28. Internationale Funkausstellung Berlin 1971 (27. August – 5. September)
Das diesjährige Neuheitenangebot zeigt in allen Fernsehempfängerklassen technische Fortschritte. Das Farbfernsehchassis mit 110°-Ablenktechnik ist schaltungstechnisch weiter verbessert worden, die Halbleitertechnik wird jetzt noch konsequenter angewendet. Stabilere Netzteilschaltungen gewährleisten einwandfreie Konvergenz und gute Bildgeometrie. Eine Farbkontrastautomatik sorgt für größere Farbkonstanz des Bildes und leichtes Einstellen der Sender. Die neuen Chassis sind auch servicegerechter: Übersichtlicher Gesamtaufbau, auswechselbare Moduln und Servicebeschriftungen auf den Platinen erleichtern etwaige Reparaturen. Eine Neuheit sind die "Sensortasten" (z. B. Blaupunkt, Graetz/Schaub-Lorenz), die bei leichter Berührung einen elektrischen Schaltimpuls auslösen und somit ohne mechanischen Aufwand die Programmumschaltung ermöglichen. Die vollelektronische Programmwahl von Grundig verwendet erstmalig eine Logikschaltung mit integrierten Digitalbausteinen und arbeitet ebenfalls ohne mechanische Teile. Diese neuen Techniken bieten ideale Voraussetzungen für eine motorlose Programmfernwahl in Verbindung mit der Ultraschall-Fernbedienung.
Auch bei den Schwarzweiß-Fernsehempfängern der neuen Saison gehören Volltransistor-Technik, Berührungstasten, Flachbahnregler für die bequeme Einstellung und Ton-Sofortwiedergabe nach dem Einschalten zum Standard. Groß ist das Angebot an tragbaren S/W-Geräten aus dem Ausland, vor allem aus Japan. Darunter werden Ausführungen mit eingebautem Rundfunkchassis gezeigt, die Empfänger mit kleineren Bildgrößen bieten teilweise kombinierten Batterie-Netzbetrieb. Die zunehmende Miniaturisierung auf der technischen Seite führt auch zu neuen Gehäuseformen: Bildröhre und Lautsprecher bestimmen die Größe der Geräte. Die Bedienungselemente sind zum Teil unterhalb der Bildröhre (Metz, Nordmende), aber auch im Gehäuseoberteil (Saba) angeordnet. Eine eigenwillige Form bietet der 15-cm-Portable TR-005 EU von National im Astronautenlook mit silberfarbigem "Apollo-Gehäuse" und verchromtem Drehfuß.
Neuheiten werden auch im Bereich der Audiovision vorgestellt. Nordmende zeigt eine Weiterentwicklung ihres Filmabtasters für die elektronische Wiedergabe von 8-mm-Farbfilmen Spectra-Colorvision CCS mit jetzt konstanter Filmgeschwindigkeit. Telefunken kündigt einen farbtüchtigen Bildplattenspieler an. Der farbtüchtige Video-Cassettenrecorder nach dem Philips VCR-System wird von mehreren Firmen gezeigt (Blaupunkt, Grundig, Loewe Opta, Nordmende, Philips). Er erlaubt gegenüber den bisherigen Spulengeräten die Bildaufzeichnung und -wiedergabe von maximal 60 Minuten mit einer einfach zu handhabenden Cassette. Ein von Sony vorgestelltes semiprofessionelles Video-Cassetten-Abspielgerät ist für den Informations- und Unterrichtssektor gedacht. Alle diese Audiovisionsneuheiten sollen aber erst im Laufe des Jahres 1972 auf den Markt kommen.
