Technik |
Normen, Kompatibilitäten, Gerätezahlen |
Zugang, Erreichbarkeiten, anonymer Empfang |
Hörer-Gewohnheiten, gesetzliche Regelungen
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Stand Jui 2012
Rundfunk gibt es in Deutschland seit 1923. Das damalige drahtlose technische Übertragungsverfahren AM, (1) hat im Bereich Langwelle, Mittelwelle und Kurzwelle bis heute (2011) Bestand. 1949 kam das verbesserte Übertragungsverfahren FM (2) hinzu, das ebenfalls bis heute im Einsatz ist.
AM und FM sind sogenannte "analoge" Übertragungsverfahren und können mit technisch relativ einfachen und zum Teil preiswerten Geräten dekodiert werden. Zu diesen Geräten gehören Radio-Oldtimer (Detektor, Audion, Super , usw.), aber auch moderne UKW-Stereo-Empfänger mit Verkehrsfunk und RDS.
Um 1998 wurde begonnen, "digitale" Übertragungsverfahren - noch zusätzlich zum analogen Rundfunk - einzuführen. Auch in diesem Bereich wurde zwischen DRM (3) - für Langwelle, Mittelwelle und Kurzwelle - und DAB (4) als Ersatz des bisherigen UKW-FM-Rundfunks unterschieden. Das Ziel dieser komplexen Umstellung der Technik auf Seiten der Sender und auch bei den Empfängern ist die deutlich verbesserte Übertragungsqualität, die teilweise Steigerung der Anzahl der Sender und die kostengünstigere Abstrahlung der Programme. Hinzu kommt die komplette Umstellung der Studiotechnik bei den Sendeanstalten ebenfalls auf digitale Signalverarbeitung.
Sind DRM und DAB von der Art der Verbreitung über Rundfunksender mit mehr oder weniger großen Versorgungsgebieten noch recht ähnlich zum analogen Rundfunk, so bringen weitere digitale Übertragungsverfahren mit völlig anderen Übertragungswegen neue Möglichkeiten. Derzeit gibt es hier hauptsächlich das Internet-Radio (5) , das auf diesen Wegen zum Hörer gelangt:
Telefon-Handy (Mobile Phone) mit Internet-Zugang, Heim-Computer, LAN-Radio und WLAN-Radio.
Internet-Radio bietet bei Erreichbarkeit eines schnellen Internet-Zuganges mit Flatrate bei guter Klangqualität eine riesige Auswahl von Internet-Radiostationen weltweit. 2011 geht man von ca. 15000 dieser Stationen aus.
Normen, Kompatibilitäten, Gerätezahlen
Während es in den Jahrzehnten seit Gründung des analogen Rundfunks im Grunde genommen nur zwei grundsätzliche Innovationssprünge gegeben hat (von AM zu FM und Stereophonie), sieht es für die wenigen bisherigen Jahre des digitalen Rundfunks deutlich anders aus. DAB ist um 1998 eingeführt worden. Dabei gab und gibt es in verschiedenen Ländern unterschiedliche dafür genutzte Frequenzbereiche und Bänder. Schon ab ca. 2009 zeichnete sich ab, dass es leistungsstärkere Nachfolger zu DAB geben wird. Derzeit (2011) ist DAB+ im Gespräch. DAB+ kann noch mehr Programme auf einem Sendekanal unterbringen und soll mit schwachen Empfangspegeln besser klar kommen. Allerdings werden nicht alle DAB-Empfänger diese neuere Norm-Variante dekodieren können. Weitere Norm-Varianten, auch mit Zusatzangeboten in Bild und Ton und u.U. verschlüsselt, werden getestet.
Grundsätzlich sind rein analoge und rein digitale Empfangsgeräte nicht untereinander kompatibel. Mit einem analogen Radio kann man nicht digital hören und umgekehrt. In den Jahren des Übergangs gibt es aber spezielle moderne Hybrid-Geräte, die AM/FM/DAB/DRM empfangen können oder zumindest einige der Übertragungsverfahren. Davon sind aber im Augenblick nicht alle gleichzeitig DAB und DAB+ fähig.
