Wiederaufbau und Neubeginn
Was 1945 von Sendeanlagen und Rundfunkhäusern übrig geblieben war, wurde von den Alliierten beschlagnahmt und zunächst als Soldatensender oder Sender der jeweiligen Militärregierung benutzt. Jede unbeaufsichtigte Sendetätigkeit von Deutschen war verboten. Ein gemeinsames Konzept der Besatzungsmächte für die Organisation des deutschen Rundfunks der Nachkriegszeit gab es nicht; sie orientierten sich in der Regel an den Strukturen ihrer Heimatländer. In den Darbietungen der Sender überwog das Programm der "Re-Education", um das politische und gesellschaftliche Leben der Deutschen auf demokratischer Basis umzugestalten. Nachrichten in Musik verpackt waren dabei für alle Besatzungsmächte das Gebot der Stunde...
Die Rundfunkindustrie war durch Krieg, Demontage, Rohstoffmangel und Verkehrsbeschränkungen nahezu völlig zusammengebrochen, ihr Verband von den Alliierten aufgelöst worden. Die Bewirtschaftungsbestimmungen der Besatzungsmächte regelten die Verteilung der geringen Produktionsmasse; mit Material aus ihren Restbeständen fingen einige Hersteller wieder mit der Fabrizierung einfacher Detektorempfänger für Kopfhörerbetrieb an, d. h. die Neufertigung von Geräten musste nach 1945 noch einmal alle Epochen der deutschen Geräteentwicklung vom Detektorempfänger bis zum Vierröhren-Standard-Super durchlaufen. Sie hatte erst 1948 qualitätsmäßig etwa den Stand von 1936 erreicht.
In der SBZ, wo vor dem Krieg rund 75 % der Produktion hergestellt worden war (inkl. Berlin), waren Firmen wie Mende (Dresden), Körting (Leipzig) und Graetz (Ost-Berlin) enteignet und zu "Volkseigenen Betrieben" umgewandelt worden. In den Westzonen waren Geräte bis zur Währungsreform 1948 nur gegen Bezugsscheine verkäuflich, so dass sich ein "Schwarzer Markt" mit stark überhöhten Preisen entwickelte. Ähnlich wie in den 20er Jahren entstanden viele Kleinstbetriebe, die sich mit der Produktion von Radios eine neue Existenz schaffen wollten. Alles zusammen führte zu einer Krisensituation, die sich erst mit der Währungsreform und der darauffolgenden Gründung der Bundesrepublik am 23. Mai 1949 lockerte.
Im Juli 1949 war auch die erste Ära des Nachkriegsrundfunks beendet. Die Befehlshaber der bisherigen drei Westzonen hatten die Militärsender ihrer Gebiete in deutsche Hände übergeben, und es entstanden aufgrund von Landesgesetzen Landessender des öffentlichen Rechts unter deutscher Verwaltung. Mit einer Ausnahme: Der am 6. Februar 1946 von den Amerikanern gegründete DIAS (Drahtfunk im amerikanischen Sektor Berlins), nach einem halben Jahr in RIAS umbenannt (Rundfunk im amerikanischen Sektor Berlins) blieb weiter unter amerikanischer Aufsicht, machte jedoch mit deutschem Personal deutsches Programm.
In den Kriegsjahren gab es keine Funkausstellungen; die Anfangs noch von der Rundfunkindustrie produzierten Exportgeräte wurden auf den Leipziger Messen vorgestellt. Erst im Jahr 1949 wurden die Planungen für Funkausstellungen wieder aufgenommen und nach der “Kleinen Funkausstellung 1949” in Berlin fand die erste Nachkriegsausstellung dann 1950 in Düsseldorf statt.



EX / RST 11.12.2009
Einführung des UKW-Rundfunk 1949
Eine Folge des verlorenen Krieges war es, dass Deutschland bei der Neuordnung der Frequenz-Pläne für Langwelle und Mittelwelle nur noch wenig Sendefrequenzen zugeteilt bekam (Kopenhagener Wellenplan 1948) und somit eine Rundfunkversorung kaum mehr möglich war. Kurzwelle war als Innland-Medium zur Rundfunk-Versorgung ungeeignet.
