzempfänger generell erwartet.
Die Leistung der Empfänger hat sich allgemein verbessert: Hervorgehoben werden muss die verstärkte Verwendung von Schirmgitterröhren nicht nur in den Hochfrequenz-Stufen, sondern auch in der Lautsprecherstufe der Empfänger. Hierbei ist der Vier-Röhren-Empfänger führend und wird von einer großen Anzahl Firmen vorgestellt (z. B. Blaupunkt, Kramolin, Seibt, Siemens, Telefunken). Empfindlichkeit und Trennschärfe sind besser geworden, die Trennschärfe besonders durch die mögliche Verwendung von Sperrkreisen. Ein großer Teil der Firmen bietet Geräte an, die für die wahlweise Verwendung von Endröhren unterschiedlicher Leistung umschaltbar sind. So lassen sich diese Geräte sowohl mit kleinen elektromagnetischen Lautsprechern, als auch mit leistungsfähigeren dynamischen Lautsprechern betreiben. Auch Anschlussbuchsen für elektrische Tonabnehmer sind bei zahlreichen Geräten eingebaut. Eine neue Form bietet die Kombination von Grammophon und Radio in Tisch- oder Schrankausführung, wodurch die Möglichkeit der elektrischen Wiedergabe von Schallplatten über den Lautsprecher vereinfacht wird.
Auf dem Gebiet der Lautsprecher zeigt der elektromagnetische weitere Fortschritte und ist immer noch vorherrschend. Aber auch der dynamische Lautsprecher kann Verbesserungen aufweisen, besonders die Halterung und Zentrierung seiner Membran und Antriebsspulen, wodurch die Klangreinheit verbessert wird.
7. Große Deutsche Funkausstellung und Phonoschau Berlin 1930 (22. - 31. August)
Der Netzempfänger hat sich durchgesetzt, der Anteil an der Gesamtproduktion stieg von 7 % (1928) über 40 % (1929) auf 80 %. Geprägt wird die Vielzahl der Netzempfänger vom preiswerten Zweiröhren-Ortsempfänger mit eingebautem Lautsprecher. Es ist wieder einmal die Firma Signalbau-Huth, die in dieser Klasse das preiswerteste Gerät baut. Viele Firmen bringen neue Ortsempfänger heraus, die sich durch äußerst einfache Bedienung, erstklassige äußere Ausstattung und hochwertiges Niederfrequenzteil auszeichnen. Diese Geräte verwenden zum Teil auch die neuen Telefunken-Stabröhren (z. B. Staßfurt, Nora, Tefag, Telefunken). Die Fernempfänger der Vierröhren-Generation des Vorjahres werden überwiegend durch Dreiröhren-Geräte abgelöst, die durch vorzugsweise Verwendung von neuen Schirmgitterröhren gleiche Leistung aufweisen und bis zu einem Drittel billiger sind. Die Siemens-Geräte z.B. sind mit der neuen Riesen-Einstellskala ausgerüstet, der gesamte Wellenbereich von 200-2000 m wird hier ohne Umschaltung abgestimmt. Die Ausstellung zeigt nur wenige sehr hochwertige und luxuriöse Hochleistungsempfänger (z. B. Lorenz, Schaleco, Staßfurt, Telefunken), die in der Nähe eines leistungsstarken Senders größere Trennschärfe bieten und die Möglichkeiten des Fernempfangs erweitern (RM 650,- bis RM 975,-).
Durch fortschreitende Serienproduktion und damit verbundenem maschinellem Einsatz ist die Güte der elektromechanischen Verarbeitung und dadurch auch die Zuverlässigkeit der Geräte gestiegen. Die Integration des Lautsprechers in den Empfänger verändert auch die Gehäuseform des Radios: Waren die Empfänger vorher in der Regel rechteckig und flach, nehmen sie jetzt die Form des Lautsprechers mit auf und haben Hochkantformat.
Die Zahl der ausgestellten tragbaren Batterieempfänger ist gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Zehn Geräte werden gezeigt, davon sogar zwei mit Superhet-Schaltung. Diese Generation ist aber noch sehr schwer (um 20 kg) und die Preise wegen der geringen Stückzahl sehr hoch (um RM 350,-).
