Autoradios

 

mende_ae35.jpgautosuper_286.jpgDie ersten Radios waren rein stationäre Geräte. Ein typisches frühes Radio hatte einen externen Lautsprecher und Batterien / Akkus und benötigte darüber hinaus eine mehr weniger lange Drahtantenne und einen Erdanschluß. Auch die bald folgenden Radios mit eingebautem Netzteil und Lautsprecher waren vom Konzept her ortsfest.

 

Erst mit Einführung der ersten "Kofferradios" (Koffer war hier wörtlich zu nehmen) konnte der Rundfunkhörer sein Radio mit auf Reisen nehmen. Dabei wurde die gewohnte Drahtantenne durch eine im Radiokoffer eingebaute Rahmenantenne ersetzt. Einen großen Teil des Kofferadios nahm die Heiz-Batterie (der Heizakku) und die Anodenbatterie ein.

 

Erstes Autoradio: Zwar war in den zwanziger und dreissiger Jahren der PKW (Auto) noch bei weitem nicht so verbreitet wie heute, aber schon um 1932 (Blaupunkt) kam der Wunsch auf, auch im PKW Radio hören zu können und wurde mit dem Blaupunkt AS 5 realisiert. (Quelle: Funkschau 1932, Radio-Bastler 1933, Heft 8). Allerdings war dieses Gerät nur eine Art  Vorführgerät oder bestenfalls ein Kleinstserien-Gerät. Versuche, ein Kofferadio im Auto zu betreiben, waren wenig erfolgreich. Die erzielbare Lautstärke reichte bei den Umweltgeräuschen (Motor, Verkehr) nicht aus. Auch konnte die eingebaute Rahmenantenne im Auto (Blechabschirmung) keinen guten Empfang sicherstellen. Ausserdem störte die Board-Elektrik den Empfang.

 

Von einer echten Markteinführung von Autoradios kann man in Deutschland erst  um 1935/36 ausgehen. Dabei war der Mende A.E. 35 (Photo oben rechts)  tatsächlich noch im Jahr 1935 vor dem Körting und Telefunken lieferbar. Leistungsfähige praktikable Autoradios wurden erst durch die Einführung Autoradio-geeigneter Röhren (6 Volt / 12 Volt-Heizung) realisierbar. Im Mende  A.E. 35 war das der Fall. Als Beleg für die Darstellung "Erstes deutsches Autoradio 1935" mag ein Blick in die damaligen Großhandelskataloge dienen. Erst in der Saison 1935/36 wurden hier Autoradios gelistet.

 

s1049.jpgblaupunkt_frankfurt.jpgAls Ausweg aus diesen Problemen bot sich nur der Einbau eines echten Autoradios an. Dazu mußte eine dauerhaft installierte Außenantenne am PKW angebracht werden. Nur dadurch konnte die abschirmende Karosserie (diente als "Erde) des Fahrzeugs ausgeblendet werden. Da die frühen Radios ausschließlich mit Radioröhren betrieben wurden, mußte für die Anodenspannung dieser Röhren eine ausreichend hohe Versorgungsspannung bereit gestellt werden. Das PKW-Boardnetz (für Licht und Zündspule) war typischerweise mit 6 oder 12 Volt ausgerüstet. Die Anodenspannung verlangte aber 100-250 Volt. Um diese Spannungen erzeugen zu können, wurde zuerst ein Umformer (im Prinzip eine Art Motor-Dynamo), später dann der "Zerhacker" eingesetzt.

 

Der Zerhacker setzte sich dann für Jahrzehnte durch. Er bestand im Wesentlichen aus einem vibrierenden Relaisschalter, der zuerst aus der 6 oder 12 Volt Gleichspannung des Autoakkus eine ca. 200 Volt hohe Wechselspannung erzeugte. Diese Wechselspannung wurde gleichgerichtet und stand dann im Gerät als Anodengleichspannung zur Verfügung.

 

Allerdings gab es das Problem, dass die Board-Batterie (Akku) stark belastet wurde. Vergaß man sein Radio auszuschalten, während der Motor (Lichtmaschine) nicht den Akku nachlud, war der Akku schon bald leer.

 

Der Zerhacker war ein Verschleißteil, seine Kontakte nutzen sich ab, so mußte der Zerhacker von Zeit zu Zeit getauscht werden. Insbesondere die Zündfunken und Lichtmaschine machten starke Störgeräusche und behinderten den Empfang. Mit Entstörfiltern und Entstörkondensatoren versuchte man, die Problematik in den Griff zu bekommen.

