Die Funkausstellungen 1981-1989

33. Internationale Funkausstellung Berlin 1981 (4. - 13. September)

 

81--almanach81.jpgUnter den vorherrschenden Themen dieser Funkausstellung steht der Start des Stereo- bzw. Mehrkanaltons im Fernsehen. Hierfür werden von allen deutschen Herstellern, nur sie sind z. Zt. im Besitz der TV-Stereoton-Patente, unterschiedliche Varianten angeboten. Fernsehempfänger mit integriertem Stereo-Decoder, -Verstärker und eingebauten Lautsprechern sind in verschiedenen Bildgrößen ausgestellt. Durch die beiden links und rechts neben der Bildröhre eingebauten Lautsprecherkombinationen erhalten diese Gerate wieder eine symmetrische Breitform. Aber auch die gefragte schmale Würfel- oder Monitorform wird mit Hilfe separater, zum Design des Empfängers passenden Lautsprecherboxen realisiert. Eine exklusive Ausführung zeigt Nordmende: Die Hoch- und Mitteltonlautsprecher des Prestige Stereosonic 2401 sind in ausschwenkbaren Türen untergebracht.

 

Verschiedene Nachrüstmöglichkeiten machen auch Mono-Farbfernseher stereotüchtig. Der problemlose Einbau eines Stereo-Decoders erlaubt die Zweikanalton-Wiedergabe, es kann wahlweise auf den Tonkanal 1 oder 2 umgeschaltet werden. Ein Zusatzlautsprecher oder die Verbindung mit der vorhandenen Stereo-Anlage ermöglichen dann die Stereo-Wiedergabe. Einen Trend zur Vereinheitlichung der Chassiskonzepte bei Fernsehempfängern zeigt Grundig mit dem "CUC"-Compact-Universal-Chassis, Blaupunkt kehrt mit seinem Chassis FM 120 wieder zur Einplatinen-Ausführung zurück.

 

Ein weiterer Publikumsrenner: Videorecorder und Videokameras. Bei den Neuvorstellungen der Videorecorder zeichnet sich ein Trend zur Verbesserung des Bedienungskomforts bei allen drei Systemen (Betamax, VHS und Video 2000) ab. Hierzu tragen leichtgängige Tasten für die Laufwerkssteuerung genauso bei wie die zunehmende Fernbedienbarkeit der Recorder der Spitzenklasse (z. B. Akai, National). Bei allen Systemen gehören Bildsuchlauf, Zeitlupe, Standbild und Einzelbildfortschaltung fast schon zum Standard, die neue Video 2000-Generation gibt es auch in Stereo-Ausführung. Zwei zusätzliche Videoköpfe ermöglichen bei dem VHS-Recorder V-8700 von Toshiba ein störstreifenfreies Standbild. Als Ergänzung zu den tragbaren Videorecordern der bekannten Systeme wird das von der japanischen Firma Funai Electronic entwickelte CVC-System vorgestellt, das eine sehr kleine 1/4-Zoll-Cassette mit 60 Minuten Laufzeit verwendet. Der CVC-Videorecorder VP 100 von Grundig wiegt im betriebsfähigen Zustand nur 2,3 kg und läßt sich mit einem separaten Netzteil auch stationär betreiben. Interessante Neuheiten im Bereich der Video-Kameras sind die Ausführungen mit eingebautem Recorder der Hersteller Hitachi, National, Sanyo und Sony, die aber mit unterschiedlichen Systemen arbeiten. Neben dem von Philips entwickelten Bildplattensystem mit optischer Abtastung (Laser Vision) werden von einigen japanischen Herstellern Abspielgerate nach der kapazitiven Abtastmethode (CED und VHD) vorgestellt. Diese untereinander nicht kompatiblen Systeme weisen eine gleichgute Bildqualität auf, mit einer Markteinführung ist aber nicht vor Herbst 1982 zu rechnen.