Drei Kurzwellengeräte werden vorgestellt (Saba, Seibt, Telefunken), wobei der Telefunken T 32 die Spitzenposition einnimmt. Er bietet das Optimum an Bedienungskomfort, denn sein Empfangsbereich (13-100 m) ist in 60 Teilbereiche unterteilt. Die Sonderausführung T 32 a gestattet auch den Empfang des Rundfunkbereiches (Mittelwelle).
Die Firmen Fernseh AG und TeKaDe (Hersteller der Telehorapparate) bieten Bausätze zum Selbstbau von Fernseh-Empfangsapparaten zum Preis von RM 200,- bis 230,- an.
Auf der Phonoschau sind alle Erzeugnisse der Phonoindustrie zu sehen, von den vielen Koffer- Apparaten hin bis zum Luxus- Musikschrank mit eingebautem Rundfunkempfangsteil.
8. Große Deutsche Funkausstellung und Phonoschau Berlin 1931 (21. - 30. August)
Durch die Normung der Einzelteile und teilweise einheitliche Chassis ist eine weitere Reduzierung der Preise um 25-33 % möglich geworden. Das Radio ist reif zur Bandfabrikation. Auffallend ist auch die neue Klassifizierung der Empfänger: Die Zahl der Kreise ist jetzt entscheidend. Eine ausreichende Verstärkung (= Anzahl der Röhren) ist bei jedem modernen Gerät selbstverständlich, die Zahl der Schwingkreise aber gibt den Aufschluss über die Trennschärfe und Empfangsleistung eines Empfängers. In der Gruppe der Ortsempfänger mit zwei Röhren ohne eingebauten Lautsprecher gibt es interessante Neuerungen, hervorzuheben ist der Telefunken 120 W, ein sehr kompaktes und handliches Gerät zum Preis von RM 79,50. Die Einkreiser mit drei Röhren, in den Vorjahren noch als Orts- und Bezirksempfänger eingestuft, mausern sich und bieten jetzt auch schon Fernempfang. Hier gibt es aber nur wenige Neuerscheinungen, es handelt sich überwiegend um verbesserte Vorjahresmodelle (z.B. AEG, Loewe, Seibt, Telefunken).
Ein breites Feld nehmen die Zweikreis-Dreiröhrenempfänger ein. Diese Geräte riefen schon immer ein besonderes Interesse hervor, diesmal noch mehr, da sie erheblich leistungsfähiger und trennschärfer als bisher und dabei noch deutlich billiger geworden sind: Der Zweikreis-Dreiröhrenempfänger ist der am meisten gekaufte Fernempfänger der neuen Saison. Hervorstechende Merkmale dieser Gruppe sind: verbesserte Antennenanpassung durch z. B. regelbare Antennenkopplung, teilweise abstimmbaren Antennenkreis, außerdem eichbare Skalen (Telefunken: Autoskala, Siemens: Riesenskala), Spulen aus Hochfrequenzlitze etc. Auch bei den Hochleistungsempfängern mit drei und mehr Kreisen werden zahlreiche Neukonstruktionen vorgestellt. In dieser Preisklasse kommt häufig die Einknopfbedienung, die nur mit hohem mechanischen Aufwand zu realisieren ist, zum Einsatz (z. B. Telefunken, Siemens, Seibt, Loewe). Batteriegeräte sind völlig in den Hintergrund getreten, nur die Firma Roland Brandt, deren Spezialität diese Empfängergruppe ist, zeigt Neukonstruktionen.
Bei den Röhren gibt es neben spürbaren Preissenkungen auch neue Typen, z.B. die indirekt beheizten Gleichstromröhren von Telefunken und Valvo. Eine deutliche Trendwende ist beim Lautsprecher zu beobachten: Der dynamische Lautsprecher mit seiner besseren Klangfülle ist in unzähligen neuen Typen vertreten. Ab RM 29,50 gibt es schon komplette elektrodynamische Chassis, von etwa RM 40,- an sogar mit permanentem Magneten. Es ist zu erkennen, dass eine weitere Verbesserung der magnetischen Systeme fast unmöglich ist.