Dieser Mangel an Frequenzen führte zu einem großen Inovationsschub in Deutschland. Die Technik wandte sich notgedrungen dem neuen Ultrakurzwellen-Band (UKW) zu. Deutschland wurde beim UKW-Rundfunk zwangsläufig weltweit führend, da es in anderen Ländern den Frequenzmangel noch nicht so ausgeprägt gab.
UKW hatte aber aus damaliger allgemeiner internationaler Sicht erhebliche Nachteile: Es mussten neue Radios gebaut werden und auch gekauft werden, in den ersten Nachkriegsjahren für viele Menschen durch eine finanzielle Herausforderung. Es musste ein neues - sehr engmaschiges - Sendernetz aufgebaut werden. Um Deutschland flächendeckend zu versorgen ware Hunderte von neuen Sendern nötig. Ein riesiges Kosten-Volumen. Die typischen Reichweiten eines UKW-Radio-Senders lag bei ca. 50 - 100 Km. Dem gegenüber standen typische LW- und MW-Senderreichweiten von 75 - 400 Km (tagsüber, nachts Europa-weit). Ein typischer MW-Sender hatte also eine viel größere Versorgungsreichweite. Man kann aus heutiger Sicht den Inovationssprung AM zu FM vergleichen mit dem Sprung Ende des 20. Jahrhunderts von FM zum digitalen DAB (Digital Audio Broadcast). Die damalige Lage und Einschätzung der Fachwelt beschreibt ein Artikel in der Fachzeitschrift "Funktechnik", Jahrgang 1949, Heft 2, Seite 33, Titel "UKW - Ausweg aus Deutschlands Wellennot".
Allerdings gab es auch wirkliche technischen Vorteile für UKW:
1) Man wollte als Modulationsverfahren die sogenannte Frequenzmodulation (FM) einführen. Da das UKW-Band viel breiter als LW und MW zusammen war, konnte UKW pro Sendefrequenz eine deutlich bessere Klangqualität (wegen der höheren Kanal-Bandbreite) bieten. Lag die sogenannte NF-Bandbreite auf LW und MW durch die recht schmale Amplitudenmodulation (AM) bei maximal 4,5 kHz (im Grunde nur leicht bessere Telefonqualität), so bot UKW-FM NF-Bandbreiten bis über 10 kHz.
Damit war Rundfunk "konzert-fähig" geworden. Gerade die hohen Tonlagen und Obertöne vieler Musikintrumente konnten nun viel klarer hörbar gemacht werden.
2) Empfangsstörungen, wie atmosphärische Knackgeräusche und starke Empfangsschwankungen (Fading) und Bandrauschen, waren zum Teil deutlich geringer als bei LW-, MW- und KW-Empfang.
Ab 1949 wurde der UKW-FM-Rundfunk Schritt für Schritt über mehrere Jahre eingeführt und das UKW-Sendernetz ausgebaut. Zuerst brachte die Industrie Zusatz- und Nachrüstgeräte auf den Markt, die bestehende oder neue für UKW vorbereitete Radios UKW-tauglich machten. Bald wurden immer mehr Geräte mit fest integrierten UKW-Empfangsteilen produziert. Die Kunden merkten schnell die erhebliche Qualitätssteigerung von UKW-FM gegenüber AM und nahmen das Angebot trotz der gestiegenen Preise gern an.
Im Detail war es so: Die ersten Zusatzgeräte waren sehr einfache sogenannte Pendel-Empfänger, die entweder als externes Zubehör an den Plattenspielereingang angeschlossen wurden oder aber - wenn Platz dafür war - in die bestehenden Radios eingebaut wurden.
Während einer Übergangszeit gab es auch UKW-vorbereitetete Radios. Hier konnte das UKW-Teil schon halbwegs in das Radio integriert werden. Neben Nachrüst-Sätzen der Radiohersteller selbst, wurden auch universelle Einbausätze angeboten. Nicht alle diese Einbauten gelangen gut. Man findet in Sammlerkreisen heute so manche recht abenteurliche Lösung.