 

81--a_loeweic22.gifAuf dem HiFi-Sektor wird wieder ein sehr großes Angebot im Bereich der gefragten Mittelklasse präsentiert. Ausgereifte Technik und guter Bedienungskomfort sind hier selbstverständlich, die Baustein-Anlagen aus Einzelkomponenten überwiegen. Eine Vereinfachung in der Aufstellung der Komponenten bringt das Stecksystem (z. B. Schneider), hierbei entfällt legliche externe Verkabelung der Einzelgeräte. Körting präsentiert einen mikrocomputergesteuerten Tuner, bei dem je nach eingestellter Frequenz die passenden Senderkurznamen auf dem Skalen-Display angezeigt werden. Elektrisch ausfahrbare Schubladen bei den Cassettenteilen erleichtern das Einlegen oder Wechseln von Cassetten (z. B. Braun atelier 1). Eine Neuheit sind auch die Cassettendecks mit Doppellaufwerken (z. B. National Panasonic, Onkyo), wobei der eine Kassettentell nur für Wiedergabe, der andere für Aufnahme und Wiedergabe ausgelegt ist. Wenig Neuvorstellungen gibt es bei den Spulentonbandgeräten. Das Vierspur-Stereomodell GX-747 von Akai, ausgestattet mit vollelektronischer Laufwerkssteuerung, sechsTonköpfen, zwei Bandgeschwindigkeiten, Timerbetrieb, programmierbarer Reverse-Funktion und Echtzeitzählwerk, erfüllt fast alle Wünsche des Benutzers. Neben den HiFi-Plattenspielern der bekannten Technik mit Tangentialtonarm und Direktantrieb gibt es eine Neuvorstellung der digitalen Schallplatte mit Laserabtastung nach dem von Philips und Sony entwickelten "Compact Disc"-System.

 

81--a_vp100.gifEin fast unüberschaubares Angebot herrscht bei den tragbaren Geräten, insbesondere bei den Radiorecordern. Hier geht der Trend zu höherer Ausgangsleistung, fast aussschließlich Stereoausführungen mit zwei Lautsprechern. Eingebaute Digital-Uhren mit Sleep- und Weckfunktion sind keine Besonderheit mehr. Zwei eingebaute Cassettenlaufwerke mit Überspielfunktion sind nicht mehr ungewöhnlich (z. B. Aiwa, ITT Schaub-Lorenz, Sharp). Einen Weltempfänger in kleinem Format präsentiert Philips, ausgerüstet mit PLL-Synthesizer und digitaler Frequenzanzeige. Der Einsatz eines Mikroprozessors erlaubt direkte Frequenzeingabe über das Tastenfeld, Direktwahl der fünf KW-Bänder, Schnellsuchlauf und Speicherung von sechs Sendern. Musikhören sogar unter Wasser: Sony bietet eine wasserdichte Schwimmtasche für ihre Walkman-Cassettenrecorder!

 

Das Autoradio der neuen Saison zeigt neben verbessertem Bedienungskomfort eine Klangverbesserung bei der Cassettenwiedergabe durch den Einsatz von Dolby und der Abspielmöglichkeit von Metal-Cassetten. Ein "Musiksensor" sucht im schnellen Vor- oder Rücklauf Pausen zwischen zwei Musikstücken auf (Philips). Übersichtliche Frontgestaltung durch ergonomische Anordnung der Bedienelemente (Blaupunkt) und Beleuchtungsmöglichkeit bei Dunkelheit (Leuchtleiste bei Hitachi) tragen zur Sicherheit bei.

 

 


 

 

34. Internationale Funkausstellung Berlin 1983 (2. - 11. September)

 

83--almanach83.jpgDie Entwicklung des Fernsehgerätes geht weiter. Graetz und Schaub-Lorenz präsentieren unter der Bezeichnung Digivision Farbfernsehgeräte, die auf dem von Intermetall entwickelten Digitalkonzept basieren. Hier werden spezielle integrierte Schaltkreise eingesetzt, die während der Lebensdauer des Grundig Super Color 8884 BTGerätes die Einstellungen der Farbwiedergabe und der Bildgeometrie überwachen und optimieren. Ein Videotextdecoder ist bereits allgemeiner Bestandteil des Empfängers. Die neuen Einplatinen-Chassis von Loewe Opta gelten als die kleinsten Farbfernsehchassis der Welt, ihre Grundfläche hat die Größe eines DIN-A4-Blattes. Viel „Luft" ist ebenfalls im neuen Stereo-Farbfernsehgerät von Schneider, die beiden kleinen Teilchassis verlieren sich am Boden und an der Seite des Gehäuses.