Über 70 Firmen präsentieren ihre HiFi-Geräte und -Anlagen der neuen Saison. Echte technische Neuheiten findet man nur im verbesserten Bedienungskomfort: Sendersuchlauf, Sensortasten und Ultraschall-Fernbedienung. Auch eine Steigerung des Klangeindrucks wird vorgeführt: die vierkanalige Wiedergabe (Quadrophonie), die den Eindruck der räumlichen Tiefe eines Konzertsaales vermitteln soll. Vor allem bei ausländischen Herstellern (JVC Nivko, Onkyo, Pioneer, Sansui, Trio-Kenwood) werden Versuche mit dieser Technik demonstriert, die deutsche Industrie bemängelt das Fehlen von Quadro-Tonträgern, und auch die Rundfunkanstalten sehen derzeit keine Möglichkeit, diese Technik anzuwenden. Der Heim-Rundfunkempfänger in seiner früheren Form stirbt langsam aus, er wird durch Radio-Recorder, Reise- und Kleingeräte, häufig mit einer Uhr kombiniert, und in zunehmendem Maße durch HiFi-Anlagen in Bausteinform ersetzt. Der Mangel an schaltungstechnischen Neuheiten führt dazu, dass das Design der Geräte mehr in den
Vordergrund tritt (z. B. Loewe Opta "line 2001"). Das erste Vollstereo-Autoradio (UKW-Stereo und integriertes Stereo-Cassettenlaufwerk) bietet Becker mit dem Mexico Cassette Stereo. Auch der elektronische Sendersuchlauf gehört jetzt zum Bedienungskomfort des Autoradios (Becker, Blaupunkt).

Kassetten- und Tonbandgeräte entwickeln sich weiter. Philips leistet mit der DNL-Schaltung einen Beitrag zur Rauschverminderung bei der Bandwiedergabe. Mit dem Dolby-B-Zusatzgerät 101 der Firma Advent ist es möglich, jedes Tonbandgerät nachträglich mit dem Dolby-System zur Rauschverminderung auszurüsten. BASF, neuerdings auch Lieferant für Cassettenrecorder (CC Recorder 9100 / 9200), stellt eine C 120-Kassette mit neuer Mechanik und Chromdioxidband vor. Spitzengeräte, wie das Uher Compact Report Stereo-Cassettengerät, erfüllen sogar die Mindestanforderungen von DIN 45 500 für Spulengeräte. Die Phonoindustrie hatte ihre Neuheiten schon auf der Hannover-Messe gezeigt. Verbesserungen in der Laufwerksmechanik, die Antiskating-Einrichtung (z. B. Braun, BSR, Elac, Philips), tangential abtastender Tonarm (Garrard), aber auch neue Magnetsysteme und speziell geschliffene Abtastdiamanten sorgen für optimale Plattenwiedergabe.
29. Internationale Funkausstellung Berlin 1973 (31. August - 9. September)
Der Wettbewerb bei den Fernsehgeräten wird immer härter, eine steigende Zahl ausländischer Hersteller, z. B. aus England, Frankreich, Finnland, Israel und Schweden, zeigen neben den bekannten Firmen ihr Angebot an Farb- und S/W-Fernsehempfängern. Die Geräte der deutschen Industrie zeichnen sich durch modernes Design aus und weisen auch in diesem Jahr wieder einige technische Neuerungen auf. Die Transistorbestückung hat sich durchgesetzt, Sensortasten und verbesserte drahtlose Fernbedienung, jetzt auch mit bis zu zwölf wählbaren Programmen (Grundig) und mit Sensortasten ausgerüstet, aber auch die Anwendung der Modultechnik gehören zum Gerätestandard. Einige Firmen haben ihr Sensortastenfeld mit einer AV-Taste versehen, die für den Programmplatz eines VCR-Gerätes vorgesehen ist. Neu ist auch der VHF-UHF-Einblocktuner in Steckmodulausführung und das ZF-Verstärkermodul mit gedruckter Filterschaltung (Blaupunkt). Ein nachrüstbarer PAL-SECAM-Konverter ermöglicht auch den Empfang von Farbsendungen in der SECAM-Norm (z. B. Blaupunkt, Grundig). Die Geräte mit kleineren Bildgrößen sind eine Domäne der japanischen Produzenten, aber auch fünf deutsche Firmen zeigen neue Farbportables mit 36-cm-Bildgröße (Blaupunkt, Grundig, Nordmende, Saba, Telefunken). Im Bereich der S/W-Empfänger gibt es ein breites Angebot von tragbaren Geräten für Batterie- und Netzbetrieb. Bei den neuen Tischempfängern mit 61-cm-Bildgröße kommen neuentwickelte Chassis mit Halbleiterbestückung und Thyristor-Ablenktechnik zum Einsatz, der Bedienungskomfort gleicht teilweise dem der Farbgeräte.
