Wiedereröffung nach dem Umbau:
Die Planungen für die dringend notwendige Sanierung des Gebäudes begannen 1984. Zur 37. Funkausstellung 1989 konnte das Deutsche Rundfunk-Museum nach zehnmonatiger Umbauzeit wiedereröffnet werden. Durch bessere Ausnutzung des Raumes wurde die Ausstellungsfläche auf 650 qm vergrössert. Da diese Ausstellungsfläche für die vorhandene Exponatesammlung und die Erfordernisse von Wechselausstellungen immer noch zu knapp bemessen war, stand für Mitte der 90er Jahre ein Erweiterungsbau in Aussicht.
Doch es kam anders: Der geplante Erweiterungsbau wurde zu den Akten gelegt, durch eine Änderung im Mietverhältnis mit der Messe Berlin standen plötzlich Mietforderungen an, und die Senatskulturverwaltung beendete 1996 die finanzielle Unterstützung...
Am 3. November 1997 war es dann soweit: Das Museum schloss unter dem Funkturm seine Tore und der Umzug nach Berlin-Adlershof begann.
Dauerausstellung: "Hörfunk und Fernsehen in Deutschland"
Im Obergeschoss des Gebäudes war die Abteilung elektronisches Fernsehen angesiedelt. Ein Teilbereich umfasste die Empfangstechnik: Fernsehgeräte aus den 30er Jahren bis 1967 (Beginn des Farbfernsehens). Im zweiten Bereich wurden Studiotechnik, also Film- und E-Kameras, Ton- und Übertragungstechnik desselben Zeitraums ausgestellt. Vervollständigt wurde diese Geräteschau durch technische und zeitgeschichtliche Übersichten. Ergänzt wurde die Abteilung Fernsehen durch das "Exponat" modernes Fernsehstudio. Hier war ein betriebsfertiges Studio mit den notwendigen Technikräumen eingerichtet, in dem Programme aufgezeichnet oder live ausgestrahlt werden konnten.

Im Untergeschoss des Gebäudes wurden Gedanken und Umsetzungen des Prinzips "Mechanisches Fernsehen" präsentiert: von der theoretischen Erfindung der Nipkow-Scheibe 1884 bis zur ersten 1. Fernsehdemonstration 1928 auf der 5. Funkausstellung in Berlin. Daran anschliessend folgte die Abteilung Hörfunk. Wegen der trotz Umbau 1989 nach wie vor vorhandenen räumlichen Enge musste auch hier einer zeitlichen Beschränkung nachgegeben werden: Die Ausstellung umfasste den Zeitraum 1923 (Beginn des Hörfunks in Deutschland) bis 1945, wurde dann aber 1994 um den Zeitraum 1945 bis 1990 erweitert. Detaillierte Übersichten über die Entwicklungsgeschichte des Hörfunks in diesen Jahren wurden ergänzt durch entsprechende historische Programmbeispiele, abzuhören über Kopfhörer.

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Sonderausstellung: Entartete Musik
1991 hat das DRM die kritische Rekonstruktion der 1938 in Düsseldorf gezeigten Ausstellung "Entartete Musik" aus Los Angeles nach Berlin geholt.
Neben dem Versuch einer kritisch kommentierten Rekonstruktion der 38er Ausstellung zeigte diese Ausstellung auch die Zerstörung des Musiklebens der Weimarer Republik und gab einen kursorischen Überblick über das deutsche Musikleben der 30er Jahre: Die vier Ausstellungsprogramme "Säuberungen", "Missbrauch ", "Deutsche Musik" und "Widerstand" kontrastierten das in der Nazi-Zeit Verbotene mit dem offiziell Geförderten.