 

83--a_color8884.gifPhilips präsentiert das zukunftssichere Monitorsystem „Matchline" mit 51- und 66-cm-BiIdgröße; über die genormten Euro-AV-­Steckverbindungen können Videorecorder, Bildplattengeräte, Bildschirmtextdecoder oder Empfangsteile für das geplante Satelliten-Fernsehen angeschlossen werden. Farbfernsehempfänger mit eingebautem Videorecorder oder kombiniert mit HiFi-Tuner und HiFi-Cassettendeck werden von Blaupunkt und Grundig gezeigt. Neben dem mit schwenkbarer 67-cm-Bildröhre ausgerüsteten semiprofessionellen Farbfernsehmonitor Ultra Color C 67 S 77 Stereo stellt Saba einen universellen 25-cm-Farb-Portable mit Mikroprozessor-Technik vor. Dieses kompakte Gerät für 12- oder 220-Volt-Betrieb bietet z. B. Direktanwahl von 99 Fernsehkanälen, 39 Programm-Speicherplätze, Euro-AV-Anschluß, eine Video-Buchse für den Anschluß einer Farbvideokamera und Infrarot-Fernbedienung. Kabeltuner, Videotextdecoder und genormte Euro-AV-Buchse gehören bei den meisten Herstellern zur Grundausstattung ihrer Geräte dieser Saison.

 

Die Umstellung der Bildschirmtext-Norm auf den CEPT-Standard (Start am 15. September in Berlin, bundesweit im Laufe des Jahres 1984) erfordert neue Decoder für die Fernsehgeräte. Von Loewe Opta und Blaupunkt werden diese Decoder schon vorgeführt, andere Firmen wollen ab 1984 Nachrüstdecoder für ihre Fernsehempfänger auf den Markt bringen.

 

83--a_btxdecoder.gifÜberraschungen sieht man im Video-Bereich: Zwei Tage vor Eröffnung der IFA bekommt der tragbare Betamovie-Kamerarecorder von Sony Konkurrenz durch das von JVC präsentierte VHS-Video-Movie. Dieser Kamerarecorder ist bedeutend kleiner und leichter und bietet die Möglichkeit der sofortigen Wiedergabe einer Eigenaufnahme über den eingebauten Suchermonitor. Die rotierende Kopftrommel ist mit vier Videoköpfen ausgerüstet; als Bandmaterial wird die VHS-C(ompact)-Minicassette verwendet, die über einen Adapter auch im VHS-Heimrecorder abgespielt werden kann. Verbesserungen der Beta- und VHS-Heimrecorder liegen vor allem bei der jetzt erreichten HiFi-Tonqualität und im Bereich der Bedienung, so besitzen z. B. bei JVC die Bedienungstasten Symbolform. Die Spielzeit der Video 2000-Geräte von Grundig und Philips wurde durch Halbierung der Bandgeschwindigkeit auf 16 Stunden erweitert, wodurch allerdings die Qualität der Bildwiedergabe leidet. Die Größe der Geräte des Video 2000-Systems konnte deutlich verringert werden: Der Philips Videorecorder VR 2340 ist das kleinste und leichteste Heimgerät, das derzeit auf dem deutschen Markt angeboten wird.

 

83--a_watchman.gifKaum zu überblicken ist das HiFi-Angebot der Funkausstellung. Der Star ist aber eindeutig der Compact-Disc-(CD-)Plattenspieler, der von 26 Firmen oft sogar in zwei oder drei verschiedenen Ausführungen - bei Sanyo sogar fünf verschiedene Modelle - vorgestellt wird. Elektronische Laufwerkssteuerung durch Tipptasten und Anzeigemöglichkeiten wie Titel- und lndexnummer, die laufende Zeit eines jeden Titels, die Totalzeit seit Spielbeginn der CD und die verbleibende Restzeit gehören zum Bedienungskomfort.