Einen anderen Schwerpunkt dieser Ausstellung bildet der Bereich Audiovision: Bildplatte und Videorecorder. Telefunken präsentiert den TED-Bildplattenspieler TP 1005 (TED = Television Disc), der für DM 1.148,- ab Januar 1974 in den Handel kommen soll. Eine 10-Minuten-Platte soll je nach Inhalt etwa DM 10,- bis DM 25,- kosten. Philips demonstriert erstmalig öffentlich die Video-Langspielplatte nach dem System VLP (Video Long Play) mit Laserabtastung. Das Abspielgerät bietet Funktionen wie z. B. Standbild, Zeitraffer, Zeitlupe, Einzelbildschaltung und ist fernbedienbar. Die Speicherkapazität einer VLP-Platte beträgt maximal 45 Minuten. Eine Markteinführung ist aber nicht vor 1975 geplant.
Der im Handel befindliche Video-Cassettenrecorder nach dem VCR-System (Philips und andere deutsche Firmen) bekommt Konkurrenz: Matsushita (National/Panasonic) und JVC stellen Videorecorder nach dem von Sony entwickelten „U-matic"System unter der Markenbezeichnung „U-VCR" vor. Aber auch erste tragbare Schwarzweiß-Video- Aufzeichnungsanlagen werden gezeigt (Akai, Bell & Howell, Sony), die Preise hierfür liegen bei DM 4.000,- bis DM 5.000,-. Eine Überraschung in diesem Bereich ist der farbtüchtige Kamera-Recorder-Portable CVT-150 von Akai; die Farbkamera gilt mit ihren kleinen Abmessungen und nur 2,6 kg Gewicht als die kleinste der Welt. Nordmende präsentiert die dritte, jetzt fabrikationsreife Ausführung ihres Super-8-Filmabtasters Spectra Color CCS.
Auch im Rundfunkbereich gibt es wieder eine sehr große Zahl von Neuvorstellungen. Der immer wieder sehr beliebte und universell einsetzbare Mono-Kleinempfänger im Flachformat zeichnet sich durch hohe Empfindlichkeit und einfache Bedienung aus, bei den Spitzengeräten dieser Gruppe sind Festsendertasten selbstverständlich. Bei den Uhrenradios gibt es neben den zahlreichen Ausführungen mit mechanischer Digitalanzeige ein erstes Modell mit vollelektronischer Digitaluhr und Siebensegment-Zeitanzeige (z. B. Saba electronic clock). Der Fortfall jeder Mechanik im Uhrenantrieb erlaubt geräuschlosen Betrieb und ein minutengenaues Einstellen von Uhr- und Weckzeiten. Tragbare Geräte und Autoradios bieten neben allgemeinen Verbesserungen keine technischen Neuerungen.
HiFi-Receiver und -Anlagen zeigen hohen technischen Komfort, Anzeigeinstrumente für Feldstärke und Senderabstimmung, zahlreiche Leuchtanzeigen für die verschiedensten Funktionen bestimmen das Aussehen der Geräte. Mit einer automatischen Umschaltung von der Festsendereinstellung auf Handabstimmung beim Berühren des Abstimmknopfes ist das HiFi-Steuergerät 4000 von Metz ausgestattet.
Bei den meisten ausländischen Herstellern überwiegt das flache Kastengehäuse mit Bedienung an der senkrechten Frontplatte, während die deutschen Hersteller vermehrt zur bedienungsfreundlichen und übersichtlichen Pultform übergehen. Neue Impulse für die HiFi-Technik bringt die Quadrophonie. Wegen der nicht vorhandenen Normung herrscht aber eine allgemeine Verunsicherung, die mit Pseudoquadrophonie ausgestatteten Empfänger sind nur Kompromisslösungen. Als zukunftssicher gelten Geräte mit vorbereiteten Anschlüssen für unterschiedliche Decoder, wie z. B. die in Modultechnik ausgeführten Receiver von Elac oder Nordmende.
Einzelkomponenten werden wegen der geringen Nachfrage kaum noch gefertigt, technisch interessant sind hier aber die Tuner mit Frequenz-Synthesizer-Abstimmung (Syma, Revox). Kompaktanlagen mit eingebautem Plattenspieler und/oder Cassettenrecorder runden das Bild der HiFi-Empfänger ab, hervorhebenswert neben den Tischausführungen mit Plexiglashauben in flacher Form ist die kugelförmige Anlage mit Chromfuß Vision 2000 von Rosita.