Die Pendel-Empfänger hatten aber gewisse technische Nachteile (sogenannte Flankendemodulation und kritische Sendereinstellung für ungeübte Laien) und konnten die eigentlich mögliche Leistung von UKW nur bedingt ausschöpfen.
Erst Radios mit fest eingebauten UKW-Teilen - die auch als eigenes Konstrukt in den Radios immer sofort erkennbar waren - brachten die volle Klangleistung und Empfangsempfindlichkeit. Eine Zwischenstufe stellten UKW-Einbau-Super dar, die gute Empfangsqualität liefern konnten, weil hier ein besseres Konzept (Superhet) genutzt wurde.
Besonders sind die FM-Demodulator-Typen Ratio-Filter und Diskriminator hervorzuheben. Sie konnten einen unverzerrten sauberen Klang bei wenig Hintergrundrauschen bieten.
Problematisch war in den ersten Jahren allerdings der Empfang auf dem Lande, weit weg von den Sendern oder in schwierigen Gebirgslagen. Hier musste zum Teil ein erheblicher Antennenaufwand betrieben werden. Nicht jeder Mieter bekam eine Antennengenehmigung für eine Dachantenne.
War auf Lang- und Mittelwelle zumeist die eingebaute Draht- oder Ferrit-Antenne für brauchbaren Empfang ausreichend, benötigte das UKW-Radio oft eine spezielle Dipol- oder Yagi-Antenne, am besten noch oben auf dem Dach.
Allerdings gab es auf UKW keinen Unterschied zwischen Tag- und Nachtempfang. Langwelle und Mittelwelle hatten in der Nacht in der Regel eine deutlich höhere Reichweite als am Tag. Trotzdem setzte sich UKW-FM zügig durch und war schon Ende der fünfziger Jahre das Haupt-Rundfunk-Medium geworden.
Im Laufe der Jahre verbesserten sich die Empfangssleistungen der UKW-Teile, die Sendeleistungen, die Sendeantennen, die Senderstandorte und die Senderdichte, sodaß UKW-Rundfunkempfänger immer mehr sogar mit den im Radio eingebauten Behelfs-UKW-Antennen auskamen.
Wiedereinführung des Fernsehens in Deutschland 1952
Schon weit vor dem zweiten Weltkrieg gab es in Deutschland Fernsehübertragungen. Das erste bemerkenswerte elektronische Fernsehen wurde anläßlich der Olympischen Spiele 1936 in Berlin angeboten. Das Fernsehen steckte damals aber technisch noch in den Kinderschuhen. Große unhandliche Kameras, komplizierte Versuche Fernseh-Konserven unhabhängig von Direktübertragungen zeigen zu können, wenig Empfangsapparate in sogenannten Fernsehstuben zum öffentlichen Betrachten (wir würden das heute vielleicht Public Viewing nennen), Bilder mit noch recht geringer Auflösung, usw. sind Stichworte für diese Pionierzeit.
Allerdings wurde noch bis in die Kriegszeit hinein das technische Konzept verbessert und zumindest in Berlin eine Art eingeschränkter Regelbetrieb für eine kleine Zuschauergemeinde geboten. Sogar ein Volksfernsher war in Planung und Markt-Voreinführung. Die Wirren des Kriegsendes beendeten diese Phase des Fernsehens.
In den ersten Nachkriegsjahren begannen die Firmen mit den Vorbereitungen und der Produktion von Fernsehern nach einer neuen verbesserten Norm mit einem Bildformat, dass Jahrzehnte Bestand haben sollte. 1952 war es dann soweit: Im Dezember begann das Fernsehen (ARD) der Bundesrepublik aus den Studioräumen im ehemaligen Hamburger Flakbunker auf dem Heiligengeistfeld. Die ARD wurde 1950 von folgenden Landesrundfunkanstalten gegründet: BR, HR, RB, SDR, SWF und NWDR . 1955 (1956) starte dann auch offiziell das DDR-Fernsehen (Deutscher Fernsehfunk).