 

83--a_sat300.gifVom 43-cm-Rastermaß bis hin zu Mini-Anlagen gibt es zahlreiche Neuvorstellungen im Bereich der Komponentenanlagen, von preiswerten Einsteiger-Komponenten (z. B. Nordmende System 1002, Saba System 180) bis zu Spitzenbausteinen für den HiFi­-Experten (mit dem großen Geldbeutel) (z. B. Grundig Serie 7000, Sony „Schwarze Linie"). In sehr elegantem Design präsentiert Bang & Olufsen seine Kompaktanlage Beocenter 2200, ausgestattet mit einem 2 x 25 Watt-AM/FM-Receiver, einem Cassettenrecorder mit Dolby B und automatischer Bandsortenwahl sowie einem vollautomatischen Plattenspieler mit Leichttonarm. Alle Bedienungselemente befinden sich an der Oberseite des extrem flachen Pultgehäuses. Das tragbare HiFi-Cassettengerät CR 160 von Uher besitzt als einziges Modell dieser Klasse beide Dolby-Rauschverminderungssysteme (B und C) und läßt sich dank zehn verschiedener Anschlußbuchsen mit allen gängigen HiFi-Anlagen verbinden. Das Modell CR 260 AV bietet zusätzlich die Möglichkeit des Auto-Reverse-Betriebes. Der kleinste CC-Spieler der Welt ist der Walkman WM-20 von Sony, er ist nicht größer als die Hülle einer Compact-Cassette. Seine Bauelemente sind auf einer biegsamen Folie befestigt.

 

83--a_iqr83.gifDie Gruppe der Weltempfänger, mit dem Grundig Satellit 300 an der Spitze, zeigt sich in immer kleineren und handlichen Geräten, die sich problemlos im Reisegepäck unterbringen lassen. Trotzdem lassen sie keine Wünsche offen: Neun oder mehr KW-Bereiche, digitale Uhrzeit und Frequenzeingabe, Weckeinrichtung und Sleep-Funktion und natürlich MW- und UKW-Empfang gehören zur Ausstattung.

 

Zu den interessantesten Autoradios der neuen Saison gehört das „sprechende" Blaupunkt-Modell Berlin IQR-83. Alle wichtigen Bedienungsfunktionen können bequem an einem abgesetzten Bedienteil eingegeben werden, eine synthetische Sprachausgabe sagt dem Fahrer, welche Taste er gedrückt hat, welches Programm er empfängt und wann er den Bereich des eingestellten ARI-Verkehrsfunksenders verläßt.

 

 


 

 

35. Internationale Funkausstellung Berlin 1985 (30. August - 8. September)

 

85--almanach85.jpgFlache Rechteckbildröhre, kabeltauglich, normenfest - das sind wichtige Stichworte für die neuen Farbfernseher, die „Alles-Empfänger“. Etwa 85 % der deutschen Haushalte sind mit mindestens einem FS-Gerät ausgestattet, das „Ersatzgerät“ für ältere oder technisch überholte Modelle spielt eine wesentliche Rolle. Trotz des noch geringen Stereoton-Angebots von ARD und ZDF ist die Nachfrage nach Geräten in Stereoausführung gestiegen, zahlreiche Neuerscheinungen der Firmen verwenden nicht nur die Rechteckbildröhre mit der verbesserten Schärfe bis in die Ecken hinein, sondern sind auch mit einem Stereodecoder ausgerüstet. Wegen der Ausdehnung der Breitband-Kabelnetze sind in den Fernsehgeräten dieser Saison auch die Kabeltuner immer zahlreicher vertreten. Serienmäßige Ausrüstung mit Steckmoduln für unterschiedliche Empfangsnormen (PAL, SECAM-Ost, SECAM-West, NTSC) gehört zu den Geräten der mittleren und oberen Preisklassen (z. B. Grundig Multi-System für bis zu neun verschiedene Standards, Sharp). Steigende Beliebtheit hat auch Videotext zu verzeichnen, werksseitig eingebaute Videotext-Decoder werden von vielen Herstellern angeboten. Die digitale Technik bestimmt künftig die internen Abläufe bei universellen Chassiskonstruktionen. Überwachung des Kinderzimmers oder der Haustür mit einer Videokamera und gleichzeitiges Fernsehen macht z.B. die digitale Technik des Digivision 3896 Multicontrol von ITT Schaub-Lorenz mit seiner „Bild-in-Bild"-Technik möglich. Drei eingebaute Euro-AV-Buchsen machen dieses Fernsehgerät zum ,Mehrzweckmonitor'.