Auf dem Berliner Messegelände unterm Funkturm findet seit 1924 regelmässig die mittlerweile grösste Unterhaltungsmesse der Welt statt, die Internationale Funkausstellung. Seit 1967 war das Deutsche Rundfunk-Museum daran beteiligt und versuchte, mit Sonderausstellungen Akzente zu setzen. Die Präsentation unter dem Funkturm schaffte nicht nur historische Bezüge: Rundfunk war und ist ohne Musik nicht denkbar, die verbotenen Klänge waren zum großen Teil vorher durch das Radio populär geworden. |
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Sonderausstellung: "Mit uns zieht die neue Zeit"
Schwerpunkt der Museumsarbeit der Jahre 1989 bis 1993 war der Rundfunk der DDR, da dies bis 1989 nur schwer möglich war. Seit dem Fall der Mauer wurden Exponate (Empfangs- und Studiotechnik), Dokumente und Fotos der DDR-Medien gesammelt, bestanden enge Verbindungen zu den alten und neuen Medien-Einrichtungen auf dem Gebiet der Ex-DDR.
Seit Ende 1991 war das DRM Veranstaltungsort für Diskussionen medienpolitischer Ereignisse und Entwicklungen: In einer sechsteiligen Workshop-Reihe diskutierten prominente Zeitzeugen aus Ost und West (Journalisten, Wissenschaftler, Politiker) über thematische Schwerpunkte deutsch-deutscher Rundfunkgeschichte. Jeder Veranstaltungsabend wurde in Zusammenarbeit mit einer Landesrundfunkanstalt durchgeführt, aufgezeichnet und z. T. in gekürzter Form ausgestrahlt. Ab 25. August 1993 wurde im Deutschen Rundfunk-Museum eine Sonderausstellung gezeigt, die sich mit der Geschichte der elektronischen Medien in der DDR befasst. Unter dem Motto "Mit uns zieht die neue Zeit - 40 Jahre DDR-Medien" wurden, in Chronologie und Sachthemen zusammengefasst, die Eck- und Wendepunkte des Hörfunks und des Fernsehens in ihrer mehr als 40-jährigen Entwicklung vom Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 bis zur Wende 1989 bzw. zur Auflösung der bestehenden Rundfunkstrukturen in den dann schon neuen Bundesländern 1991 anschaulich gemacht. Bis zum 31. Januar 1994 konnten die Exponate, die vor allem aus Schrift- und Bilddokumenten des Deutschen Rundfunkarchivs (Frankfurt/Berlin), aber auch der Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv Berlin stammen, besichtigt werden. Der chronologische Teil war so konzipiert, dass er auch als Wanderausstellung an anderen Orten - beginnend in Frankfurt am Main - gezeigt werden konnte. In einem umfangreichen Begleitkatalog, der über das Museum zu beziehen ist, äussern sich Historiker über einzelne Entwicklungsphasen und betroffene Programmacher über Schwerpunkte und Probleme ihrer eigenen Arbeit. |
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Sonderausstellung: "70 Jahre Funkausstellung"
Am 4. Dezember 1924 wurde in Berlin die erste Funkausstellung eröffnet. 39 Funkausstellungen hat es bis 1993 in Deutschland gegeben - davon 31 in Berlin auf dem Messegelände unter dem Funkturm. Anlaß für das Deutsche Rundfunk-Museum, mit einer Sonderausstellung und einer ausstellungsbegleitenden Chronik 70 Jahre Zeitgeschichte Revue passieren zu lassen, in deren Rahmen sich Wirtschaft, Technik und Rundfunk entwickelt haben. Die Funkausstellungen haben es, zumindest in der Vergangenheit, geschafft, die Rundfunkindustrie, die Rundfunkanstalten und den Komsumenten von beiden, den Käufer und Hörer/Zuschauer, in einer großen informierenden und unterhaltenden Schau zusammenzubringen - zum Nutzen für alle Beteiligten. In dieser 70-jährigen Geschichte der Funkausstellung hat es Brüche gegeben, die abhängig waren von politischen Entwicklungen; der Rundfunk selbst hat die Gesellschaft verändert und dadurch neue Verhaltensweisen geprägt. Die Funkausstellung war immer auch ein Spiegelbild dieser Entwicklungen.