Bei den Phono- und Magnettongeräten steht die HiFi-Technik im Vordergrund. Gute HiFi-Plattenspieler zeichnen sich aus durch direkt angetriebene Plattenteller mit besonderer Laufruhe (z. B. All-Akustik, Technics), verbesserte Leichttonarme mit Antiskating-Einrichtung und hydraulischem Tonarmlift (Sharp) und hochwertige magnetische Tonabnehmersysteme, die zum Teil auch für die Wiedergabe von Quadrophonie-Schallplatten geeignet sind (z. B. Hitachi, Ortofon, Sharp).
Beim Magnettongerät ist eine deutliche Verlagerung vom Spulen- zum Cassettengerät zu bemerken. Neuheiten bei den Spulengeräten sind überwiegend in der hochwertigen HiFi-Klasse zu finden: Sie bieten z. B. Quadro-Betrieb (z. B. Akai, Pioneer, Sansui), elektronische Laufwerkssteuerung und Servotasten (z. B. Grundig und Telefunken), Drei-Motoren-Laufwerke (Sony, Revox) und „Long-Life"-Tonköpfe (Grundig). Zu den technischen Vorzügen der HiFi-Cassettendecks gehören Auto-Reverse-Betrieb, automatische Bandsortenumschaltung, DNL- und Dolby-Rauschunterdrückungssysteme, automatische Aussteuerung und Schieberegler.
Neben den HiFi-Ausführungen ist wieder ein umfangreiches Angebot an tragbaren Geräten und Radiorecordern zu sehen.
30. Internationale Funkausstellung Berlin 1975 (29. August - 7. September)
Auffallende Neuerungen bei den Farbfernsehempfängern sind neben der Verwendung verbesserter Bildröhren die Infrarot-Tonübertragung und die Möglichkeit der Einblendung von Geräteeinstellungswerten in Form von Ziffern und Balken auf dem Bildschirm. Die Infrarot-Tonübertragung ermöglicht die kabellose Wiedergabe des Fernsehtons über einen Kopfhörer.
Dies wird bei einigen Herstellern durch ein zusätzliches Modul im Empfänger realisiert (z. B. Blaupunkt, Grundig, Körting, ITT Schaub-Lorenz), aber auch eine universelle Nachrüstung mit dem separaten Kopfhörer-Set KH 800 infra von Görler ist machbar. Die Verwendung neuer integrierter Schaltungen ermöglicht die Einblendung von Uhrzeit, Programmziffer, Reglerstellungen und Abstimmskalen auf dem Bildschirm (z. B. Blaupunkt, Görler, Grundig, Philips), einige Firmen statten ihre Geräte aber auch mit einer in die Bedienfront eingebauten Digitaluhr aus, die teilweise den Empfänger zur voreingestellten Zeit einschaltet (z. B. Graetz, Metz, Siemens). Bei den meisten Herstellern ist eine verstärkte Anwendung der Modultechnik zu bemerken (z. B. Telefunken, Modulchassis 712 mit 14 Moduln), wodurch eine einfachere Anpassung der Empfänger an bestimmte Empfangsbedingungen gegeben ist. Für den Empfang von SECAM-Aussendungen können diese Geräte leicht mit entsprechenden PAL/SECAM-Farbmoduln ausgestattet werden, auch für den Empfang in Kabelfernsehbereichen lässt sich problemlos ein Kabeltuner nachrüsten. Neuheiten bei den Schwarzweiß-Fernsehern gibt es wenige, auch hier kommen bei den Tischgeräten Chassis in Modultechnik zur Anwendung (Blaupunkt). Zahlreiche neue Portables ergänzen das Bild, z. B. der Fernsehkoffer von JVC mit 7,5 cm Bildschirmgröße und eingebautem Rundfunkempfangsteil.
Im Bereich Audiovision werden die Bildplattenvorführungen bei Telefunken mit großem Interesse verfolgt. Das TED-Abspielgerät befindet sich seit März im Handel mit etwa 150 verschiedenen TED-Bildplatten-Titeln. Das VLP-Bildplattensystem von Philips soll nicht vor Ende 1977 in Europa eingeführt werden. Nordmende führt seinen nochmals verbesserten Super-8-Filmabtaster Colorvision CCS vor. Die Videorecorder nach dem Philips VCR-System sind weiter verbessert worden, das Modell N 1501 bietet jetzt auch Standbildwiedergabe und ein Anzeigeinstrument für die Trackingeinstellung. Sony präsentiert sein neues, in Europa aber noch nicht lieferbares Video-Cassetten-System Betamax und die tragbare Farb-Video-Cassettenkombination Rover. Schwarzweiß-Kameras für Überwachungsanlagen, aber auch für den Heimgebrauch, zeigen Philips und Sanyo.