 

85--a_vlp720.gifAuf dem Video-Sektor kämpfen nun vier Systeme ums „Überleben": Das neu hinzugekommene 8-mm-System Video 8, Beta mit der nun verbesserten Super-Beta-Technik, VHS und Video 2000. Der Bedienungskomfort der Videorecorder wird durch das Video-Programmier-System (VPS) deutlich gesteigert: Durch ein von den Fernsehanstalten ausgestrahltes Kennsignal startet und beendet der vorprogrammierte Recorder die Aufzeichnung auf die Sekunde genau, auch wenn sich eine Programmverschiebung ergeben hat. Die nötigen Eingaben für die Programmierung können z. B. bei Grundig über eine Zehnertastatur am Gerät erfolgen, andere Hersteller bieten die Möglichkeit, über einen Lesestift einen Strichcode des gewünschten Programms aus der Fernsehzeitschrift zu übernehmen und per Infrarotübertragung in den Videorecorder einzuspeisen. Der stereotüchtige HiFi-Videorecorder hat sich etabliert, mit der Longplay-Funktion lässt sich dieser als Tonbandgerät mit fast professioneller Qualität verwenden. Verbesserte Bildqualität und integrierter Kabeltuner sind selbstverständlich geworden, ähnlich wie bei den Fernsehempfängern sind auch zahlreiche Videorecorder in der Lage, verschiedene Normen zu verarbeiten. Zahlreiche Kamerarecorder-Neuheiten mit allen technischen Möglichkeiten zeigen den Trend zum leichten, handlichen Format; als kleinstes Gerät der Welt ist der Video 8 Handycam von Sony zu bezeichnen.

 

85--wkc2845.gifIm HiFi-Bereich hat sich die Compact Disc durchgesetzt, die technische Entwicklung der Abspielgeräte der dritten Generation bringt durch verbesserte Laser-Abtastsysteme und neue Fehlerkorrekturschaltungen eine weitere Qualitätssteigerung. Für die Heimanlagen, jetzt auch HiFi-Racks genannt, stehen zu allen Bausteinserien passende CD-Spieler zur Verfügung; Toshiba stellt mit dem XR-V 22 sogar einen CD-Doppelspieler für über 2 1/2 Stunden Spieldauer vor. Die Größe der tragbaren CD-Spieler ist auf das Maß der CD-Hülle geschrumpft, trotzdem bieten sie den Komfort eines Heimgerätes: 15 Speicherplätze, Wiederholbetrieb, zwei Suchlaufgeschwindigkeiten und „Skip"-Betrieb zum Überspringen eines Titels (z. B. Panasonic SL-XP 7). Diese geringen Abmessungen haben den Weg zum Einbau in die „Henkelware" geebnet, der letzte Schrei sind tragbare Stereo-Anlagen mit Recorder und CD-Spieler. Für die Walkman-Freunde zeigt Sony das Modell WM-W 800 mit Doppellaufwerk und Überspielmöglichkeit, der Sport-Walkman WM-F 75 mit integriertem UKW-Stereo- und MW-Radio ist in wasser- und staubdichter Ausführung überall einsetzbar. Stereo-Sound aus der Scheck-Karte? Die Mikroelektronik macht es möglich: Das FM-Stereo-Radio SRF-201 von Sony hat die Abmessungen einer Scheck-Karte und ist nur 3 mm dick. Computergesteuerte Intelligenz steckt in den neuen Autoradio-Generationen. Alle wichtigen Verkehrsfunksender Deutschlands und einiger Nachbarländer sind in einem Halbleiterspeicher abgelegt, so dass sich diese Empfänger beim Verlassen des Sendegebietes automatisch auf den nächsten erreichbaren Sender abstimmen (z.B. Blaupunkt, Grundig). Für den „Musikgenuss" im Auto bieten einige Hersteller Auto-CD-Spieler an, eine andere Möglichkeit bietet Philips mit der AutohaIterung für seinen tragbaren CD-Spieler CD 10.

Für die geplanten Ausstrahlungen von 16 Hörrundfunkprogrammen über Satellit (TV SAT 1, 1986) stellen neben Telefunken auch die Firmen Blaupunkt, Philips und Sony erste Satelliten-Tuner vor.