 

Die Technik in den dreissiger Jahren erlaubte noch keine Miniaturbauweise. Deshalb waren die ersten Autoradios nocht recht groß. Sie passten nicht (kaum) an eine gut erreichbare (bedienbare) Stelle am Amaturenbrett. Man teilte deshalb das Radio in mehrere Komponenten auf: Bedienteil, Zerhacker mit Spannungswandlung und Lautsprecher / Lautsprecherstufe und externe Stabantenne. Erst spät kamen Autoradios auf, die alle Komponenten (ausser der Antenne) in einem kleinen Gehäuse vereinigen konnten. Es bildete sich dann sogar ein Abmessungs-Standard heraus, der zu einem genormten Einschubschacht am Amaturenbrett führte.

 

mainz.jpgberlin_irq.jpgIn der zweiten Häfte der fünfziger Jahre kamen Transistoren auf den Markt. Transistoren benötigten keine hohe Anodenspannungen, sie konnten direkt aus dem Boardnetz versorgt werden, Zerhacker konnten entfallen. In diesen Jahren der Transistoreinführung gab es Übergangslösungen - wie der Transistorspannungswandler (als Ersatz für den störanfälligen Zerhacker), das Hybridradio (Hochfreqenzteil mit Röhren, Niederfrequenzteíl schon mit Transistoren) (Beispiel Blaupunkt Transistor, Photo weiter oben rechts) oder Autoradios mit sogenannten Niedervolt-Röhren.

 

Eine Zwitter-Lösung stellte z.B. der Blaupunkt Mainz ATR dar (linkes Photo), er war die Kombination aus einen tragbaren Kofferradio und einem Autoradio. Das Gerät konnte in einen Schacht am Amaturenbrett gesteckt werden und wurde automatisch mit einer zusätzlichen Lautsprecher-Endstufe verbunden. Verblieb  das Gerät im verschlossenen PKW, war es durch Verriegelung diebstahlgeschützt.

 

Autoradios sollten einfach bedienbar sein, damit der Fahrer nicht zu sehr vom Verkehr abgelenkt wurde. So gab es bald Stationstasten und sogar Motorsuchlauf-Funktionen und automatische Scharfabstimmungen. Mit Einführung des Verkehrsfunksystems (ARI) konnte sich der Autofahrer über die aktuelle Verkehrslage informieren. Das ARI-System wurde später durch RDS ersetzt.

 

Während bis 1949 die Autoradios Langwelle, Mittelwelle und (u.U) Kurzwelle nutzen, kam dann der UKW-Rundfunk auf. Um 1953 kamen automatisch versenkbare Teleskopantennen auf den Markt, die vom Autoradio beim Ein- und Aus-schalten gesteuert wurden. Ab 1963 konnte auch HF-Stereophonie geboten werden. Autoradios mit anschließbaren Plattenspieler und Tonband-Kassettenfach (später mit CD-Spieler und USB-Anschluß oder MPeg) machten auch unterwegs unabhängig vom Rundfunksender-Angebot.

 

Zur Komfort-Steigerung trugen vom Radio beim Ein- und Ausschalten  automatisch versenkbare Teleskopantennen (ab ca. 1953) und die kleinen Aktivantennen bei. Die Aktivantennen waren entweder kurze  "Antennenstummel" oder in die Windschutzscheibe intergriert.

 

Einen gewissen technischen Höhepunkt stellte der Blaupunkt Berlin IQR 83 (Photo weiter oben rechts) dar, er verfügte über ein absetzbares Kompakt-Bedienteil und technische Besonderheiten, wie z.B. eine synthetische Stimme, die bestimmte Betriebszustände und Sendernamen meldete, über ARI verfügte  und ein Reverse-Cassetten-Spieler und eine 4-fach-Endstufe mit jeweils 15 Watt Sinus.

 

In den neuziger Jahren wurde der digitale Rundfunk zusätzlich eingeführt. Sogenannte DAB-Autoradios kamen auf den Markt, konnten sich aber bis heute nicht richtig durchsetzen. Einige moderne Autoradios bieten Freissprecheinrichtungen für das Telefon-"Handy" und / oder haben einen intergrierten Navigator (GPS).

 

Es gibt zwischenzeitlich Autoradio-Anlagen mit sehr hoher Ausgangsleistung (NF-Leistungen von über 100 Watt sind dabei nicht ungewöhnlich. Spezielle riesige Bass-Subwoofer bringen den richtigen Sound. Vier Lautsprecher (auch für die Passagiere auf den Rücksitzen) sind quasi Standard. Verknüpfung mit Video-Display kein Problem.

 

RST 10.01.2012 / 02.02.2012

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