Bei den Rundfunkgeräten gibt es kaum technische Neuheiten. Das Modulchassis kommt auch hier wegen der geringeren Fertigungskosten mehr zum Einsatz. High Fidelity ist Standard, die Quadrophonie, ”der Aussteller liebstes Spielzeug vor zwei Jahren”, ist diesmal in den Hintergrund getreten. Es zeichnet sich immer noch keine einheitliche Norm für diese Vierkanaltechnik ab. Technische Neuerungen gibt es in den Abstimmbausteinen der Tuner: Die Verwendung von Feldeffekttransistoren verbessern das Großsignalverhalten und die Oszillator-Stabilität. Synthesizer-Frequenzeinstellung und skalenartige Leuchtdioden-(LED)-Anzeigen erleichtern die Bedienung, digitale Anzeigen für den Programmplatz (Loewe Opta) und sogar der eingestellten Frequenz (Toshiba) verändern die Ansicht der Gerätefronten. Bei den Gehäuseformen der Tuner und Steuergeräte zeichnet sich der Trend zum flachen Gehäuse mit Frontbedienung ab. Auch die dazugehörigen Lautsprecherboxen, wie die Mini-Boxen der Firmen Arcon, Braun, Heco und Summit, werden, ohne an Klangqualität zu verlieren, kleiner Der Schwerpunkt bei den tragbaren Rundfunkempfängern liegt bei den Radio-Recordern. Zahlreiche Neuvorstellungen zeigen guten technischen Standard.
Die Geräte sind überwiegend mit eingebauten Netzteilen, drei bis vier Wellenbereichen und automatischer Band-Endabschaltung ausgerüstet, die Type ICF-3000 L von Sony besitzt sogar eine eingebaute Digitaluhr. Die Verbesserungen bei den Autosupern erstrecken sich in der Hauptsache auf den organischen Einbau von Verkehrsfunk-Decodern (z. B. Becker, Blaupunkt, Philips, ITT Schaub-Lorenz) und neuen Schaltungen zur Unterdrückung von Störimpulsen („ASU"- und „IAC"-Schaltungen). Eine Automatik-Schaltung sorgt bei der Wiedergabe von Cassetten für eine Umschaltung auf den Rundfunksender, wenn Verkehrsinformationen ausgestrahlt werden. Elektronischen Sendersuchlauf mit Leuchtdiodenkette zur Senderanzeige bietet der Autosuper der Komfortklasse TS 708 stereo electronic der Firma ITT Schaub-Lorenz.
Auch im HiFi-Bereich hat sich das Cassettengerät gegenüber dem Spulentonbandgerät durchgesetzt. Durch die Weiterentwicklung des Bandmaterials der Cassetten und die Rauschunterdrückungssysteme (Dolby und DNL) ist inzwischen eine hohe Tonqualität erreicht worden. Zur technischen Ausstattung der HiFi-Cassettendecks gehören z. B. automatische Bandsortenumschaltung, Drei-Kopf-Funktion mit Hinterbandkontrolle, Doppel-Capstan-Antrieb, tachogeregelte Gleichstrommotoren, eingebautes Mischpult mit Schiebereglern und Playback-Funktionen. Bei den Phonogeräten gehört HiFi zum Standard, eine Neuerung, die die technischen Daten verbessert, ist die quarzgesteuerte Motor-Drehzahlregelung (Sony).