Die schon erwähnte Inkompatibilität zwischen analogem Radio und digitalen Radio zeigt ein Mengenproblem auf: In Deutschland gibt es geschätzt rund 300 Mio. UKW-Empfänger. Heute nach ca. 10 Jahren Regelbetrieb von DAB und DRM gibt es vielleicht ein bis zwei Millionen digitale Radios. Rechnet man zu den digitalen Radios die Internet-Radios und Telefon-Handys mit Internet-Anschluß hinzu, erhöht sich die Zahl - geschätzt - auf ca. 25 - 30 Millionen.
Zugang, Erreichbarkeiten, anonymer Empfang
Vergleicht man die "Zugangshürden" zum analogen, digitalen und als Sonderform zum Internet-Radio, ergeben sich gewisse Unterschiede:
Für den Empfang des analogen und digitalen Rundfunk (AM, FM, DRM, DAB) wird neben dem Radio selbst lediglich eine Rundfunkgenehmigung benötigt. Der Zugang ist ansonsten kostenfrei und anonym. Nur dem Radiohörer ist bekannt, welche Sender er empfängt.
Beim digitalen Rundfunkempfang via Internet (PC, Lan, Wlan, Handy-Netz) fallen neben den teilweise auch zu entrichtenden Rundfunkgebühren noch die Netzzugangskosten an. Internet-Radioempfang ist nur über schnelle Zugänge mit Flatrate zu empfehlen.
Zumindest erfährt der Internet-Provider oder u.U. staatliche Dienststellen, welche Rundfunksender der Nutzer hört. In Zeiten der Sensibilisierung der Menschen hinsichtlich des Datenschutzes zumindest ein Punkt, der zu bedenken ist. Mit Internet-Radio kann in vielen, aber nicht allen, Teilen der Welt ein guter Rundfunk-Zugang ermöglicht werden. Voraussetzung dazu ist bei Aufenthalten im Ausland, dass der Zugang nicht aus bestimmten Gründen gesperrt ist oder zensiert wird.
Das analoge Radio (AM, FM) bietet derzeit hier noch in vielen Regionen der Welt - die technisch weniger erschlossen sind - einen anonymen Zugang. Aber auch dort wo digitales Radio (DRM, DAB) zu empfangen ist, gibt es den anonymen Zugang. Analoges Radio und digitales Radio (AM / DRM auf LW, MW, KW) kann mit einem Rundfunksender große Gebiete mit einem Radius von einigen hundert Kilometern bis zu vielen tausend Kilometern auch in Krisenzeiten oder Katastrophenfällen die Menschen mit Informationen versorgen. Es bedarf dafür nicht sensibler und komplexer Daten-Netze.
Sender-Angebot der Rundfunkanstalten, Hörer-Gewohnheiten, gesetzliche Regelungen
Die im April 2011 geltende Gesetzeslage (Telekommunikationsgesetz, § 63, Abs. 5) legt das offizielle Ende des analogen UKW-Rundfunks in Deutschland auf Ende 2015 (2016) fest. Der Paragraph bezieht sich hier ausdrücklich auf den analogen UKW-FM-Rundfunk, der AM-Rundfunk auf LW, MW, KW ist vom Gesetz nicht betroffen. Würde das Gesetz terminlich durchgesetzt werden, gäbe es um 2015/2016 eine sicher so unbeabsichtigte gravierende Unterversorgung der Bevölkerung mit dem noch im Aufbau befindlichen digitalen DAB. Es gäbe zu wenig digitale Empfangsgeräte. Es gibt aber Hinweise, dass die Terminierung des derzeit aktuellen Gesetzes geändert wird. Der Bundesrat wird sich in Kürze mit einer Gesetzesnovelle befassen.