Die Studiotechnik war doch anfangs recht eingeschränkt. Video-Aufzeichnungen zuerst kaum möglich. Fast alles wurde "live" eingespielt. Auch beim Fernsehen war es ähnlich wie bei UKW-Radio: Der Aufbau eines Sender-Netzes zur flächenmäßigen Vollversorgung mußte Schritt für Schritt aufgebaut werden.
Das Fernsehen nutzte ähnliche Frequenzbereiche (VHF Band I und III) wie der 1949 eingeführte UKW-FM-Rundfunk (Band II), sodaß der Sender- und Empfängerantennenaufwand und die erzielbaren Reichweiten mit ca. 50 - 100 Km durchaus vergleichbar waren. Da es eine landesweite Ausstrahlung geben sollte, war auch die Weiterleitung und Umschaltung der Richtfunk-Übertragungsstrecken kompliziert und aufwändig.
Die ersten Fernsehgeräte hatten nur kleine Bildröhren, die auch eine erhebliche Baulänge aufwiesen. So sahen die Pionier-Fernseher recht wuchtig aus im Verhältnis zur Bildgröße aus. Zuerst konnten diese Empfänger sechs Kanäle empfangen, später 12 Kanäle.
Um 1963 kam das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) hinzu, daß aber in dem neu aufzubauenden UHF-Band (Ultra High Frequency - Band IV und V) arbeitete und nicht zur ARD gehörte. Das ZDF war nicht nach Landesrundfunkanstalten geordnet, sondern sendete zuerst zentral aus Mainz. Viele Fernseher aus den Baujahren 1961, 1962 und 1963 waren UHF-vorbereitet. Man konnte also später Original-Tuner einsetzen oder Universal-Tuner nachrüsten. Spätestens ab 1964 waren alle neuen Fernseher mit eingebauten UHF-Tuner ausgerüstet. Der Empfang des UHF-Bandes war kritischer, die Antennen mußten besser sein, als für VHF Band I und III. Es dauerte nach 1963 einige Jahre, bis die UHF-Empfangsteile einen gewissen Empfindlichkeits-Standard erreicht hatten. Ebenfalls im UHF-Bereich wurde ab 1965 das Sendernetz der Dritten Programme aufgebaut.
Die Jahre 1952 - bis 1967 dienten bei den Fernseher-Endgeräten der kontinuierlichen Verbesserung der Technik und des Bedienungs-Komforts und der Bildrohrgrößen (Zeilenfreies Fernsehen, drahtgebundene und drahtlose Fernbedienungen, Bildlupen, usw. als Stichworte). Mit dem Jahr 1967 brach für die bis dahin gebräuchlichen Schwarz-Weiß-Fernseher eine neue Farbfernseh-Epoche an.
Raumklang, 3D, Klangregister. Ab ca. 1954
Eine Folge der Einführung des UKW-Rundfunks war es, dass das Publikum schnell von der damit verbundenen Qualitätssteigerung des Klangbildes verwöhnt wurde. Man hörte einfach genauer hin.
Es stellte sich heraus, insbesondere der deutlich stärkere Anteil von Höhen bei Musik und Sprache funktionierte gut, wenn sich der Hörer direkt vor dem Lautsprecher befand. Bewegt man sich aber im Zimmer und hielt sich an verschiedenen Stellen auf, "verschwanden" diese Höhen im Klangbild, der Ton wurde wieder so dumpf wie zu Zeiten des alten AM-Rundfunks auf LW, MW oder KW.
Ursache hierfür ist die physikalische Eigenschaft eines normalen Lautsprechers: Er strahlt zwar die Tiefen kreisförmig in den Raum, aber je höher die Tonfrequenz wird, desto gerichteter wird die Abstrahlung. Weg von dieser Abstrahlrichtung wird der Ton in den Höhen immer leiser.
Die Radio-Industrie versuchte mit diversen Lösungen zu erreichen, dass der Schall der Höhen ebenfalls möglichst kreisförmig (besser kugelförmig) im Raum verteilt wird. Hauptsächlich bestand die Lösung in der zusätzlichen Anbringung von sogenannten Hochtönern.