31. Internationale Funkausstellung Berlin 1977 (26. August - 4. September)
Die auf der Funkausstellung gezeigten Fernsehgeräte beweisen, dass sich Fortschritte nicht nur auf Designänderungen beschränken. Die Spitzenmodelle der Farbfernsehgeräte sind mit der neuen, um 70 % helleren 66-cm-Heliochrom-Farbbildrähre bestückt. Durch verbesserte Schaltungen ist eine weitere Reduzierung der Leistungsaufnahme zu erkennen (Blaupunkt und ITT Schaub-Lorenz). Die Verwendung von Mikroprozessor-Steuerungen im Bereich der Senderprogrammierung erlaubt einen vollektronischen Sendersuchlauf und direkte Kanaleingabe der gewünschten Sender. Zusätzlich lassen sich Einschaltzeiten bestimmter Programme vom Benutzer vorprogrammieren (Blaupunkt, Siemens). Eine Neuheit ist auch die Bild-im-Bild-Technik, eine Möglichkeit, das Gesamtbild eines zweiten Programms verkleinert innerhalb des Hauptbildes einzublenden (Barco, Grundig, Saba, Telefunken). Daneben zeigt Nordmende wieder zwei Modelle mit separaten Schwarzweiß-Monitoren für die parallele Wiedergabe mehrerer Programme, die Fernbedienung Telecontrol 1600 besitzt eine eingebaute Digitaluhr. Eine immer wieder geforderte Verbesserung der Fernsehton-Wiedergabe wird durch neue integrierte Schaltungen und den Einbau von HiFi-Lautsprechersystemen erreicht (z. B. Graetz, Saba). Eine elegante Lösung bietet hier der Nordmende Prestige 5K2 Colorsonic: Der Lautsprecher, eine HiFi-Kompaktbox, ist in den Fuß des Gerätes eingebaut und ermöglicht somit eine bessere Basswiedergabe. Dass ein Farbfernsehempfänger nicht nur zur Wiedergabe von Fernsehprogrammen benutzt werden kann, zeigen z. B. die Geräte mit eingebauten Bildschirmspielen von Loewe Opta, Philips, Salora und Telefunken. Für kommende Videotext-Sendungen lässt sich das ITT-Chassis mit einem entsprechenden Decoder nachrüsten.
Bei den Videorecordern werden zu dieser Funkausstellung insgesamt drei Systeme gezeigt. Das VCR-System wurde verbessert und bietet durch Halbierung der Bandgeschwindigkeit als VCR-Longplay jetzt insgesamt 130 Minuten Spieldauer. Die neuen Recorder besitzen eine AV-Buchse, die Bildqualität wird beim Überspielen dadurch deutlich verbessert. Die VCR-Geräte werden von Grundig, ITT Schaub-Lorenz, Philips, Loewe Opta und Nordmende angeboten. Von den japanischen Firmen Sony, Sanyo und Toshiba werden Mustergeräte nach dem Beta-System vorgestellt, die auch in Deutschland auf den Markt kommen sollen. Das dritte System ist das neue, von den Firmen JVC und Matsushita entwickelte Video-Heim-System (VHS 2000), ebenfalls mit einer maximalen Spielzeit von zwei Stunden. Die ersten VHS-Geräte werden im zweiten Halbjahr 1978 in Deutschland erhältlich sein.
Großes Interesse läsen auch in diesem Jahr wieder die HiFi-Geräte aus. Auffallend ist bei den meisten der ausgestellten Kompaktanlagen die Dreifach-Kombination: Rundfunkempfangsteil mit Verstärker, Plattenspieler und Cassettenrecorder sind unter einer ”Haube" vereint. Allen Geräten gemeinsam ist eine weitere Verbesserung des Bedienungskomforts, die Spitzengeräte sind mit Ultraschall-Fernbedienungen ausgerüstet (z. B. Grundig, Graetz/Schaub-Lorenz, Philips). Bei den getrennten Bausteinen zeichnet sich ein Trend zu einheitlichen mechanischen Abmessungen ab, so dass diese Komponenten miteinander zu einem Turm zusammengestellt werden können (z. B. Philips, Toshiba). Die klassische Zeigerskala wird immer mehr von elektronischen Bauelementen in Form von Leuchtdiodenbändern verdrängt, bei Tunern der oberen Preisklasse ist eine digitale Frequenzanzeige eingebaut (z. B. Braun, Dual, Revox, Telefunken).