Die Rundfunkanstalten sind in der schwierigen Lage, das moderne digitale Netz auszubauen, auf neue Norm-Varianten (DAB zu DAB+ oder Nachfolger) zu achten und dabei die hauptsächlich noch sehr große "analoge" Hörerschaft nicht aus dem Fokus zu verlieren. Andererseits ist es für die Sendeanstalten durchaus interessant, die Möglichkeiten von DAB+ hinsichtlich der erhöhten Programmplatz-Kapazität auszuschöpfen.
Neben dem analogen UKW-Rundfunk ist die Zukunft des analogen AM-Rundfunks unklar: Beobachtet man die Zahl der aktiven AM-Sender auf LW, MW und KW in den letzten Jahren in Deutschland, muss man von einem regelrechten Sendersterben sprechen. So wird z.B. Ende 2011 der öffentlich-rechtliche SWF die AM-Sendungen einstellen und der DLF die Aussendungen auf KW. Seitens der Rundfunkanstalten wird davon ausgegangen, dass die Hörerschaft AM-Rundfunk nicht mehr in relevanten Größenordnungen nutzt und so der Sendebetrieb sich aus Kostengründen nicht mehr rechnet. Der Kurzwellensender des DLF auf 6190 kHz wird wohl bei der nächsten Reparaturnotwendigkeit off air gehen.
Insgesamt ist insbesondere bei der jüngeren Generation ein Rückgang der klassischen Rundfunknutzung zu verzeichnen (s. Links). Sie nutzen zur Information und Unterhaltung mehr und mehr Mpeg-Player, Smart Phones, Internet in Wort und Bild, Radio in Form von Podcasts, "social networks", usw. Die Entwicklung ist hier einer großen Dynamik unterzogen. Trotzdem gibt es aber immer noch eine relevante Rundfunkhörerschaft, die derzeit hauptsächlich UKW, aber auch MW und LW hört und ihre vertrauten Geräte weiternutzen will.
Bisher hat das Publikum DAB und DRM nicht richtig angenommen. Entsprechend zurückhalten sind die Gerätehersteller bei der Entwicklung von Empfängern. Die DRM-Sender sind auf dem Rückzug, das Geräteangebot stagniert. Ein Neubeginn für das digitale Radio ist für den 1. August 2011 geplant. Dann startet ein bundesweites DABplus-Netz mit vorerst 27 Stationen in den Ballungsgebieten. Ein Ausbau in der Fläche soll in den folgenden Jahren anschließen. Bespielt wird der sogenannte nationale Multiplex in Kooperation von verschiedenen privaten Rundfunkanbietern und Deutschlandradio.
Die Frage ist, werden jüngere Nutzer überhaupt das kommende DAB+ Radio annehmen und nicht gleich direkt auf Internet-Radio umsteigen? Eine flächendeckende Versorgung mit Online-Radio ist bisher durch fehlende Breitband-Internetverbindungen vor allem in ländlichen Gebieten nicht gewährleistet. Können die Rundfunkanstalten überhaupt zukünftig noch ihre hervorgehobene Stellung in der drahtlosen Kommunikation halten und DAS Informationsmedium bleiben?
Auch das analoge terrestrische Fernsehen ist 2002 digital auf DVB-T umgestellt worden. 
Das Deutsche Rundfunk-Museum e.V. wird die Entwicklung weiter beobachten und hier gegebenfalls weiter berichten. Als Sammler historischer bis moderner Radios würden wir es natürlich begrüßen, wenn unsere Exponate - so wie sie es zum Teil seit 1924 können, auch weiter Radiosendungen in AM/FM/DAB/DRM aus den "Äther" fischen dürfen.
Nachtrag 05.06.2011. Online-Petition im Deutschen Bundestag. Thema: Analoger Rundfunk und Katastrophenschutz.
