Technikgeschichte 1971-1989

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el3400.jpg1971. Cassetten-lose und Cassetten-gestützte Video-Recorder.

 

Obwohl es seit Jahren schon Angebote in kleinem Rahmen von Video-Aufzeichnungs- und Wiedergabegeräten mit offenen Spulen auf dem Cosumer-Markt gegeben hat (Beispiel Philips EL-3400 für schwarz-weiß-Aufzeichnungen von 1964) , konnten sich erst Cassetten-Systeme am Markt duchsetzen. So bot Philips und Grundig ab 1971 das VCR-System an.  Über die Jahre bildeten sich vier konkurrierende  und untereinander inkompatible Formate heraus: VCR, VHS, Betamax und Video2000.

 

video2000.jpgTechnisch ist die Aufzeichnung von bewegten Bildern und Ton ungleich komplizierter als reine Tonaufzeichnungen mit Tonbandgeräten. Während beim Audio-Tonband dieses Band einfach am Löschkopf und Tonkopf mit 4,75  oder 9,5 oder 19 cm pro Sekunde - Geschwindigkeit vorbei geführt wird, muß beim Video-Recorder eine deutlich höhere Relativgeschwindigkeit Kopf/Band erreicht werden.

 

telefunken_vr40.jpgDeshalb wurden rotierende Köpfe im Schrägspurverfahren in einer sehr schnell drehenden Trommel eingesetzt. Dadurch war die relative Bandgeschwindigkeit hoch genug, um auch feinste Bilddetails wiedergeben zu können. Bandführung, Geschwindigkeit und weitere Parameter müssen exakt eingehalten werden. Neben den rotierenden Köpfen waren noch Löschkopf, Synchronkopf und Tonkopf nötig. Die ersten Geräte hatten relativ breite Magnetbänder auf Spulentellern, die um 1971 gegen Kassetten mit immer schmaleren Bändern ersetzt wurden. Die Cassettengeräte waren einfacher zu bedienen und liefen bald präziser als Bandtellergeräte.

 

grundig_vcr_3500.jpgTechniker streiten noch heute über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Cassetten-Normen. Jedenfalls brauchte sich VCR nicht hinsichtlich der Farbqualität kaum hinter Betamax und VHS verstecken. Halbwegs sicher ist die Einschätzung, daß das am weitesten verbreitete VHS-System nicht technisch führend war, eher Video 2000 und Betamax. Video-2000 hatte noch den Vorteil der Wende-Kassetten. Ab ca. 1980 hat sich des VHS-System weltweit durchgesetzt.

 


Viele weitere Beispiele von Video-Recordern mit den damaligen Cassetten-Systemen und mehr Details:  mehr.jpg

 

 

 

 

 

 

tp1005.jpg1971 / 1973. Bildplattenspieler TED

 

Ein Versuch von Telefunken, ein Bild/Ton-Abspiel-System auf dem Markt zu platzieren wurde seit ca. 1970 entwickelt und 1971 / 1973 vorgestellt. Markteinführung war 1975. Zuerst schwarz-Weiss mit  zwei mal fünf Minuten Folien-"Schallplatten", später  zweimal 10 Minuten Spieldauer.  Eine zu geringe Spieldauer und ein viel zu geringes und uninteressantes Themen-angebot und die viel leistungsstärkere Einführung durch die Konkurrenz des VCR-Videosytems führte zu einem Nichtdurchsetzen am Markt.

 

Rein technisch war das System schon interessant, da die Bild- und Tonabtastung wie beim klassischen Plattenspieler mit einem rein mechanisch-elektrischen Tonabnehmer erfolgte und die "Schallplatte" als eine hauchdünne flexible Folienscheibe ausgebildet war. Die Platte verblieb auch beim Abspielen in der Schutzumhüllung.


 


 

1973. Kunstkopf-Stereophonie mehr.jpg

 

 

 

 

blaupunkt_berlin.jpg1974. Verkehrsfunk (ARI) 

 

Schon lange gaben die Rundfunkanstalten auch Verkehrs-Hinweise an die Hörer weiter. Auch gab es an Bundesstraßen und Autobahnen Hinweistafeln, welcher Sender in dieser Region Verkehrs-Hinweise gab. Der Hörer im Auto musste den gewünschten Sender auf der Skala suchen und einstellen und gegebenenfalls während der Fahrt wiederholt neu suchen. Das war u.U. eine nicht ganz ungefährliche Ablenkung vom Verkehrsgeschehen. Das ARI-Informationssystem für Stau- und Störungsmeldungen auf UKW brachte hier Abhilfe. Deutschland wurde in schaltbare Zonen (A-E) aufgeteilt.