In der Gruppe der preiswerten Heimempfänger dominiert neben den Radiorecordern nach wie vor das Uhrenradio. Hier setzt sich die Quarzsteuerung durch, die Digitalanzeige mit großen Ziffern ist Standard, mechanische Klapptafeln sind nicht mehr zu finden. Die Radioausstattung geht über Stationstasten bis zur Kombination mit einem Cassettengerät (Nordmende). Eine Besonderheit bietet Siemens: Auf Tastendruck läuft die Uhr als Sekundenzählwerk bis zu zehn Minuten und bietet z. B. beim Telefonieren die Kontrolle der Gesprächszeit. Neue Weltempfänger werden in diesem Jahr von Grundig, Nordmende, National und Sanyo gezeigt. Auch bei den Autoradios ersetzt die digitale Frequenzanzeige die übliche Zeigerskala (Hitachi, Herald), elektronischer Sendersuchlauf mit Speichermöglichkeit und eingebauter Verkehrsfunkdecoder gehören bei einigen Modellen zum Standard (z. B. Hitachi, Grundig, Philips). Ein Autoradio mit neuartiger Diebstahlsicherung zeigt die Firma Voxson: ein abnehmbares Bedienteil macht den Rest des eingebauten Radios betriebsunfähig und somit für einen Dieb uninteressant. Die Autoradio-Cassettenkombinationen werden immer beliebter (Grundig: jedes dritte verkaufte Gerät).
Wenig Neuheiten gibt es bei den Tonbandgeräten. Die HiFi-Cassettenrecorder erreichen geringere Gleichlaufschwankungen durch eine verbesserte Antriebsmechanik. Trotz des stark zurückgegangenen Interesses an Spulentonbandgeräten werden von den Firmen ASC, Grundig, Philips und Revox neue Modelle der Spitzenklasse vorgestellt. Besonders interessante Plattenspieler stellen Studer-Revox (B 790, mit servo-elektronisch gesteuertem Tangentialtonarm und quarzgesteuertem Direktantrieb) und Fisher (MT 6225, mit einem Linearmotor als Direktantrieb) vor.
32. Internationale Funkausstellung Berlin 1979 (24. August – 2. September)
Fernsehempfänger ohne technische Sensationen auf der Funkausstellung 1979, aber trotzdem werden eine große Anzahl weiterentwickelter Geräte von den Herstellern präsentiert. Die Synthesizer-Abstimmung für 99 Kanäle mit bis zu 30 Programmspeicherplätzen und die Mikroprozessorsteuerung mit ihren vielfältigen Möglichkeiten sind in Spitzengeräten fast schon Standard. Erweiterte Funktionsmöglichkeiten bietet die Infrarot-Fernbedienung, die die Ultraschall-Version abgelöst hat. Eine neue Farbbildröhrengeneration (Precision Inline S-4) sorgt für eine erneute Verbesserung der Bildqualität. Fast alle Hersteller haben für Video- und Bildschirmtext nachrüstbare Farbgeräte im Programm, einige Modelle sind schon mit eingebauten Decodern ausgerüstet. Neue Wege in der Modultechnik werden von Körting und Grundig gezeigt. Körting stattet seine Geräte mit neuartigen Flächenmoduln aus und bei Grundig sind alle Moduln mit einer aufwendigen, aber störsicheren Blechhaube versehen. Die Steigerung der Tonqualität in Richtung HiFi-Wiedergabe ist durch das Quasi-Parallelton-Verfahren, das auch schon in Modellen der mittleren Preisklasse zu finden ist, und durch den Einbau von der HiFi-Norm entsprechenden Lautsprecherboxen möglich geworden. Musikleistungen zwischen 20 und 40 Watt sind durchaus keine Seltenheit mehr (z. B. Blaupunkt, Graetz, Telefunken). Ein von Saba vorgestellter Prototyp ist sogar schon für die Wiedergabe von Stereo-Tonübertragungen gerüstet. Das Fernsehempfänger-Angebot umfasst Bildgrößen vom 5-cm-Mini- bis hin zum 68-cm-Maxi-Bild, aber auch Fernseh-Großbildprojektoren sind diesmal in größerem Umfang ausgestellt (z. B. Grundig, Hitachi, Philips, Sharp, Sony). Bei diesen Drei-Röhren-Projektionsempfängern werden Bilddiagonalen von 1,25 m bis über 2 m erreicht.
eben den etablierten Heim-Videoaufzeichnungssystemen wie VHS und Betamax gibt es jetzt Video 2000, ein neues europäisches Format. Video 2000 verwendet eine Halbzoll-Wendecassette mit maximal 2x4 Stunden Spiellänge. Die Bedienung geschieht über eine mikroprozessorkontrollierte Ablaufsteuerung, wahlweise direkt am Gerät oder über eine Infrarot-Fernbedienung. Geräte für dieses System werden von Grundig, ITT, Körting, Loewe Opta, Metz und Philips vorgestellt. Blaupunkt zeigt den tragbaren VHS-Recorder RTX-100 mit einer Spieldauer von über zwei Stunden bei Akkumulator-Betrieb. Für die eigenen Videoaufnahmen werden eine Reihe von Farbkameras präsentiert, die von Größe und Gewicht her durchaus in Konkurrenz zu 8-mm-Schmalfilmkameras treten können (z. B. Blaupunkt, Grundig, JVC, ITT, Sanyo, Telefunken).