 

 


 

 

36. Internationale Funkausstellung Berlin 1987 (28. August - 6. September)

 

87--almanach87.jpgDie Zahl der Hersteller, die in ihren Farbfernsehempfängern das sogenannte Digital-Chassis verwenden, steigt weiter an (Grundig, Loewe Opta, Nordmende, Philips, Saba, Schneider, Telefunken), aber es werden noch nicht alle Möglichkeiten, die diese Technik bietet, ausgenutzt. Grundig zeigt ein Gerät, das flimmerfreie Bildwiedergabe durch doppelte Bildfrequenz (100 Hz), Bild-in-Bild und Standbildwiedergabe ermöglicht. Die mit der „Super-Planar"-Bildröhre ausgestatteten Farbfernsehgeräte (Telefunken) haben einen wesentlich flacheren Bildschirm mit einer die Spiegelung unterdrückenden Anti-Reflex-Beschichtung sowie ausgeprägten Bildschirmecken; die „Black Matrix"-Technik sorgt für guten Kontrast. Aber auch die Größe des Bildes steigt weiter, mehrere Firmen bieten Empfänger mit einer 82-cm-Bilddiagonale an, Spitzenreiter ist der Monolith 95 von Grundig mit 95-cm-Bilddiagonale. So exklusiv wie die Bildgröße ist auch der Preis: Das ca. 125 kg Grundig Camcorder VS-C50schwere Gerät kostet rund DM 8.000,-. Das Gegenstück hierzu bildet der Jackentaschen-Farbfernseher von Philips mit einer nur 2,5 mm dicken Flüssigkeitskristall-Anzeige (LCD) und 7,5-cm-Bilddiagonale. Die Videotext-Decoder wurden durch die fortschreitende Digitalisierung weiter verbessert und besitzen jetzt häufig Speicher für bis zu acht Videotextseiten. Zusätzlich übernehmen sie auch die Funktion der menügesteuerten Benutzerführung: Über ein Bildschirmmenü wählbar kann nicht nur in den gespeicherten Videotextseiten geblättert, sondern auch Informationen über gespeicherte Fernsehkanäle und Grundeinstellungen des Geräts abgerufen werden. Eine Weiterentwicklung des VPS-Systems mit Hilfe des Videotextdecoders wird das VPV-System (Videotext programmiert VPS) sein, dieser Standard soll aber voraussichtlich erst 1988 eingeführt werden. Auch die Videorecorder werden immer bedienfreundlicher. Die Eingabe der Daten für eine automatische Aufnahme mit Hilfe des Strichcodes und der Lesestifte oder über menügesteuertes „Text-Programming" (Grundig) wird immer einfacher. Das in die Recorder integrierte Video Programm System (VPS) gewinnt an Bedeutung. Die Qualität des VHS-Videorecorders wird mit dem neuen S-VHS-System, das 60 % mehr Auflösung erreicht, deutlich verbessert. S-VHS-Recorder in der PAL-Norm sind aber noch nicht erhältlich.

 

Zahlreiche Neuheiten auch bei den Camcordern. Drei Systeme wetteifern um die Gunst der Käufer: Marktanteile Video 8 (50 %), VHS-C (35 %) und VHS (15 %). CCD-Bildsensoren, d.h. lichtempfindliche Halbleiterelemente, und Autofokus-Einrichtungen gehören zum Standard. Gegen Unschärfen bei schnellen Bewegungsabläufen helfen die neuen Hochgeschwindigkeits-Abtastverfahren. Steigender Bedienungskomfort durch Automatikschaltungen, kleinere Abmessungen und geringes Gewicht gehören zu den Hauptmerkmalen der neuen Camcordergeneration. Der kleinste Camcorder wiegt nur noch 760 g.

 

87--a_vsc50.gifDie totgesagte Bildplatte ist wieder da: Nach dem legendären Telefunken-Desaster (TED-Bildplatte) Mitte der 70er Jahre und dem stillen Abschied der Laser-Vision präsentiert Philips eine Weiterentwicklung der Compact-Disc, die CD-Video. Das gezeigte Abspielgerät kann beide Plattentypen abspielen und erkennt automatisch, ob es sich um eine Audio- oder Videoinformation handelt: fünf verschiedene Plattenformate von der 12-cm-Audio-CD bis zur doppelseitig bespielten 30-cm-CD-Video mit bis zu 60 Minuten Bild und Ton je Seite.