 

Die Meldungen waren Pilotton-gesteuert (57 kHz), sodaß auch bei leise eingestelltem Radio oder Betrieb auf Tonbandkassette im Auto die Meldung laut und deutlich hinzugeschaltet werden konnte. Man konnte das Autoradio so einstellen, dass nur Verkehrsfunk-Sender hörbar waren und auch optisch ihre ARI-Fähigkeit anzeigten. Mit dem sogenannten "Hinz-Triller" wurden die Meldungen auch akustisch angekündigt. Bei vielen Autoradios konnte die Durchsage-Lautstärke (unabhängig von der Normal-Lautstärke) einjustiert werden.

 

Eine ARI-Variante war das PCI-System von Blaupunkt. Hier konnte eine Datenbank per Compact-Cassette in das Radio eingespielt werden. Anhand von der Bereichskennung (A-E) und der eingestellten Frequenz war das Radio in der Lage den jeweils besten Sender am jeweiligen Ort automatisch einzustellen.

 

2005 wurde das Sytem abgeschaltet und bedingt durch RDS (siehe weiter unten) ersetzt.

 

 

 

1980/85 Bildschirmtext (BTX)

 

btx.jpgObwohl BTX kein eigentliches Fernsehmedium war, hatte es doch in Verbindung mit Fernsehgeräten eine Bedeutung. BTX war ein Zweiweg-Medium, bei dem über das Telefonnetz Daten-Kontakt zu Zentralrechnern (Servern) aufgenommen werden konnte. BTX kann durchaus als Vorläufer des Internet verstanden werden.

 

Man konnte diverse Dienste in Anspruch nehmen (Wetterberichte, Online-Banking, Warenbestellung, Informationen, Datenbanken, usw.) Das System war - bis auf rudimentäre Graphiken - text-basiert. Als Anzeige-Einheit diente in der Regel der Fernseher. Ein Zusatzgerät mit Tastatur ermöglichte den Kontakt.

 

Anders, als später beim Internet, war der Anbieter-Zugang (Erstellung von Seiten) recht kompliziert und nur umständlich realisierbar.

 

Rundfunk-Fernseh-Geräte-Hersteller boten für Service-Betriebe teilweise ein Ersatzteil-Bestellsystem an.

 

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1982 (1980/1990). Videotext, VPS.  

 

videotext.jpgEin text-basiertes Informations-System über Programm-Informationen, Nachrichten, Wetter, Börsenberichte, Service und sonstigen Themen, das auf dem Fernsehsignal unsichtbar aufgesattelt ist. Es stehen Hunderte von Seiten pro Sender zur Verfügung. Echte Multi-Media-Informationen sind nicht möglich, Graphiken sind nur sehr rudimentär darstellbar. Relativ langsamer Seitenaufbau. Zuerst wurde der Seitenzugriff über eine 3-stellige Nummer vollzogen, später kamen auch Steuer-Tasten-Funktionen hinzu. Es hat sich eine Praxis herausgebildet, nach der bestimmte Seiten-Nummern Sendeanstalt-übergreifend gleich genutzt werden. Beispiel 300 für Programm-Führer, 111 für aktuelle Informationen, 333 für Hinweise  zum gerade laufenden Programm und 100 für die Videotext-Startseite. Bestimmte Fähigkeiten, wie teilweise Ausblendung von bestimmten Informationen oder manuelles Weiterschalten bei mehrseitigen Hinweisen, werden heute (um 2011) nicht mehr von allen Geräte-Herstellern unterstützt. Über die Jahre hinweg wurden die Seitenspeicher immer mehr vergrößert, sodaß der Seitenaufau immer schneller wurde, wenn man nur ausreichend Zeit auf einem Sender verblieb.

 

 

 

Heute teilweise ersetzt durch Programm-Guide-Systeme, wobei der Guide nicht die Informations-Breite und Tiefe erreicht.  Um 2011 ist ein wesentlich leistungsfähigeres Programm-Informations-System durch Verknüpfungen von Fernsehen und Internet in Markteinführung. Hier werden via Internet im Fernseher spezielle Seiten der jeweiligen Sendeanstalten zugreifbar.