Das waren Lautsprecher, die klein aufgebaut, speziell Höhen abstrahlten und an der Vorderseite mit leichter Schrägmontage und / oder an den Seitenwänden der Radios montiert wurden. Es gab sogar Radios, wo auch ein solcher Hochtöner nach oben abstrahlte. Es wurden Radios mit bis zu zusätzlich sechs Mittelton- und /oder Hochton- Lautsprechern angeboten.
Dabei wurden hauptsächlich Trichter-, Konus- und Elektrostat-Lautsprecher eingesetzt. Gebräuchliche Namen wie Raumklang und 3D setzten sich durch. Spitzengeräte teilen den Leistungs-Niederfrequenzverstärker sogar in einen Tiefton- und Mittel/Hochton-Kanal auf, um noch mehr Klangqualität aufzubauen.
Es war dann nicht weit bis zum nächsten Schritt: Mit Klangregistern (Klangtasten und Klangeinstellern) versuchte man den Frequenzgang der Musik an Programminhalte und Geschmach des Hörers anpassbar zu machen.
Beispiel eines Radios mit folgenden Klangtasten: Jazz, Konzert, Sprache, Orchester, Intim. Die Industrie verlor im Konkurrenzkampf bald das Maß und die Übersicht nach dem Motto "Viel hilft viel". So wurden Geräte mit bis zu 8 Klangstasten/Klangregler auf den Markt gebracht.
Links oben das Photo der Tonfunk Zauberperle mit einem 5-Stufen-Klanggegister.
Um 1957. Transistoren beginnen Röhren zu ersetzen.
Beim Beginn des Rundfunks in Deutschland kamen zwei empfangsbestimmende Bauteile in Radios zum Einsatz: Der Kristall-Detektor in einfachen Detektorempfängern mit relativ bescheidener Leistung und die Radio-Röhre. Röhrenempfänger konnten hohe Verstärkungen und hohe Selektion der Empfangfrequenz bieten. Grob vereinfacht kann man sagen: Je mehr Röhren ein Radio hatte, desto besser und leistungsfähiger war es.
Man nahm dabei damals gern auch die Nachteile von Röhren in Kauf - weil man es nicht anders kannte:
Um 1948 wurde in den USA ein neues Bauteil auf Halbleiter-Basis von John Bardeen, William Schockley, Walter Brattain entwickelt: Der Transistor. Er bot ebenfalls die Funktionen, die man von einer Radioröhre erwarten konnte. Allerdinges dauerte es noch ca. 10 Jahre, bis der Transistor wirklich in der Praxis die meisten Funktionen von Röhren ersetzen konnte.
Zuerst konnten Mittelwellen-Portable-Radios angeboten werden. Es folgten Koffer-Radios mit Kurzwellenbereich. Der nächste Entwicklungssprung war der UKW-Transistor. Weiter kamen Leistungstransistoren auf den Markt, die Autoradio-Endstufen und bald ebenfalls Heimradios mit höherer Ausgangsleitung versorgten.
Im Gegensatz zu Röhren benötigten Transistor-Empfänger wesentlich geringere und damit auch ungefährlichere Betriebsspannungen und verbrauchten auch erheblich weniger Strom. Transistoren verbrauchten sich auch nicht und wurden zumeist auch nicht heiß. Hitze in einem Radio bedeutet immer: Erhöhte Ausfallquote.
In Deutschland kamen für den Endgeräte-Markt Transistorenempfänger um 1957 in die Geschäfte. Schritt für Schritt, zum Teil als Hybrid-Radios - noch mit Transistoren und Röhren - eroberten Sie Kofferradios, Autoradios, Heimradios und Hifi-Anlagen. Um 1970 kamen bei Radios Röhren kaum noch vor. Bei Fernsehern einige Jahre später.
In diesen Jahren begann der Siegeszug der Integrierten Schaltkreise (IC). Diese Schaltkreise vereinigten viele Transistoren und Dioden zu komplexen kompakten Bauelementen, die letztendlich mit nur wenigen IC's komplette Radios realisierbar machten.
