Die Funkausstellungen 1991-heute

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38. Internationale Funkausstellung Berlin 1991 (30. August - 8. September)

 

Das Thema Nr. 1 auf dieser IFA ist neben dem offiziellen Ausstrahlungsbeginn von Fernsehprogrammen im D2-Mac-Standard die Einführung des Bildschirmformats 16:9. Dieses Format ist ursprünglich ein Merkmal der geplanten HDTV-Norm. In Zukunft werden vermehrt Fernsehsendungen im 16:9-Format über den Fernsehsatelliten TV-Sat ausgestrahlt, eine automatische Format-Umschaltung sorgt dafür, dass die neuen 16:9-Fernseher auch Sendungen im 4:3-Format problemlos wiedergeben können. Die Bildgrößen der auf der Funkausstellung von verschiedenen Herstellern (z.B. Blaupunkt, Grundig, Loewe Opta, Nokia, Nordmende, Philips, Siemens und Telefunken) präsentierten 16:9-Geräte betragen 92-cm-, 82-cm- und 71-cm-Bilddiagonale, die letzten beiden Formate sollen aber erst ab 1992 lieferbar sein. Besondere technische Merkmale dieser 92-cm-Multinorm-Geräte sind z.B. elektronische Zeilenverdopplung auf 1250 Zeilen, integrierte Satelliten- und D2-Mac-Decoder, Bild im Bild (PIP) und Bild außerhalb des Bildes (POP), TOP-Videotext und 2 x 70 Watt HiFi-Ton (Telefunken Cinevision).

 

Auf dem deutschen Camcorder-Markt tummeln sich 36 Anbieter mit über 280 Modellen, das Interesse und der Absatz steigt ständig, nicht nur wegen der sinkenden Preise. Die aktuellen Modelle der neuen Saison sind insgesamt kleiner und leichter, ein Video 8-Camcorder von Canon wiegt z.B. nur noch 580 g, und sie werden noch leistungsfähiger. Sony präsentiert den Video-Hi8-Camcorder CCD-TR 705, der sogar Stereoton aufzeichnen kann und trotzdem nur 600 g auf die Waage bringt. Auch Camcorder im VHS-C-Format wiegen nur wenig über 600 g. Hohe Lichtempfindlichkeit, Motor-Zoom-Objektive, computergesteuerte Automatikschaltungen für Blendensteuerung, Fokussierung, Weißabgleich und Tonaussteuerung vereinfachen die Bedienung. Die Heim-Videorecorder zeigen ebenfalls technische Verfeinerungen wie Quickstart-Laufwerk, automatische Videokopf-Reinigung und z.B. eine Verbesserung der Bildwiedergabe durch eine Zusatzschaltung (ASO-plus, Nokia), die beim Abspielen von abgenutzten Videocassetten den Verlust von Detailschärfe korrigiert. Ein Archiv-System bietet der Grundig-Recorder VS 960 VPT: Er legt für jede neue Cassette ein „Karteiblatt“ mit Cassetten-Nummer, Aufnahmedatum, Spielzeit, Titel, Sparte und Cassettentyp an. Eine einmal gemachte Aufnahme lässt sich so problemlos wiederfinden.

 

Ein weiterer Anziehungspunkt sind die Satelliten-Empfangsanlagen. Seit dem Start des Fernsehsatelliten Astra 1 B am 2. März 1991 sind neun deutsche und weitere internationale Programme zu empfangen, rund 80 % Prozent aller bisher verkauften Anlagen sind auf die Astra-Satelliten ausgerichtet. Neben empfindlicheren Satellitenschüsseln für den Individualempfang werden Anlagen für Mehrfamilienhäuser und für die Erweiterung von Gemeinschaftsantennen vorgestellt.