 

Videtext wurde auch durch aktuelle Einbindung von Sendezeiten (und Sendezeit-Verschiebungen) als VPS genutzt, um Videorecorder in die Lage zu versetzen, eine programmierte Aufzeichnung exakt zum richtigen Zeitpunkt ein- und auszuschalten.

 

 

 

1984. Kabelfernsehen.  


hyper-1.jpgNach inoffiziellen Vorversuchen wurde ab 1984 (Pilotprojekt Ludwigshafen, später München, Dortmund, Berlin) ein kabel-gebundenes Programmangebot installiert. Es wurde Schritt für Schritt ausgebaut. Bald kamen Fernseher auf den Markt, die das Hyperband (S21-S41) empfangen konnten. Dieses Band lag neben den Empfangsbereichen von Band I, III, IV und V und brachte den nötigen Platz. Kabelfernsehen ermöglichte störungsfreien reflexionsfreien Empfang eines größeren Programmangebots als es bei einem terrestrischen Sendernetz wirtschaftlich möglich wäre.

 

hyper-2.jpgZum ersten Mal wurden für Nutzer zum Teil erhebliche Zusatzkosten fällig, da das Zusatzangebot oft nicht zum Null-Preis angeboten wurde und nur neue Fernseher das Hyperband emfangen konnten.  In den Übergangsjahren während der Einführungsphase war es problematisch, Hyperband-Programme mit noch nicht damit ausgerüsteten Video-Recordern aufzuzeichnen. Andererseits behalfen sich viele Nutzer mit modernen Videorecordern, um so in Stellung "Aufnahme, Vorschau" auch die Sonderkanäle auf dem alten Fernseher betrachten zu können.

 

Vorläufer: Schon in den dreissiger Jahren gab es Versuche, Fernsehen über Kabel zu verteilen. Auch Gemeinschaftsantennen-Anlagen, teilweise auch mit Kanal-Umsetzungen, wurden in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts installiert. Gerade in empfangsschwachen Gebieten und bei Wohn-Groß-Siedlungen boten sich solche Anlagen an.

 

Für den Erfolg des Kabelfernsehens ist auch die damit verbundene Steigerung des Programm-Angebots verantwortlich. Heute um 2011 haben über 50 % der Haushalte Kabelfernsehanschluss, allerdings befindet sich das System gerade in der Umstellung an analog zu digital. Auch dadurch entstehen für Nutzer teilweise erhebliche laufende Kosten, wenn alle Möglichkeiten (HDTV und Bezahlfernsehen) ausgenutzt werden sollen.

 

Obwohl die Drei-Länder-Anstalt 3SAT zuerst für das Satelliten-Fernsehen geplant war, wurde das Programm auch bald in Kabelnetze eingespeist. Der Name ergibt sich aus den zuerst teilnehmenden drei Anstalten SR (Schweiz), ORF (Österreich) und ZDF (Deutschland. Ab 1990 war kurzzeitig das Fernsehen der DDR dabei, 1993 kam noch die ARD hinzu.

 

Frequenzplan für analoges Fernsehen und Rundfunk in Deutschland mit Sonderkanälen beim damaligen Kabelfernsehen
Band MHz Kanäle Zweck Bemerkung
I 47-68 2-4 Fernsehen terrestrisch (VHF)
II 87,5-108 *   Radio terrestrisch (UKW.
* = Bereich wurde schrittweise
von 87,5 bis 100 (104, 108) MHz erweitert
III 174-230 5-12 Fernsehen terrestrisch (VHF)
Hyperband 300-470 S21-S41 Fernsehen nur im Kabelfernsehen
IV 470-582 21-34 Fernsehen terrestrisch (UHF)
V 582-862 35-69 Fernsehen terrestrisch (UHF)

 

Rein theoretisch standen auf Band I, III, IV und V insgesamt 59 TV-Kanäle zur Verfügung. In der Praxis konnten aber nicht alle diese Kanäle vergeben werden, weil die Sendegebiete auf einem Kanal sich teilweise überdecken und damit gegenseitig stören würden. Im Kabelfernsehen trat dieses Problem vom Prinzip her nicht auf, da die Kanäle kaum in den Raum abstrahlten. Tatsächlich gab es aber auch hier teilweise Einstrahlungen des terrestrischen Fernsehens und anderer Dienste (z.B. Amateurfunk) in das Kabelnetz und umgekehrt.