Mehr Informationen zu Transistoren aus der Frühzeit der Markteinführung in Deutschland. Extern 
HiFi, NF-Stereo, Stereo-Basisbreitetenvergrößerung, Quadrophonie, HF-Stereo

Der durch die Einführung des UKW-Rundfunk mögliche Anstieg der Tonqualität führte über die Raumklang-Technik Mitte der fünfziger Jahre in Deutschland zur Beschäftigung der Radio- und Phono-Industrie mit dem in den USA schon lange bekannten Begriff "High Fidelity" (HiFi).
Damit sollten Geräte beschrieben werden, die eine (frei übersetzt) "hohe Klangtreue" im Audiobereich bieten konnten. Der Begriff HiFi war bis Mitte der sechziger Jahre nicht definiert, erst die Einführung der DIN-Norm 45500 brachte eine gewisse Vergleichbarkeit der Hifi-Geräte.
Bis dahin wurde der Begriff HiFi von den Geräte-Herstellern recht unterschiedlich umgesetzt. Hauptsächlich ging es in den ersten Jahren darum, Plattenspieler, Tonbandgeräte, Schallplatten, Radios, Musiktruhen, Verstärker und Lautsprecher zu ertüchtigen, einen Frequenzgang von ca 60 - 12500 Hz möglichst unverzerrt und ohne starke Dellen in der "Durchgangs-Kurve" bieten zu können.
Technisch führte das zu verbesserten Tonabnehmern bei Plattenspielen (z.B. mit guten elektromagnetischen Systemen im Gegensatz zu Kristall-Abtastern), Tonbandgeräten mit hoher Aufzeichnungsgeschwindigkeit (19cm / Sek), Nutzung von Gegentakt-Endstufen mit Klirrfaktoren um 2-5 % und der Verwendung von besonders guten Lausprecher-Kombinationen - auch schon mit von den Radios abgesetzten Lautsprecherboxen.
Der nächste und entscheidende Schritt zu weiterer Verbesserung der Audiowiedergabe war die Einführung der Stereotechnik um 1958. Der Mensch hört in zwei Dimensionen mit seinen beiden Ohren. Er kann Tonquellen räumlich orten, also erkennen, ob Jemand vor ihm links spricht oder hinter ihm rechts. Die bisherigen Tonquellen bei Radio, Schallplatte und UKW waren eindimensional (trotz der "Raumklang"-Technik).
Stereo brachte zumindest die Möglichkeit, Schallquellen bedingt räumlich zuordnen zu können. Allerdings war es dabei noch nicht möglich, Orte vor oder hinter dem Zuhörer unterscheiden zu können. Das gelang besser mit dem Kunstkopf-System, noch besser mit heutigen modernen vielkanaligen Surround-Systemen.
Die Studiotechnik (bei Schallplatte und später auch bei UKW-Rundfunk) musste Tonaufnahmen nunmehr zweikanalig aufzeichnen und die Radio-Industrie (zuerst für den reinen Audio-Bereich) musste Geräte mit zwei (anstatt wie bisher mit einem) Audio-Verstärkern und Lautsprechern ausstatten.
Die ersten Stereo-Radios hatten also zwei Audio-Verstärker, einen Balance-Einsteller um die akustische Mitte im Raum zu bestimmen und zwei Lautsprecher-Sätze.
Diese Stereotechnik wurde vom Publikum gut angenommen. Stereo-Radios und Stereo-Musiktruhen mit Stereo-Schallplattenspieler und Stereo-Tonband wurden Mittelpunkt in so manchem Wohnzimmer. Man begann ganz bewusst zu hören.
Ab ca. 1960 kamen HiFi-Anlagen (Steuergeräte) mit getrennten zwei Lautsprecherboxen in Mode. Man achtete bei der Aufstellung der Anlage darauf, dass die Lautsprecher weit von einander entfernt im Zimmer platziert wurden, um einen besonders guten Stereo-Effekt bieten zu können.
1958 gab es erste Versuche, auch auf UKW Stereo-Rundfunk vorzuführen. Noch ging das nur, indem ein Rundfunk-Sender auf zwei Sende-Frequenzen den linken und rechten Kanal getrennt abstrahlte. Der Rundfunkhörer musste zwei Radios verwenden, jeweils auf einer der beiden Sendefrequenzen eingestellt. Der Berliner Sender SFB war früh bei diesen Versuchen dabei.