Die Produktpalette im Bereich Rundfunk- und HiFi-Geräte ist auch bei dieser Funkausstellung unvermindert groß. In wachsendem Umfang werden Infrarot-Fernsteuerung, Synthesizer-Abstimmung mit digitaler Frequenzanzeige und Mikroprozessorsteuerung zur Erleichterung der Bedienung oder Überwachung der Baugruppen eingesetzt. Durch den Wegfall der großen Linearskalen lassen sich die Bedienungselemente übersichtlicher auf der Frontplatte verteilen; auch das äußere Erscheinungsbild der aufeinander abgestimmten Komponenten hat sich deutlich verändert. Die neue Turmgeneration lässt sich in drei Hauptrichtungen aufteilen: das Standardformat mit recht großem Platzbedarf, die Slim- oder Flatline-Geräte mit einer Bauhöhe von unter 10 cm und die Mini-Bausteine, die trotz ihrer geringen Abmessungen fortschrittliche Technik bieten. Kaum Änderungen gibt es bei den Kompaktanlagen, da durch die Einbeziehung des Plattenspielers die äußere Form weitgehend vorgegeben ist. Die Ausstattung der Verstärker hat sich einem Standard genähert; dazu gehören ein Quellenwahlschalter mit mindestens einem Phono-Eingang, mindestens ein Höhen- und ein Tiefenregler, Monitorschalter zur Hinterbandkontrolle von Magnetbandgeräten, Pegel- und Balancesteller sowie Hoch- bzw. Tiefpassfilter.
Die Stars unter den tragbaren Rundfunkempfängern sind nach wie vor die Weltempfänger, die jetzt ebenfalls mit Synthesizer-Abstimmung und Mikroprozessor-Steuerung ausgerüstet sind. Eingebaute Quarzuhren und digitale Frequenzanzeige sind bis hin zum Taschenempfänger weit verbreitet. Bei den größeren Radiorecordern dominieren die Stereo-Modelle, sogar Uhrenradios werden bereits in Stereo-Ausführung und mit eingebautem Cassettenteil angeboten. Bei dem Uhrenradio talking clock von Saba wird die Uhrzeit in Stunden und Minuten mit synthetischer Stimme akustisch angesagt. Mikroprozessorsteuerung und Digitaltechnik auch im Autoradio, das Modell Mexico Cassette Electronic von Becker z. B. besitzt keinerlei Knöpfe mehr. Alle Funktionen bis hin zur direkten Frequenzeingabe werden über Tipptasten eingegeben. Weitere Merkmale der diesjährigen Autoempfänger sind eingebaute Verkehrsfunkdecoder für alle drei ARI-Kennsignale (Auto-Rundfunk-Information) und Autoreverse-Technik sowie Dolby-Einrichtung bei den Cassettenteilen.
Tangentialtonarm, programmierbarer Suchlauf mit beliebiger Abspielreihenfolge von maximal zehn Musiktiteln, Speicherung und Funktionssteuerung mit einem Mikroprozessor sind Ausstattungsmerkmale der Plattenspieler-Spitzenmodelle (z. B. Aiwa, Elac, Fisher, Technics). Insgesamt wird bei allen Modellen ein höherer Bedienungskomfort verwirklicht. Die Zahl der angebotenen Spulentonbandgeräte ist deutlich zurückgegangen, hier setzt sich die Tendenz fort, dass diese Geräte nur noch bei einer kleinen Gruppe von Tonband-Amateuren verwendet wird. Die Cassetten-Geräte sind durch Verbesserungen des Bandmaterials (z. B. Metallpigment-Band von BASF) und weitere technische Einrichtungen zur Erhöhung des Störspannungsabstandes (z. B. High-Com von Telefunken) aufgewertet worden.
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