Ein besonderer Anziehungspunkt dieser Ausstellung ist die Schallplatten-Selbstaufnahme zum Herstellen von Eigenaufnahmen mit dem Mikrofon oder Mitschnitten von interessanten Rundfunksendungen. Drei Firmen sind hier mit Aufnahmegeräten vertreten: AEG, Dralowid und Siemens. AEG verwendet als Tonträger eingewachste Aluminiumfolien, die mit einer Holznadel abgespielt werden müssen. Dralowid fertigt Platten, die im weichen Zustand geschnitten, dann vom Händler gehärtet und mit normalen Stahlnadeln abgespielt werden. Siemens schneidet in eine gelatineartige Folie und spielt mit Spezial-Stahlstiften ab. Die Spieldauer einer 25cm-Platte beträgt drei Minuten.
9. Große Deutsche Funkausstellung Berlin 1932 (19. - 28. August)
Im ersten Jahr seiner Serienfertigung steht der Superhet (Überlagerungsempfänger) im Vordergrund, ja, er ist die Sensation der Funkausstellung. Das Problem der Klassifizierung ist mittlerweile gelöst; insgesamt werden die Rundfunkempfänger in vier große Klassen aufgeteilt:
1. Die Einkreis-Zweiröhrenempfänger (30 % des Gesamtumsatzes)
Hierzu zählen die preiswerten Orts- und Bezirksempfänger, die jetzt durch die Verwendung weiterentwickelter Schirmgitterröhren sogar ausgezeichnete Fernempfangsleistungen aufweisen und ein gutes Dutzend Sender „in den Lautsprecher bringen“. Um die Qualität der Wiedergabe zu verbessern, statten einige Firmen diese Geräte mit dynamischen Lautsprechern aus (z.B. Blaupunkt, Type 2000).
2. Die Zweikreis-Dreiröhrenempfänger (45 %)
Auch hier sorgt die Verwendung der Schirmgitterröhren für eine weitere Leistungssteigerung, die teilweise fast die eines Supers erreicht, die Trennschärfe ist zum Teil besser als bei einem Dreikreiser (z. B. Saba, Lumophon). Die Zweikreiser der Firmen Braun, Mende und Saba besitzen jetzt sogar Einknopfbedienung, was die Geräte allerdings verteuert.
3. Die Dreikreiser (10%)
Sie sind in diesem Jahr durch folgende Faktoren gekennzeichnet: Einknopfbedienung, keine Rückkopplung, teilweise Fading-(Schwund-)Ausgleich durch die Verwendung der neuen Exponentialröhren, Klangfarbenregler und sehr hohe Empfindlichkeit.
Die meisten dieser Funktionen treffen auch auf die vierte Empfängerklasse zu:
4. Die Superhets (15%)
Hier stellt sich die Frage, welcher Apparat ist besser: Dreikreiser oder Superhet? Am geringsten ist der Unterschied bei der Gesamtverstärkung, bei der Trennschärfe ist der Super aber wegen der exakt einstellbaren Zwischenfrequenzbandfilter überlegen. Auch die Fading-(Schwund-) Regelung ist beim Super wegen seiner Verstärkungsreserven besser ausgeprägt und die sehr genaue Skaleneichung erfüllt endlich eine Forderung der Gerätebenutzer.
Fast alle Firmen bringen Superhets heraus, zum Teil als Kleinsuper mit vier Röhren an der 300,- RM-Grenze oder als Großsuper mit fünf bis sechs Röhren im Bereich um RM 400,-. Die Ideal-Werke zeigen sogar einen Autosuper mit fünf Röhren, der etwa um RM 500,- mit Lautsprecher und Einbau kosten soll. Der Kurzwellenempfang wird immer noch vernachlässigt, obwohl die Nachfrage zugenommen hat. Nur etwa ein halbes Dutzend Kurzwellenempfänger sind ausgestellt. Bei den Batterieempfängern gibt es nur drei neue Typen, zwei von Roland Brandt und einen von Nora. Bei den Lautsprechern zeigen sich überraschende Fortschritte in der Klangverbesserung. Die Spezialfirmen verwenden bei den permanent-dynamischen Lautsprechern fast alle den hochprozentigen Kobaltstahl, der eine bessere magnetische Feldstärke erzeugt und dadurch eine Leistungssteigerung des Lautsprechers bewirkt.
EX / RST 31.12.2009
designed by Constantin Fahl Web Service
© 2011 Deutsches Rundfunk-Museum e.V. | Besucherzähler: 292.523
Kontakt & Impressum | Sitemap | Admin-Login | Seitenanfang ↑