 

87--a_wkc3860.gifIm Rundfunkbereich feiert auf dieser Funkausstellung das Radio Daten System (RDS) seine Premiere, am 1. April 1988 soll es bundesweit eingeführt werden. RDS ist ein nicht hörbares digitales Informationspaket, das zusammen mit dem normalen UKW-Programm ausgestrahlt wird. Durch die RDS-Daten erkennt der Rundfunkempfänger den eingestellten Sender und seinen Namen, erhält Informationen über alternative Frequenzen dieses Senders und wertet bei Verkehrsfunksendern die schon vom ARI-System her bekannten Sender- und Durchsagekennungen aus. Da vom RDS-System in erster Linie die Autofahrer profitieren werden, zeigen alle bekannten Autoradiohersteller erste, mit der RDS-Empfangsmöglichkeit ausgestattete Empfänger.

 

87--a_partycenter.gifEine andere Neuheit ist das Digital Audio Tape (DAT). Dieses System erlaubt das rauschfreie digitale Aufnehmen und Überspielen auf Band. Hierfür werden von einigen Herstellern Recorder für den Heim- und für den Autoradio-Bereich ausgestellt (z. B. Hitachi, Sanyo, Sony). Hohe Geräte- und Cassettenpreise, das nicht vorhandene Angebot an bespielten Cassetten und vor allem Streitigkeiten über deren Urheberrechtsschutz lassen einen baldigen Start dieses „Supersounds" von der Cassette zweifelhaft erscheinen. Neben Autoradios mit integriertem CD- oder DAT-Spieler steht die Frage der Diebstahlssicherung immer mehr im Vordergrund. Unzerstörbar eingeprägte Seriennummern oder eine mit dem Kennzeichen des Fahrzeugs verbundene und für den Dieb nicht löschbare elektronische Codierung sollen den „Langfingern" die Lust am Klauen verderben. Die Miniaturisierung geht weiter: Stereo-Miniradios und kleinste Fernsehgeräte werden immer leistungsfähiger. Es gibt nichts, was es nicht in vielen Formen und Farben in Mini gibt...

 

 


 

37. Internationale Funkausstellung Berlin 1989 (25. August - 3. September)

 

89--almanach89.jpgIm Rampenlicht der Funkausstellung 1989 steht wieder einmal die Fernsehtechnik. Neben Diskussionen über das Für und Wider neuer Fernsehnormen zeigen Vorführungen der neuen Techniken für D2-Mac, PALplus und EDTV Möglichkeiten auf, das Fernsehbild der Zukunft in der Qualität deutlich zu verbessern. Zusätzlich wird angestrebt, das vorhandene 4:3 Bildformat auf das 16:9 Breitbildformat umzustellen. Der Weg zum hochauflösenden Fernsehbild (HDTV) soll stufenweise erfolgen, ein erster Schrift ist durch den geglückten Start des Fernsehsatelliten TV-Sat 2 am 8. August 1989 möglich geworden. Erste Fernsehempfänger, die das über den Satelliten ausgestrahlte Programm im D2-Mac-Breitbildformat wiedergeben können, werden von der Industrie vorgestellt. Mit EDTV versucht die Industrie, unabhängig aller Normendiskussionen, die Möglichkeiten der bestehenden PAL-Norm bis an seine Grenzen auszunutzen.

 

89--a_dt1000dsr.gifNeue Digital-lCs ermöglichen Schaltungen zur Rauschverminderung, unterdrücken durch Verdopplung der Halbbild-Wechselfrequenz auf 100 Hz das Großflächenflimmern und bieten Darstellungsmöglichkeiten wie z.B. Bild-im-Bild, Standbild oder gar Bildverfremdungen (z. B. Blaupunkt, Grundig, Siemens). Bei den Kleinstgeräten hat sich die flache Flüssigkeitskristall-Anzeige als Farbbildschirm durchgesetzt, und auch die Kombination mit Rundfunkempfangsteil ist durch die fortschreitende Miniaturisierung möglich geworden (Philips).