 

Auf der diesjährigen Funkausstellung wird auch im Audio-Bereich ein neues Kapitel der Digitaltechnik eröffnet. Die weiterentwickelte Digital Compact Cassette (DCC) verwendet jetzt die Technik der Daten-Komprimierung und bietet somit eine höhere Aufzeichnungsdichte. Sony präsentiert die MiniDisc (MD), ein digitales System auf der Basis der optischen Platte. Auch hier wird ein Datenreduktionsverfahren verwendet, so dass diese kleine Platte mit 6,4 cm Durchmesser eine Spielzeit von 74 Minuten bietet. Neben den industriell vorbespielten Platten für die reine Wiedergabe soll es eine magneto-optische Disc für die digitale Aufzeichnung durch den Konsumenten geben. Eine weitere Neuheit im Audio-Bereich sind die magneto-optischen 12-cm-CD's (CD-MO), die die gleiche Speicherkapazität wie eine Compact Disc haben. Auch diese CD's können nicht nur abgespielt, sondern auch beliebig oft selbst bespielt bzw. überspielt werden. Ein für diese Technik geeigneter Recorder (Sanyo/Fisher), der auch konventionelle Audio-CD's wiedergibt, ist mit einer Anschlussmöglichkeit für einen Computer ausgestattet und erlaubt so die digitale Speicherung von Musik, Bildern und Computerdaten. Weiterentwickelte DAT-Recorder zeigen zu den Mini-HiFi-Anlagen passende Maße; kaum größer als ein Taschenkalender ist der tragbare, akkubetriebene RX-P 1 H von Sharp (9 x 12 x 3,6 cm).

 

Einen Schwerpunkt auf der IFA 1991 bildet der Bereich Telekommunikation, der sich zum zweiten Mal auf dieser Messe präsentiert. Zahlreiche Hersteller zeigen auf den Gebieten Telefon, Anrufbeantworter, Telefax und Mobilfunk ihre Neuheiten. lm Heimbereich sind die schnurlosen Telefone immer beliebter, eine Reichweite von rund 30 m in Gebäuden und bis zu 300 m im freien Gelände bei guter Qualität und Abhörsicherheit machen das Telefonieren bequemer. Sinkende Preise lassen eine Zuwachsrate von 30 % erwarten. Aber auch die stationären Apparate bieten hohen Komfort: Nummernspeicher, alphanumerische Anzeigen und integrierte Anrufbeantworter gehören zur breiten Mittelklasse.

 

 

39. Internationale Funkausstellung Berlin 1993 (27. August - 5. September)

 

Auf dieser IFA sind technische Sensationen Mangelware: Die Technik im Fernsehbereich hat eine Pause eingelegt, der Umgang mit ihr steht diesmal im Vordergrund. Die fortschreitende Digitalisierung macht sich jetzt mehr im Bedienungskomfort der Geräte bemerkbar, nötige Einstellvorgänge werden durch die Bildschirm-Menüsteuerung (On-Screen-Display OSD) zum Kinderspiel, Fernseher und Videorecorder lassen sich bequem vom Sessel aus programmieren. Zahlreiche Firmen präsentieren Fernsehgeräte im 16:9-Format in Mehrnormenausführung, die zum großen Teil mit Satelliten-Tuner ausgerüstet sind. Klanglich gibt es eine Verbesserung durch den Dolby-Surround-Ton, einen Raumklang fürs Wohnzimmer. Hierbei wird der auf mehreren Kanälen aufgenommene Fernsehton über fünf Lautsprecher abgespielt. Das zentrale Tonsignal, z.B. ein Dialog, ist über den Lautsprecher des Empfängers zu hören, Stereosignale wie Musik werden über die beiden Stereokanäle mit Zusatzlautsprechern wiedergegeben. Über einen weiteren Kanal, den Rückkanal, werden die Hintergrundgeräusche zu zwei Lautsprechern, die hinter den Zuschauern angeordnet sind, übertragen. Die Fernsehgeräte im 4:3-Format fallen äußerlich durch superflache Bildröhren und modernes Design auf (z. B. Grundig Exclusive Line im Design by F. A. Porsche, Loewe Opta Arcada und Calida in farbigen Gehäusen, Metz Carat, Philips Sensuval 21-350); eine Weltneuheit ist das von Luigi Colani kreierte Fernsehgerät der Firma RFT AG Staßfurt. Dieses Design soll insgesamt zehn Geräte-Typen einbeziehen.