In den Kapiteln "Funkausstellungen in der Weimarer Republik (1924-1932)", "Funkausstellungen in der Diktatur (1933-1939)", "Funkausstellungen auf Wanderschaft (1950-1970)", "Internationale Funkausstellungen (1971-1993)" mit Ausblick auf 1995, wurden der jeweilige politische, kommerzielle und rundfunkhistorische Stellenwert, den die Funkausstellung hatte, beschrieben. Die in der Ausstellung gezeigten Beispiele in Ton und Bild wurden dem DRM dankenswerterweise von der ARD/SFB und dem Deutschen Rundfunkarchiv in Frankfurt (DRA) zur Verfügung gestellt. Auch ein Teil der Fotos stammte vom DRA. Am 4. Dezember 1994 wurde die Ausstellung im Rundfunk-Museum von Wirtschaftssenator Dr. Norbert Meisner, der Leiterin des Museums, Dr. Heide Riedel, und dem 1. Vorsitzenden des Vereins Deutsches Rundfunk-Museum, Werner Goldberg, eröffnet. Goldberg war selbst jahrelang der ARD-Beauftragte für die IFA. |
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Sonderausstellung: "Rundfunkpropaganda im Zweiten Weltkrieg - Wortschlacht über Deutschland"
Propagandageschichte ist immer auch Missionsgeschichte - und die hat spätestens mit der Erfindung des Buchdrucks angefangen: Propaganda als Mittel zur Abgrenzung nach aussen und Identifikationsfindung nach innen.
Im Zweiten Weltkrieg wurde von allen kriegführenden Parteien erstmalig der Rundfunk als besondere psychologische Waffe im Kampf um die öffentliche Meinung eingesetzt: durch die schon bestehenden und im Laufe des Krieges ausgebauten Auslandsdienste ("weisse Propaganda") und die im Krieg hinzugekommenen Geheimsender ("schwarze Propaganda"). Die Sonderausstellung des Deutschen Rundfunk-Museums zeigte den Kriegsverlauf im Spiegel der Rundfunkpropaganda in vier Abschnitten - Kriegsbeginn - Blitzkriege - Kriegswende - Totaler Krieg - mit dem Abschluss der Kapitulation und den staatspolitischen Statements 50 Jahre danach. Dabei beschränkte sich die Darstellung auf den Reichsrundfunk, den Deutschen Dienst der BBC und die deutschsprachigen Programme aus Moskau.
Die gezeigten Dokumente entstammten zum grössten Teil einem Forschungsprojekt der Humboldt-Universität Berlin (Prof. Wolfgang Mühl-Benninghaus, Dr. Carola Tischler) zusammen mit dem Deutschen Rundfunkarchiv (DRA), Frankfurt am Main/Berlin (Dr. Joachim-Felix Leonhard, Dr. Ansgar Diller), das sich mit Fragen des deutschsprachigen Exilrundfunks in der Sowjetunion zwischen 1933-1945 beschäftigt, dazu die seit kurzer Zeit "offenen" Moskauer Archive auswertet und von der Deut
schen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt wird. Propagandaaktivitäten in London und Moskau wurden also mit deutschen Dokumenten, die u. a. im Moskauer sog. "Beutearchiv" lagern, belegt und erstmalig in dieser Sonderausstellung der Öffentlichkeit präsentiert.
Auch ein Grossteil der Fotos und der ca. 100 Minuten umfassenden Hörfunk-Dokumentation, auf neun Hörplätze verteilt, stammten vom DRA - ein Zeichen der hervorragenden Zusammenarbeit. Finanziert wurde die Ausstellung durch eine Projektförderung des Bezirksamtes Charlottenburg in Höhe von DM 5.000,--, mit denen wir auch tatsächlich ausgekommen sind! Immaterielle Hilfe des SFB wie auch die einiger guter Freunde des Museums waren wie immer eine conditio sine qua non unserer Ausstellungsaktivitäten.
Museums-Katalog 2. Auflage
Der Katalog wurde als 2. Auflage mit mehreren Ergänzungen bis 1987 angeboten, dann war er vergriffen. Details zum dem Katalog hier.
Museumskatalog 2. Auflage.
EX / RST 03.12.2009
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