Nachtrag 10.08.2011. Neustart des DAB in der Variante DAB+ in Deutschland. Neben regionalen Sendern und Rundfunkanstalten wird auch eine Programmauswahl mit deutschlandweiter Reichweite angeboten, die weiter ausgebaut werden soll. Neben den DAB Programmen sind nun auch DAB+ Programme dabei, die neben den reinen Hör-Informationen auch eine Art Nachrichten-Ticker (Journaline) * in Textform - und über eine Menü-Auswahl - auf geeigneten DAB + Empfängern zeigen können. Weiter gibt es eine Grafik/Photo-Anzeige-Funktion, mit der kleine optische Darstellung sichtbar werden können. Hat ein DAB+ Empfänger die entsprechende Fähigkeit, kann z.B. ein CD-Cover oder Platten-Cover oder ein Wetterbericht oder auch ein Sender-Logo gezeigt werden. Im August 2011 (noch vor der IFA) gibt es aber nur wenige DAB+ Geräte die Journaline verarbeiten können und fast keine Geräte für die Grafik-Anzeige. Leider können DAB Empänger bis auf wenige Ausnahmen nicht kompatibel zu DAB + gemacht werden. Das führt zu der Situation, dass bisherige DAB-Empfänger die neuen Anzeigemöglichkeiten nicht nutzen können.
* = Journaline (wie z.B. von Deutschlandradio bei DRwissen angeboten) ist eine Bereicherung und sinnvolle Ergänzung der bisherigen DAB-Norm. Über eine themen-gesteuerte Menüauswahl stehen in kurzer aber aussagekräftiger Form derzeit in über 13 Haupt-Bereichen über 70 Informationen bereit. Befindet sich der Hörer in einer Region mit schlechter drahtloser Internetanbindung, kann er doch via DAB+ auf aktuelle Informationen auch ausserhalb der Nachrichten-Hör-Sendungen zugreifen.
Nachtrag 27.10.2011. Der Deutsche Bundestag hat eine Änderung des Telekommunikationsgesetzes beschlossen. Danach ist die LIzenzfrist für den analogen UKW-FM-Rundfunk zu Ende 2015 ersatzlos gestrichen worden.
Nachtrag 29.02.2012. Der Bundesrat hat im November 2011 bezüglich der Änderung des Telekommunikationsgesetzes den Vermittlungsauschuss angerufen. Im Februar 2012 hat der Bundesrat dann dem Gesetz zugestimmt, die Veröffentlichung steht bevor..
Nach wie vor gibt es auf dem deutschen Markt kein selbstständiges DAB+ Radio mit "Infoline"-Fähigkeit.
Nachtrag 26.04.2012. Radio- und Fernsehempfang über Handys (Mobile Phones): Moderne Handys vom Smartphone-Typ können bei Nutzung einer Flatrate sehr gut Audio- und Video-Streams verarbeiten. Befindet man sich in einem Handy-Versorgungsgebiet mit Hochgeschwindigkeits-Fähigkeit, steht dem Empfang nicht entgegen. Allerdings sind 2012 sogenannte Flatrates nur scheinbar solche. Tatsächlich haben eigentlich alle Tarife bei diversen Providern Datenmengen-Begrenzungen hinsichtlich der verfügbaren Geschwindigkeit. Einige Provider schalten die Streamgeschwindigkeit schon nach Erreichen der 100 MB-Grenze von UMTS auf ca. 60 kBit "slow motion" herunter. Es ist nun so, dass ein Daten-Stream in kurzer Zeit die 100 MB-Grenze überschreitet. So gesehen, ist täglicher TV- oder Radio-Stream über Handy entweder sehr sehr teuer oder schlicht unmöglich.
Nachtrag 20.06.2012. Der letzte deutschsprachige öffentlich-rechtliche Kurzwellen-Rundfunksender des DLF in Berlin Britz hat auf 6190 kHz den Betieb eingestellt.
Weiterführende Links. Alphabetisch sortiert. Stand Juni 2011
Links zu den veränderten Hörgewohnheiten jüngerer Generationen
http://www.media-perspektiven.de/uploads/tx_mppublications/05-2008_Neuwoehner.pdf
http://www.ard.de/intern/basisdaten/hoerfunknutzung/hoerfunknutzung/-/id=55150/rg70kk/index.html
Über DAB und den Start von DAB+:
http://www.swr.de/contra/-/id=7612/nid=7612/did=7335812/1tcgwzp/index.html
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