 

Vorführungen des neuen Fernseh-Übertragungsstandards PALplus geben einen Einblick in die zukünftige Fernsehtechnik, regelmäßige Ausstrahlungen sollen ab 1994 erfolgen. Hauptmerkmale von PALplus sind: Wiedergabe des 16:9-Breitbild-Fernsehformats mit voller Vertikalauflösung, volle Abwärtskompatibilität zur bestehenden PAL-Norm, verbesserte Bildqualität durch Ausnutzen der vollen Videobandbreite und verbesserte Tonqualität. Nachdem sich der erst vor wenigen Jahren eingeführte D2-MAC-Standard nicht durchsetzen konnte, bedeutet die Einführung des PALplus-Standards einen wichtigen Schritt auf den Übergang zum geplanten 16:9-Hochzeilen-Fernsehen (HDTV).

 

Der Start des dritten ASTRA-Satelliten (ASTRA 1 C) am 12. Mai 1993 und die Tatsache, dass neben den Privaten jetzt auch ARD, ZDF und einige Dritte Programme über diesen Satelliten ausgestrahlt werden, sorgen für ein verstärktes Interesse an Satellitenempfangsanlagen. Sechs Firmen stellen über 18 Fernsehgeräte mit eingebautem Satelliten-Tuner aus (je nach Bildgröße zwischen DM 999,- und DM 9.400,-), und die Hersteller von Einzelanlagen für den ASTRA-Empfang präsentieren verbesserte Modelle, die schon einen erweiterten Frequenzbereich für den Empfang des geplanten vierten ASTRA-Satelliten bieten.

 

Im Bereich der Videorecorder steht die Einführung des neuen, aus den USA kommenden Programmierstandards ShowView im Vordergrund. Mit ShowView muss zum Programmieren des Recorders nur noch eine Zahlenkolonne von drei bis neun Zahlen eingetippt werden. Darin sind alle Informationen enthalten, die der Timer im Videorecorder braucht, wie etwa Start-, Stoppzeit, Datum und Programmplatz. Der Zahlencode zu jeder einzelnen Sendung wird in der Programmzeitschrift abgedruckt.

 

lm Audiobereich sind die Minianlagen wieder in Mode, sie bieten inzwischen einen technischen Komfort, der bislang nur in teuren Einzelkomponenten zu finden war. Ausstattungsmerkmale wie Fernbedienung, automatische Senderwahl, Timerfunktion, RDS-Empfang, Doppelcassette, CD-Spieler, teilweise sogar als Wechsler ausgelegt, findet man in vielen dieser aus Einzelkomponenten, Zweiblock-Anlagen oder einem Einzelblock bestehenden Minis (unter DM 1.000,-). Klanglich verbessert wurde die neue Generation der MiniDisc-Player. Eine vollständige MD-Modellpalette, überwiegend als tragbare Geräte ausgelegt, und ein umfangreiches Angebot an vorbespielter Software (etwa 500 Titel) präsentieren System-Erfinder Sony und zahlreiche Lizenznehmer (z.B. Sanyo, Sharp). MD-Player sind jetzt auch in Autoradios wie in das mit abnehmbarem Bedienteil und RDS-Empfang ausgerüstete Sony-Modell MDX-U 1 RDS eingebaut.

 

Die Telekommunikationselektronik belegt in diesem Jahr rund 20 % der Ausstellungsfläche, ein Beweis für die schnelle Entwicklung dieser Technik und das steigende Interesse an ihr. Die amerikanische Computer-Firma Apple z.B. ist zum ersten Male auf der IFA präsent. Zu den Schwerpunkten gehören wieder die Geräte des Heimbereichs, wie schnurlose Telefone nach dem neuen, abhörsicheren europäischen DECT-Standard, Anrufbeantworter und Telefax-Geräte, häufig zu einer Einheit mit einem Telefon zusammengefasst. Die immer kleiner und handlicher werdenden D-Netz-Funktelefone sind besonders für mobile Telefonkunden interessant. Im CB-Funkbereich präsentiert die Firma dnt ihre Michael Schumacher Collection: drei CB-Funkgeräte der Spitzenklasse mit den Namen Monza (Handfunkgerät), Hockenheim und Silverstone (Mobilgeräte). Hier sollen werbewirksam durch den Sympathieträger Schumacher neue Kundenkreise angesprochen werden.

 

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EX / RST 12.01.2010

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