Um 1965 kamen Stereo-Geräte auf den Markt, die künstlich den Abstand der beiden Stereo-Lautsprecher vergrößerten: Basisis-Breitenvergrößerung oder Super-Stereo oder Stereo-Extrem, usw. waren die Bezeichnungen. Hierbei wurde nach Tastendruck den Lautsprechern ein kleiner Teil des Signal des jeweils anderen Kanals gegenphasig zugeführt. Der Hörer hatte dadurch subjektiv den Eindruck, dass die Lautsprecher viel weiter auseinander standen.
1963 begann offiziell der echte UKW-Stereo-HF-Rundfunk. Stereo-UKW-Radios wurden mit sogenannten Stereo-Dekodern ausgerüstet, die das Sendersignal des Stereo-Senders umwandelten und in zwei getrennte Audio-Stereo-Signale umsetzten. Eine Zeitlang wurden Radios angeboten, die UKW-Stereo-nachgerüstet werden konnen. Später waren die Dekoder fest in die Geräte integriert. Das verwendete Pilotton-Multiplex-Verfahren erlaubte es, dass auch alte Mono-Empfänger die Stereo-Sendungen - allerdings nicht in Stereo - verarbeiten konnten.
In den Jahren um 1969 sollten sogenannte Quadrophonie-Steuergeräte den nächsten Schritt zur verbesserten räumlichen Musikquellen-Ortung ermöglichen. Diese Technik wurde nur auf der Audio-Seite eingeführt. Als Tonquellen kamen Quadro-Schallplatten mit geeigneten Abspielgeräten in Frage. Es wurden also vier Tonkanäle (vorn links, vorn rechts, hinten links und hinten rechts) benötigt, wobei zumeist bei der Ausgangsleistung Unterschiede zwischen hinten und vorn gemacht wurden. Der Hörer befand sich also am günstigsten in der Mitte zwischen den vier Lautsprechern. Da die Schallplatten-Industrie nicht so richtig mitzog und die Geräte doch recht teuer waren, setzte sich Quadrophonie nicht durch. Viele Jahre später war der Versuch über Audio Surround erfolgreicher.
1964 / 1965 Kassetten-Tonbandgeräte
Die üblichen Tonbandgeräte mit zwei Wickeltellern, bei denen das Band immer aufgelegt und zum Start gewickelt werden mußte, waren für viele Anwender zu kompliziert. Weiter waren diese Geräte in der Regel recht groß. Die Bänder in den neuen Kassetten waren viel kleiner und schmaler, so konnten die neuen Geräte ebenfalls viel kleiner gebaut werden. Außerdem konnten die Kassetten gegen versehentliches Löschen gesichert werden. Es waren Wendekassettten.
Deshalb stellte Philips und Telefunken / Grundig konkurrierende und nicht kompatible Kassetten-Tonbandgeräte vor.
Das erste Gerät war das Philips EL 3300, es konnte Tonaufnahmen von Mikrophon und Radio oder Plattenspieler machen und war auch im Auto einsetzbar.
Das von Telefunken vorgestellte Kassetten-System (DC-International) war etwas größer und konnte sich über die Jahre nicht am Markt durchsetzen. Das erste Gerät von Telefunken war das Magnetophon 401 von 1965 und konnte auch Teldec-Cassetten abspielen. Auch Grundig bot System DC-International-Cassetten-Geräte an: Beispiel Grundig C 100.
Über die Jahre wurde das Compact-Cassetten-System von Philips weiter entwickelt. Stereo, bessere Bänder (z.B. Chromdioxyd, usw), bessere Köpfe (z.B. Glas-Ferritköpfe), Hicom und Dolby und längere Laufzeiten sind hier als Beispiele genannt. Compact-Cassetten verdrängten fast völlig die klassischen Spulen-Tonbandgeräte. Compact-Cassetten waren das Mittel der Wahl für private Tonaufzeichnungen bis in die späten neunziger Jahre hinein und wurden erst dann von Mpeg-Playern ersetzt.
1964 Kassettenlose Video-Rekorder 
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