Telefunken DT 1000 DSRDer Heim-Videorecorder der diesjährigen Saison, fast nur noch VHS-Ausführungen, zeichnet sich durch guten Bedienungskomfort und hohe Betriebssicherheit aus. Die Recorder der oberen Preisgruppe, besonders die S-VHS-Recorder, sind mit zusätzlichen Techniken wie Jog-Shuttle, Trickmischer und Titelgenerator ausgestattet und sprechen dadurch mehr die Zielgruppe der aktiven Videografen an. Die Camcorder werden einerseits immer kleiner (Sony TR 55), aber in Technik und Qualität dank S-VHS und des neuen Video-Hi-8-Systems (Canon, Sanyo, Sony) immer besser. Die weiterentwickelten CCD-Bildsensoren zeigen bei besserer Auflösung (390.000 Bildpunkte) ein geringeres Rauschen und kaum noch Schmiereffekte.

Ein breites Feld nehmen auch die Anlagen für Satelliten-Direktempfang ein, der durch die Satelliten Astra 1 A und TV-Sat möglich geworden ist. Allein der Satellit Astra 1 A bietet die Empfangsmöglichkeit von 16 in- und ausländischen Fernsehprogrammen, ein für 1990 geplanter Start des Astra 1 B wird diese Zahl verdoppeln. Durch die hohe Sendeleistung der Satelliten ermöglicht im deutschen Empfangsgebiet eine Anlage mit einer 60-cm-Schüssel einen sehr guten Empfang.

 

89--a_wkc5000rds_1.gifDer Satellit DFS 1 Kopernikus bietet neben dem Empfang von fünf Fernsehprogrammen aber auch einen neuen Rundfunk-Hörgenuss: Das Digitale Satelliten Radio (DSR) wird über diesen Satelliten mit Beginn der Funkausstellung eröffnet und bietet die Empfangsmöglichkeit von 16 digitalen Stereo-Tonprogrammen in 

CD-Qualität. Zusätzlich werden diese Programme auch über das Breitband-Kabelnetz auf Sonderkanälen zu empfangen sein. Grundig, Philips und Telefunken bieten DSR-Tuner an, die neben der Klangreinheit und Dynamik des DSR-Systems auch eine Auswahl von 15 in einer Norm festgelegten Programmarten ermöglichen. Nicht der jeweilige Sender steht im Vordergrund, sondern die Programmart wie z. B. Nachrichten, Hörspiel, Bildung, Politik, Magazin- und Musiksendungen verschiedenster Art. Im HiFi-Bereich gibt es kaum technische Neuerungen, das Hauptinteresse liegt bei HiFi-Komponenten mit digitalem Hörerlebnis. Der Hit des HiFi-Segments bleibt weiterhin der CD-Spieler, der in vielen Variationen bis hin zur CD-Musikbox präsentiert wird und die „normale" Schallplatte zu verdrängen beginnt. Um die CD-Video ist es wegen der zu geringen Titelauswahl für die PAL-Norm ruhig geworden. Bunt wie nie zuvor, im wahrsten Sinne des Wortes, ist das Angebot an tragbaren Audio-Geräten, obwohl der Marktumsatz eine rückläufige Tendenz zeigt.

 

89--a_wkc5000rds_2.gifDas im vergangenen Jahr offiziell eingeführte und inzwischen auch von allen ARD- und einigen privaten Sendern eingesetzte RDS-System setzt sich besonders bei den Autoradios durch. Neben den Anbietern Blaupunkt und Philips präsentiert Grundig sogar vier neue Modelle, darunter die Typen WKC 5000 RDS und WKC 5500 RDS der High-End-Klasse im exclusiven „Design by F. A. Porsche". Fragen der Diebstahlssicherung wie elektronischer „Security Code" und abnehmbare Bedienteile stehen weiter im Vordergrund der Ausstattung von Autoradios der oberen Preisklasse. Erstmalig zu dieser Funkausstellung hält die „mobile Kommunikation" Einzug in eine Messe der Unterhaltungselektronik, was ein Zusammenwachsen dieser beiden Bereiche nicht nur auf Herstellerseite bedeutet. Ausgestellte Telefone, drahtgebunden und schnurlos, Mobilfunktechnik und Telefax-Geräte sind auf dem Weg, zum Konsumgut für jedermann zu werden.

 


 

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