 

 

1984. Werbefinanzierte Fernsehsender.  

 

Bis zur Einführung des "privaten Fernsehen" im "dualen System" gab es in Deutschland fast ausnahmslos nur das öffentlichrechtliche Fernsehen. Dazu gehörten die ersten Programme der ARD, das ZDF und die zweiten und dritten Programme der ARD. Die damalige politische Mehrheit  wollte neben dieser Programmstruktur auch ein privatwirtschaftliches und werbefinanziertes Fernsehen und Rundfunk einführen.

 

Nach ersten Versuchen in Ludwighafen wurden werbefinanzierte Sendeanstalten gegründet. Zu den Pionieren gehörten z.B. SAT-1, RTL Pro Sieben und Kabel 1. Da für jede neue Sendeanstalt ein eigenes Sendernetz unter großem Kostenaufwand aufgebaut werden mußte, setzte sich das Privat-Fernsehen erst mit dem Ausbau des Kabelfernsehens flächendeckend durch, da im Kabelnetz keine Großsender benötigt wurden.


 

 

1984 / 1988. RDS (Radio Data System).  

 

yacht-boy_500.jpgUm dem Radiohörer auf UKW neben Verkehrsfunk-Informationen (ARI) in Text-Kurz-Form auf Radiogeräte-Displays anzeigen zu können, welcher Sender mit welchem Programminhalt eingestellt ist, wurde 1988 das RDS-System eingeführt. Ursprünglich sollte Sendername, Programmname, Verkehrsfunk und Alternativ-Frequenz, Uhrzeit  gezeigt und ausgewertet werden.

 

icfm33rds.jpgBald gaben die Sender auch Musik-Titel, Kurz-Wetterberichte, usw mit aus. Der Nachrichteninhalt ist aber auf den kleinen Displays aus technischen Gründen stark begrenzt.  Oft wurde Laufschrift oder Zeilensprung angewendet.

 

RDS ersetzte das alte Verkehrsfunk-System ARI. RDS kann auch von einem Sender einer Senderkette bei Verkehrsmeldungen automatisch zu anderen Sender dieser Kette umschalten, der gerade eine Verkehrsmeldung sendet.

 


 

 

 

 

 

 

 

1984. Satelliten-Direkt-Fernsehempfang  

 

sat-ant.jpgDie Politik und Gesellschaft wollte mehr Fernsehprogramme. Neben den öffentlichrechtlichen Anstalten wollten sich auch werbefinanzierte Sender darstellen. Um die steigende Zahl der Fernseh-Sendeanstalten großflächig verbreiten zu können, mußten  Alternativen zum klassischen terrestrischen Fernsehen aufgebaut werden. Konnte man noch ca. fünf Anstalten Deutschland-weit mit einem Sendernetz von jeweils ca 30-50 Sendestellen realisieren, war das bei vielleicht 20 Sendeanstalten (20 + 50 = 1000 Sender) wirtschaftlich kaum mehr machbar.

 

In den Jahren um 1984 wurde das Kabelfernsehen aufgebaut. Dieses System war in der Lage, eine große Zahl von Sendern zu verbreiten. Der Nachteil war aber die begrenzte Verbreitung. Nur, wer am Kabel angeschlossen war, konnte teilnehmen. Parallel dazu entwickelte sich langsam auch die Direkt-Programmabstrahlung über geostationäre Satelliten. Hierfür mußte am Empfangsort ein Vorsatzgerät und eine Spezialantenne (Satellitenschüssel) den Fernsehempfänger in die entsprechende Lage versetzen.

 

Eine Begrenzung der Teilnehmer entstand nur durch den "Zwang", vom Empfangsort zum Standort des jeweiligen Satelliten optische Sicht zu haben, ansonsten konnte man überall innerhalb der Ausleuchtungszone des Satelliten Empfang haben. Hatte man z.B. nur ein Nordfenster oder Nordbalkon oder Nordterasse, war kein Empfang möglich. In Deutschland war und ist eine ungefähre Himmelsicht in Richtung Süd und frei Sicht in die Höhe von ca. 52 Grad empfangs-voraussetzend.

 

Frühe Satelliten waren TV-SAT und Kopernikus. Aber erst mit den Astra-Satelliten (1988) konnte der Durchbruch beim Publikum gelingen.

 

 

 


 

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