Technikgeschichte 1933-1945

ve_werbung.gifMachtübernahme

 

Nach der Übernahme der Staatsgewalt durch die Nationalsozialisten wurde der Rundfunk in Deutschland verstaatlicht: Die bis dahin bestehenden elf selbständigen Rundfunkgesellschaften wurden nach Erwerb sämtlicher Aktienanteile durch die RRG aufgelöst und die Sendebetriebe als Zweigstellen, genannt „Reichssender", ab 1.4.1934 der RRG unterstellt. Die Besitzrechte wiederum gingen vollständig auf das Deutsche Reich über, d. h. auf das Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda. Die neue Leitung des Rundfunks lag in den Händen der Geschäftsführung der RRG und war direkt verantwortlich dem Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Goebbels.

 

a_ve301.gifDas sollte jetzt anders werden. Ziel war jedoch nicht, wie nach außen propagiert, die Befriedigung sozialer Bedürfnisse, sondern das Bestreben, eine Höchstzahl von Hörern für die offiziellen deutschen Sendungen durch die Herstellung billiger Rundfunkgeräte zu sichern.

 

In Zusammenarbeit mit der deutschen Rundfunkindustrie (28 Firmen) wurde die Massenproduktion von billigen Kleinradios beschlossen, die als „politische Geräte" deklariert und in Gemeinschaftsproduktion der deutschen Rundfunkindustrie hergestellt werden sollten. Broschüre zum Arbeitsfront-Empfänger DAF 1011Die technische Ausrüstung dieser Radios sollte bewusst nur soweit gehen, dass allein der nächstgelegene Reichssender gehört werden konnte, um möglichst vielen Hörern in Deutschland den Empfang ausländischer Sender unmöglich zu machen.

 

Der Vertrieb sollte vom Staat intensiv gefördert werden - durch Finanzierungshilfen für die Käufer, z. B. durch großzügigere Ratenverträge als sonst erlaubt, durch Festsetzung von Zwangsrabatten für die abnehmenden Händler, durch die Übernahme der gesamten Werbung durch den Staat und die Rundfunkanstalten. Bereits 1933 wurde mit der Produktion dieses „Volksempfänger" genannten Gerätes begonnen.

 

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Zur Erinnerung an die nationalsozialistische Machtergreifung wurde die Typenbezeichnung auf „VE 301" - Volksempfänger 30.1. - festgelegt. Er wurde in Volksempfänger VE 301, 1933allen technisch möglichen Variationen herausgebracht: in einer Allstrom-, Wechselstrom-, Gleichstrom- und Batterieausführung. Der Ladenpreis des VE 301 mit Antenne lag etwa 50 % unter dem Preis gleichwertiger Markenempfänger bei 76 Reichsmark. Bereits am ersten Tag der Funkausstellung 1933, am 18. August, war die erste Produktion von 100 000 Apparaten verkauft worden.

 

daf1011_1.gifUnabhängig von dieser politischen Einflussnahme arbeiteten die Industriefirmen aber weiterhin an der Verbesserung des „normalen“ Rundfunkempfängers. Bessere Bauteile, Röhren und Lautsprecher - und neue Ideen - führten zur zur Weiterentwicklung des Bedienungskomforts, der Empfindlichkeit und der Klanggüte. Geräte mit programmierbaren Stationstasten, Motorsuchlauf, Fernbedienung und exzellenten Klangeigenschaften zeigen den hohen Entwicklungsstandard Ende der 30erJahre, der mit Kriegsbeginn ein jähes Ende fand und erst Anfang der 50erJahre wieder erreicht wurde.

 

 

 

 

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